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Fifa : Blatter muss Reformen liefern

Listig, unberechenbar - und nun reformwillig? Angeblich ist Blatter „wild entschlossen“ Bild: dpa

Korruptionsbekämpfer sind optimistisch, dass der Fifa-Präsident sein Haus diesmal entschlossen aufräumen will. Doch er kann schon in seiner Exekutive auf Widerstand stoßen.

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          Es war schon immer sehr schwer, Joseph Blatter zu durchschauen. Berüchtigt sind List, Unberechenbarkeit und Rücksichtslosigkeit, mit der er über die vielen Jahre seine Macht als Herrscher des Weltfußballs durchgesetzt und erhalten hat. Seit sein System in Schieflage geraten ist und er als Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) eine besorgniserregende Häufung von Skandalen zu verantworten hat, steht der 75 Jahre alte, derzeit umstrittenste Sportfunktionär unter besonderer Beobachtung.

          Noch mehr gilt das für diese Woche. Am Hauptsitz der Organisation in Zürich entscheidet sich, ob mit Nachdruck tiefgreifende Veränderungen im Kampf gegen Korruption, bestechliche Mandatsträger, Verschwendung und Misswirtschaft im Fußball angegangen werden - oder es bei wohlfeilen Ankündigungen bleibt.

          Blatter soll sich umfangreich präpariert haben für die wegweisenden Krisen-Meetings. Er hat sich in Zürich mit seinen Finanzleuten, den Juristen der Fifa und Vertrauten intensiv beraten. Zuvor hatte er Gespräche mit Vertretern verschiedener Institutionen auch außerhalb des Fußballs geführt. Die Korruptionsbekämpfer von Transparency International haben ein Papier verfasst, in dem weitreichende Vorschläge für einen Weg aus dem Korruptionssumpf gemacht werden.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung könnte zudem einer der renommiertesten Antikorruptionsexperten eine zentrale Kontrollfunktion beim Reformprozess einnehmen: Der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth, Leiter einer entsprechenden Arbeitsgruppe in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie Berater des Weltbankpräsidenten in Compliance-Fragen, hat ein Gutachten für den Verband erstellt. Die Fifa bestätigt das, doch ist über Inhalt und mögliche Umsetzung Stillschweigen vereinbart worden.

          Auch dieser Leitfaden soll im höchsten Fifa-Gremium thematisiert werden, das an diesem Donnerstag zusammenkommt. Das derzeit inklusive des Präsidenten 23 Mitglieder starke Exekutivkomitee ist die Weltregierung des Fußballs. Dazu gehört neuerdings der deutsche Fußballpräsident Theo Zwanziger. Sein Vorgänger Franz Beckenbauer hatte über vier Jahre keinen bleibenden Eindruck - schon gar nicht als Kritiker des Systems - hinterlassen.

          Strippenzieher - auch bedrohlich? Ricardo Teixeira (r.) und Blatter (l.) verbindet eine lange gemeinsame Zeit in der Fifa-Exekutive Bilderstrecke

          Vor und nach der Wiederwahl Blatters im Juni hatte Zwanziger vehement Veränderungen bei der Fifa angemahnt und sich dann als Aufklärer positioniert. Vor den bevorstehenden Sitzungen am Zürichsee wollte er nichts sagen. Mit gemischten Gefühlen dürfte er seiner Premiere auf der Regierungsbank des Weltfußballs entgegensehen, zumal die Erwartungen von außen hoch wie nie und die internen Machtverhältnisse in einem Funktionärszirkel mit Vertretern aus aller Welt schwer kalkulierbar sind. Zudem sind einige von Zwanzigers Kollegen im Exekutivkomitee teilweise schwer belastet und gelten für das Projekt „saubere" Fifa eigentlich als unvermittelbar.

          Doch sie haben Macht und sind bedrohliche Strippenzieher wie der brasilianische Fußballpräsident Ricardo Teixeira, gegen den in der Heimat wegen Geldwäsche und Korruption derzeit ermittelt wird - oder wie Fifa-Vizepräsident Julio Grondona, der als nationaler Verbandschef in Argentinien trotz Korruptionsvorwürfen gerade ohne Gegenstimmen bestätigt worden ist.

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