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Ärger um Gerry Ehrmann : Tollhaus Kaiserslautern

Gerry Ehrmann lässt gerne die Muskeln spielen – wie hier beim Training im Jahr 1987. Bild: Imago

Der 1. FC Kaiserslautern wirft eine brennende Fackel in ein Pulverfass und setzt Gerry Ehrmann vor die Tür. Die Fans toben. Die Klub-Ikone kündigt rechtliche Schritt an. Damit könnte der Verein noch gut davonkommen.

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          Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Zumindest in den Karnevalshochburgen wie Köln oder Mainz. In Kaiserslautern, wo sie mit der Fastnacht nicht allzu viel am Hut haben, stehen die tollen Tage dagegen noch bevor. Denn am Sonntag hatte sich der einst so ruhmreiche 1. FC Kaiserslautern erdreistet, die Klubikone, den Torwart-Trainer Gerald „Gerry“ Ehrmann, nach 36 Jahren vor die Tür zu setzen. Seither kocht die in den vergangenen Jahren ohnehin schwer geschundene Fanseele. Die Anhänger sind sicher: Jetzt regieren endgültig die Narren auf dem Betzenberg.

          Am Samstag hatte sich die im Jahr 2020 noch sieglose Mannschaft zu einem 0:0 gegen Zwickau gequält. Sie steht damit weiter im Tabellenkeller der dritten Liga. Frei nach Rudi Völler: an einem noch tieferen Tiefpunkt als dem tiefsten Tiefpunkt zuvor. Prompt steckte die Vereinsführung sinnbildlich die eigene Tribüne in Brand und brachte die Fans gegen sich auf. Aufbrausender als zuletzt Sabine laufen die seither Sturm gegen die Entscheidung der Klubführung. Eine Online-Petition, darin wird die sofortige Wiedereinstellung Ehrmanns gefordert, unterschrieben bis zum Dienstagnachmittag Tausende. Allein in der Kommentarspalte des klubeigenen Facebook-Auftritts kündigten Dutzende an, aus dem Verein auszutreten.

          Angesichts des Volkszorns wird die Klubführung vor dem nächsten Heimspiel Anfang März gegen Meppen zittern wie sonst nur vor dem Blick auf den Kontostand des chronisch pleitebedrohten Klubs. In das Pulverfass auf dem Betzenberg haben sie nicht nur ein Streichholz, sondern gleich eine brennende Fackel geworfen. Die Hölle kocht über bei den Roten Teufeln. Dabei galten die Fans als der letzte Trumpf des gefallenen Riesen aus der Pfalz.

          Jetzt solidarisieren sie sich massenhaft mit ihrer muskelbepackten Identifikationsfigur. Ihrem „Tarzan“, der reihenweise hervorragende Torhüter wie die Nationaltorhüter Roman Weidenfeller, Tim Wiese oder Kevin Trapp ausgebildet hat. Drei schmale Zeilchen war dem FCK die Entlassung Ehrmanns am Wochenende wert. Ein Affront in den Augen vieler Fans. Am Montagabend sah sich der Verein gezwungen, nachzulegen. Ehrmann habe „substantielle Beleidigungen“ und „Drohungen gegenüber dem Trainerteam“ um Boris Schommers ausgesprochen, zudem „Arbeitsverweigerung“ betrieben, teilte der FCK mit.

          Alles Quatsch, behauptet nun Ehrmann und lässt die Muskeln spielen. Via Sport1 kündigte er an, rechtliche Schritte gegen seine Absetzung einzuleiten. Die Vereinsvertreter könnten damit noch gut davonkommen. In einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Kraftmeier werden sie bessere Chancen besitzen als in einer körperlichen.

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