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Fifa : Aufstand gegen den Fußball-Rambo vom Golf

„Dieser Mann ist ein Diktator und ein großes Risiko”: Hat Hammam sogar Spiele manipuliert? Bild: REUTERS

Mohamed Bin Hammam, Präsident des asiatischen Fußballverbands, ist einer der dubiosesten Funktionäre. Ein schmutziger Machtkampf in seinem Herrschaftsbereich Asien könnte auch für Erschütterungen im Reich von Fifa-Präsident Blatter sorgen.

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          Von sich und ihrer Tatkraft sind die qatarischen Fußballfunktionäre überzeugt. Spätestens 2022, aber am besten schon vier Jahre zuvor will das kleine Emirat am Golf die Weltmeisterschaft ausrichten und die besten Teams der Welt unter spektakulären Bedingungen in unterirdischen, klimatisierten Stadien mitten in der Wüste aufspielen lassen. Am Montag kam deshalb der Sohn des Emirs nach Zürich, um die Bewerbungsunterlagen persönlich dem Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Joseph Blatter, in die Hände zu drücken. Schon seit einigen Jahren strebt der durch Erdgas- und Erdölressourcen verwöhnte Zwergstaat nach Anerkennung auf der großen Bühne des Weltsports. Doch ein schmutziger Machtkampf könnte nun nicht nur die Scheiche aus Qatar weit zurückwerfen mit ihren hochtrabenden Ambitionen, sondern gleichfalls für Erschütterungen im Reich des Fifa-Präsidenten sorgen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der Qatarer Mohamed Bin Hammam, dessen Gesicht kaum einem Fußballfan bekannt ist, der aber zu den einflussreichsten Fußballfunktionären und zwielichtigsten Gestalten im Weltsport gehört. Die Machtfülle des bald 60 Jahre alten Geschäftsmannes aus Doha kann sich sehen lassen: Bin Hammam gehört zum Exekutivkomitee der Fifa, ist Präsident der Fußball-Konföderation Asiens (AFC) und vor allem Strippenzieher im Hintergrund, der für Joseph Blatter in dessen Wahlkämpfen erfolgreich als Stimmenbeschaffer gewirkt hat. Der Ruf des Qatarers ist legendär – wie auch seine Machenschaften. Viele der ehemaligen Mitstreiter halten ihn inzwischen für so gefährlich, dass sie in Asien einen Aufstand organisieren. „Dieser Mann ist ein Diktator und ein großes Risiko. Er muss weg“, sagt Scheich Salman Bin Ebrahim Al Khalifa.

          „Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf, Hände und Beine ab“

          Der Cousin des Herrschers von Bahrain ist der Herausforderer des lange Zeit unbehelligt wirkenden Bin Hammam und gilt seinen Anhängern als die neue, saubere Alternative zum dubiosen Dunkelmann. Al Khalifa will Anfang Mai mit einem Mehrheitsvotum der asiatischen Fußballverbände statt des Qatarers in die Machtzentrale der Fifa – das Exekutivkomitee – einziehen und für einen Stimmungsumschwung sorgen. Es wäre der Anfang vom Ende für Bin Hammam. Das ist dem Qatarer bewusst, so kämpft er mit allen Mitteln um den Erhalt seiner Macht – bis hin zur Einschüchterung.

          Der bahrainische Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (r., hier mit Fifa-Präsident Joseph Blatter) kämpft für den „sauberen Fußball”

          In einem Interview ging er über den guten Geschmack hinaus: „Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf, Hände und Beine ab.“ Die asiatische Sportwelt ist empört. „Ich finde es skandalös, wie aus einer ganz normalen demokratischen Wahlentscheidung ein Krieg wird“, sagt Al Khalifa.

          „Goal“ soll dem Kauf von Stimmen dienen

          Noch hat Bin Hammam seine Position nicht verloren, doch die Opposition wird größer. Beim Sportkongress der Organisation aller Nationalen Olympischen Komitees von Asien (OCA) wurden weiter kräftig Stimmen gegen den Qatarer gesammelt, der nun wie ein angeschlagener Boxer blindwütig in die Gegenoffensive geht. Erzählt wird von kleinen, wirtschaftlich am Existenzminimum kratzenden Fußballverbänden, die angeblich von ihm bedroht werden, wenn sie nicht schnell eine schriftliche Unterstützungserklärung abgeben. Bin Hammam verfügt über eine weitere wichtige Funktion bei der Fifa, die ihm große Macht in die Hände gibt.

          Als Vorsitzender des sogenannten Goal-Büros verwaltet er die Entwicklungshilfe des Weltverbandes und entscheidet maßgeblich mit, an welche einzelnen Fußballverbände in der Welt die Unterstützung fließt – auch in Asien. Es geht um ein Volumen von rund 175 Millionen Euro. Beschwerden sind zu hören, wie die Mittel je nach Gefügigkeit der einzelnen Verbände eingesetzt werden. Kritikern gilt das Programm als Schmiergeldstelle für alle möglichen Unterfangen – zum Beispiel für den Kauf von Stimmen. Im Zusammenhang mit „Goal“ spricht Al Khalifa vom „Missbrauch von Mitteln“. Ebenso fragwürdig erscheint einigen der von Bin Hammam angestrebte Fernseh- und Marketingdeal für die AFC, den der Qatarer mit einer kleinen Agentur über zwölf Jahre abschließen will.

          Hat er auch Spiele manipuliert?

          Argwöhnisch werden in der Golfregion auch die persönlichen und geschäftlichen Verbindungen Bin Hammams registriert. Eine sehr enge existiert zum Präsidenten des irakischen Fußballverbandes, Husain Saeed Mohammad. Der ehemalige Nationalstürmer ist nicht besonders gut beleumundet – er wird in seiner Heimat wegen Bestechung, Korruption und Untreue per Haftbefehl gesucht und hält sich mal in Dubai, Abu Dhabi oder eben Doha auf. Irakische Nationalspieler und Vereine beschuldigen ihn, für Geld Einfluss auf Spiele der eigenen Nationalmannschaft genommen zu haben – wie der ehemalige Kapitän Razzaq Farhan. Sie nehmen es nicht als Zufall, dass der Irak in der WM-Qualifikation gescheitert ist – an Qatar.

          Die wichtigen Fußballnationen in Asien – Japan, Südkorea, Saudi-Arabien, Kuweit – organisieren die Opposition. Für Qatar als erhoffte Luxusdestination des Weltfußballs könnte die Entwicklung mit einer Enttäuschung enden, wenn ihr wichtigster Mann in dem Machtspiel zu Fall kommt. Aber nicht nur dort herrscht Unruhe: In der Fifa-Zentrale in Zürich sorgt die Angelegenheit um den Fußball-Rambo vom Golf für ebenso viel Aufregung. Blatter, schon lange in enger Vertrautheit mit Bin Hammam verbunden, will auf Anfrage nichts sagen. Der Fifa-Boss dürfte bestrebt sein, die Sache klein zu halten, damit durch eine unkontrollierte Zuspitzung nicht vielleicht weitere gefährliche Details vom Gebaren einiger Fußballfunktionäre an die Oberfläche gelangen. Doch auch er wird in der Schlacht inzwischen herausgefordert. „Die Regeln für Fairness und Sauberkeit in unserem Sport sollten für niemanden mehr gelten als den Fifa-Präsidenten“, sagt Al Khalifa.

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