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Fifa : Bin Hammam gesperrt, Blatter angeschlagen

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Die mutmaßliche Schmiergeldaffäre deckte ein Dossier des amerikanischen Rechtsanwalts und Mitglieds im Fifa-Exekutivkomitee, Chuck Blazer, auf. Blazer, Concacaf-Generalsekretär, soll von vier unbestechlichen karibischen Kollegen über das unmoralische Angebot in Kenntnis gesetzt worden sein und habe danach den Fall an die Fifa-Zentrale in Zürich gemeldet.

Enthüllungen und ein „Fußball-Tsunami“

Während Warner, der 68 Jahre alte karibische Unternehmer, seit 1983 Mitglied in der Fifa-Exekutive, gegenüber einheimischen Medien vor der Anhörung in Zürich brisante Enthüllungen und einen „Fußball-Tsunami“ angekündigt hatte, begründete bin Hammam seinen Verzicht auf das Präsidentschaftsduell mit feinen Worten. „Ich kann nicht zulassen“, schrieb der in der Exekutive nach Blatter mächtigste Fifa-Funktionär auf seiner offiziellen Homepage , „dass der Name, den ich geliebt habe, mehr und mehr in den Schmutz gezogen wird wegen des Wettbewerbs zwischen zwei Einzelpersonen. Das Spiel und die Menschen, die es lieben auf der ganzen Welt, müssen an erster Stelle kommen. Deshalb gebe ich den Rückzug von der Präsidentschaftbewerbung bekannt.“

In seinem Blog äußert sich der Qatarer auch mit einem Seitenhieb auf Blatter, dem er bei dessen ersten Wahlkämpfen als Freund und Helfer zur Seite stand: „Die jüngsten Ereignisse haben mich verletzt und enttäuscht zurückgelassen - auf professioneller und persönlicher Ebene.“ Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen nannte Bin Hammam „haltlos“; auch Warner sprach sich bei seinem Auftritt vor der Ethikkommission von jeglichem Verdacht frei.

Ein Fifa-Präsident auf Abruf

Blatter wiederum erscheint kurz vor seiner vermutlichen Wiederwahl geschwächt und unglaubwürdig wie nie seit seiner ersten Kür im Jahr 1998. Inklusive seiner eigenen Person gerieten seit Ende letzten Jahres - für den Fußball-Weltverband markiert durch die umstrittene Doppelvergabe der Weltmeisterschaftsturniere 2018 an Russland und 2022 an Qatar - zehn der 24 Mitglieder der Fifa-Exekutive ins Zwielicht, für Korruption empfänglich zu sein, Korruption aktiv betrieben zu haben oder Korruptionsvorwürfen nicht nachgegangen zu sein. Mit Sperren für drei Jahre und ein Jahr sanktioniert, mussten bisher nur die vergleichsweise unbedeutenden ehemaligen Exekutivkomitee-Mitglieder Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) büßen. Sie konnten den Käuflichkeitsvorwurf, ihre Stimmen für die WM-Vergabe feilgeboten zu haben, nicht entkräften.

Der Name Blatter selbst wurde im Laufe seiner dreizehn Jahre an der Spitze der Fifa auch ein paar Mal in Verbindung mit Bestechungsvorwürfen gebracht - doch nachweisen ließ sich dem missionarischen Schweizer, der die Welt durch den Fußball besser machen will, nichts. Den miserablen Zustand seiner Regierung hat der Chef zu verantworten, und deshalb ist Joseph Blatter von Mittwoch an bestenfalls ein Fifa-Präsident auf Abruf.

Sein Nachfolger steht schon bereit, will aber vorerst weiter an der Spitze der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bleiben. Michel Platini, als Spielmacher ein Weltklassefußballer und herausragender Sportsmann, dürfte spätestens 2015, vielleicht aber schon in zwei Jahren an die Spitze der Fifa gewählt werden. Der Franzose hat dieser Tage mit dem Blick auf die Fifa gesagt: „Es wird Zeit, dass wieder der Sport im Mittelpunkt steht.“ Einen solchen Spitzenmann hat die Fifa bitter nötig.

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