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FC St. Pauli : „Dann werden wir die Bayern 2:1 besiegen“

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Ein Mann, ein Klub: Ali Sabetian zeigt Flagge Bild: Privat

FC St. Pauli-Fan Ali Sabetian studierte Geophysik in Hamburg, ehe es ihn beruflich nach Dubai zog. Er besitzt dennoch eine Dauerkarte auf Lebenszeit. Ein Interview über die Liebe zu einem Kultklub, Totenköpfe in der Wüste und das Pokalspiel gegen die Bayern.

          Ali Sabetian studierte Geophysik an der Universität Hamburg. Bis vor dreieinhalb Jahren arbeitete der gebürtige Perser bei einem Telekommunikationsunternehmen in der Hansestadt, dann zog er beruflich nach Dubai. Mittlerweile ist er dort Geschäftsführer eines Herstellers von Telekommunikationssoftware aus Singapur.

          Wie ist Ihre Liebe zum FC St. Pauli entstanden?

          Die entstand beim Aufstieg 1988. Ich fand es damals überragend, daß diese Mannschaft mit elf Hamburgern in die Bundesliga aufgestiegen ist. Manche deutsche Mannschaften haben ja kaum noch deutsche Spieler, geschweige denn einen, der aus der eigenen Stadt kommt. Das fand ich sehr sympathisch, da konnte man sich mit dem Verein identifizieren. Zudem hat das Drumherum gestimmt, es war ideologisch anders, es hat eine gewisse Lebenseinstellung repräsentiert. Das hat mir sehr gefallen.

          Sie waren einer der ersten, die beim FC St. Pauli die Dauerkarte auf Lebenszeit bestellt haben.

          Ja, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit habe, da hinzugehen. Aber die Karte gilt ja für das ganze Leben, da werde ich schon noch in den Genuß ein paar schöner Spiele kommen. Meine Lebensdauerkarte hat übrigens die Nummer zwölf. Ich weiß nicht, ob das Schicksal ist oder Fügung oder was auch immer. Ich bin sozusagen der zwölfte Mann.

          Wie oft nutzen Sie die Karte?

          Vielleicht viermal im Jahr selbst, ansonsten gibt es dankbare Abnehmer in Hamburg.

          Wo werden Sie am Mittwoch sein, wenn der FC St. Pauli im Pokal-Halbfinale gegen Bayern München spielt?

          Ich lande um 13.45 Uhr in Hamburg und fahre direkt Richtung St. Pauli. Am Samstag darauf hat Pauli das wichtige Spiel gegen den Aufstiegskonkurrenten Holstein Kiel, das schaue ich mir ebenfalls noch an. Am Ostersonntag fliege ich zurück. Ich hatte eigentlich auch vorgehabt, zum Pokalspiel gegen Werder Bremen zu fliegen, mußte dann aber unglücklicherweise geschäftlich nach Pakistan. Da war ich bis vier Uhr morgens wach, damit ich auch alles mitkriege. Ich habe das Hotel extra danach ausgesucht, daß es ARD-Empfang hat. Das war nicht einfach. FAZ.NET-Liveticker

          Wie wird sich der FC St. Pauli gegen die Bayern schlagen?

          St. Pauli macht es spannend. Es steht nach 90 Minuten 1:1. Dann werden wir die Bayern 2:1 besiegen, in der 115. Minute. Alles andere wäre nicht sehr Pauli-mäßig.

          Ein 4:0 wie gegen Bochum wäre nicht sehr Pauli-mäßig?

          Ich glaube, das kriegen wir diesmal nicht ganz hin. Es sei denn, wir kommen mit Schneekanonen.

          Wie halten Sie sich in Dubai auf dem laufenden über den FC St. Pauli?

          Das ist ja heutzutage nicht mehr so schwierig. Die Pokalspiele gibt es live im Satellitenfernsehen, die anderen Ergebnisse hole ich mir über den Teletext oder im Internet über den St.-Pauli-Service für Sehgeschädigte. Da werden die Heimspiele live übertragen, über Audio-Stream. Während wir beim Kochen sind, läuft dann nebenbei die schöne Stimmung am Millerntor. Bei Auswärtsspielen bin ich auf SMS angewiesen von Freunden, die vor Ort sind. Aber auch da kriege ich alles mit.

          Das Leben als Pauli-Fan ist nicht leicht. Wie oft sind Sie am FC St. Pauli verzweifelt?

          Viel häufiger, als mir lieb ist. Aber das sind wir inzwischen auch ein bißchen gewohnt, da sind wir abgehärtet. Es war ja oft so, daß bis zum Saisonschluß immer irgendwas zu erwarten war, entweder knapp nicht abgestiegen oder gerade so aufgestiegen. Und auch in den normalen Spielen ist es meist nicht so, daß Pauli 3:0 führt, sondern eben 1:0, so daß immer was passieren kann, entweder 2:0 oder 1:1, oder sie verlieren noch. Aber das gehört dazu, das ist die Dramatik.

          Wie empfinden Sie den Komfort im Stadion am Millerntor?

          Komfort ist so eine Sache, das kommt darauf an, was Sie darunter verstehen. Für mich bedeutet Komfort, umgeben zu sein von meinen besten Freunden. Das Tolle ist, daß man dann auch keine Probleme hat, wenn man ein bißchen angetrunken ist, weil man so zusammengepreßt ist, daß man auch so schon stehenbleibt. Zudem hält es warm und im Sommer auch schattig. Und man ist unmittelbar am Spielfeldrand. Das ist einfach eine urige Stimmung, und dieses Hasch-Aroma in der Luft, das hält einen sehr wach. Ich habe einen guten Freund, der HSV-Fan ist, und ich bin mit ihm auch öfters in der AOL-Arena gewesen. Das ist das, was man sich unter normalem Fußball vorstellt. Die gehen da hin, setzen sich, kriegen schön ihren Kaffee, was weiß ich, meinetwegen auch VIP-mäßig, ist alles picobello, großartig. Aber niemals die gleiche Stimmung. Vor allem: Sobald die Mannschaft schlecht spielt, wird sie ausgepfiffen. Das gibt's bei uns nicht. Freud und Leid, wir stehen St. Pauli bei. Das ist das Schöne. Und diese Anzeigetafel, die mit der Hand bedient wird! Die ist so kultig. So was wollen wir behalten.

          Wo ist Ihr Stammplatz?

          Stehplatz Gegengerade natürlich. Zumindest, so lange ich noch stehen kann. Das Gute an der Lebensdauerkarte ist ja, man kann irgendwann die Differenz von 2000 Euro bezahlen, und wenn ich mit siebzig nicht mehr stehen kann, kann ich mir dann einen Sitzplatz kaufen.

          Wie groß ist die St.-Pauli-Fangemeinde in Dubai?

          Ich fahre einen Landrover mit Totenkopf hinten drauf, da werde ich oft angehupt, auch von vielen Deutschen, die St. Pauli kennen. Ich habe mittlerweile auch einen Hamburger Stammtisch ins Leben gerufen, da sind wir schon 31, die meisten davon St.-Pauli-Sympathisanten. Es sind auch ein paar Rothosen dabei, aber niemand ist perfekt, da ist man tolerant. Demnächst gibt es vielleicht sogar einen offiziellen St.-Pauli-Fanklub in Dubai, ich habe zehn Leute, das müßte eigentlich reichen. Für die Wüste ist das schon recht viel.

          Wie reagieren die Leute in Dubai auf den Totenkopf am Auto?

          Meistens werde ich freundlich angelächelt. Wenn ich zum Beispiel mein Auto zum Waschen bringe, fragen die immer, was das soll, ob das ein Gefahrenzeichen ist oder was. Da muß ich das dann immer erklären. "Ja, St. Pauli!" - mit dem Namen können viele was anfangen. Wenn Sie den Fußballklub nicht kennen, kennen sie die Reeperbahn. Da hab' ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

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