https://www.faz.net/-gtl-a2j34

Europa-League-Finale : Das Erfolgsrezept von Seriensieger FC Sevilla

  • -Aktualisiert am

Ever Banega gewann mit dem FC Sevilla die Europa League schon. Bild: Picture-Alliance

Immer wieder spielt der FC Sevilla im Endspiel um die Europa League. So auch in diesem Jahr. Wie kommt es, dass der Klub aus Spanien, der schon fünf Mal den Titel holte, so oft erfolgreich ist in diesem Wettbewerb?

          3 Min.

          Als Michel Platini noch Präsident der Europäischen Fußball-Union war und die Siegerehrungen machte, kam es bei einer solchen zu einer einsilbigen Konversation. Der FC Sevilla hatte gerade zum dritten Mal nacheinander die Europa League gewonnen, als Platini den Präsidenten der Spanier beim Übergeben der Medaille lakonisch begrüßte. „Schon wieder?“, fragte Platini. José Castro nickte: „Schon wieder.“

          Europa League

          Platini ist nicht mehr Präsident der Uefa, der FC Sevilla aber schickt sich an, zur nächsten Siegerehrung zu schreiten. Zum sechsten Mal stehen die Andalusier seit der Jahrtausendwende im Finale der Europa League, an diesem Freitag geht es in Köln gegen Inter Mailand (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei RTL und DAZN). Ihre vorangegangenen Endspiele 2006, 2007 und 2014 bis 2016 haben sie gewonnen, und wahrscheinlich wäre die Trophäensammlung angewachsen, wenn man sich nicht regelmäßig für die Champions League qualifiziert hätte. Entsprechend selbstbewusst gibt sich Präsident Castro. „Wir können gewinnen oder gewinnen. Eine dieser zwei Optionen können wir wählen“, sagte er Canal Sur Radio und fügte hinzu: „In diesem Wettbewerb wachsen wir über uns hinaus.“

          Tatsächlich hat sich Sevilla international zu einer festen Größe im Segment hinter den reichen Topklubs aus München, Manchester oder Madrid entwickelt. Die gute Form aus der heimischen Liga, in der man in elf Spielen nach der Wiederaufnahme ungeschlagen blieb und sich als Vierter abermals für die Champions League qualifizierte, nahm die Mannschaft mit zum Finalturnier nach Nordrhein-Westfalen. Dort wurden Wolverhampton (1:0) und Manchester United (2:1) effizient aus dem Weg ge-räumt. Gegen Inter sollen der nächste Sieg und der nächste Titel folgen. Der letzte Gewinn der Europa League liegt vier Jahre zurück, aber in der Zeitrechnung Sevillas ist das eine Ewigkeit. Vom damaligen Siegerteam sind nur der ehemalige Schalker Sergio Escudero und Ever Banega übrig. Nichts ist beim FC Sevilla beständiger als die Veränderung.

          Der Verein hat sich wie kaum ein zweiter in Europa den Gegebenheiten der Branche angepasst. Günstig kaufen, teuer verkaufen, mit diesem Modell gehört Sevilla zu den ganz wenigen Vereinen in Spanien, die ökonomische Erfolge erzielen können. Um die Jahrtausendwende schien das noch undenkbar. „Vor 20 Jahren waren wir nahe am Bankrott, und es bestand die reale Gefahr, dass wir unser Stadion aufgeben müssen. Heute sind wir wirtschaftlich gesund, der Klub ist wahnsinnig gewachsen und gehört inzwischen zu den wichtigsten in Europa“, sagt Sportdirektor Ramón Rodríguez Verdejo, genannt Monchi, der als Architekt des Erfolgs gilt. Er, der ehemalige Torwart des Klubs, machte den Verein konkurrenzfähig, nachdem der in den neunziger Jahren in die zweite Liga abgestiegen war.

          An diese Zeit erinnert nur noch Monchi selbst, inzwischen hat sich Sevilla zu einer gefragten Adresse für Talente entwickelt, vor allem aus Südamerika, Frankreich und Nordafrika. Dani Alves machte sich im Süden Spaniens zuerst einen Namen, ehe es ihn nach Barcelona zog. Das Gleiche gilt für Ivan Rakitic oder Clement Lenglet, die Liste der namhaften Verkäufe ist lang. Auch vor dieser Saison gab es einen größeren Personalwechsel, was den Einzug ins Finale der Europa League umso wertvoller erscheinen lässt. Torjäger Wissam Ben Yedder ging nach Monaco, für ihn überwiesen die Franzosen 40 Millionen Euro an Sevilla. Pablo Sarabia (PSG, 18 Millionen) und Luis Muriel (Atalanta, 20 Millionen) verließen den Verein ebenfalls. Spieler, die mit Ausnahme von Muriel das Offensivspiel entscheidend prägten.

          „Natürlich birgt es ein gewisses Risiko, wenn du deine besten Spieler immer wieder verkaufst. Aber die Ergebnisse sprechen für uns und unsere Strategie“, sagt Monchi, einem Anhänger der Ausrichtung „Verkaufen, um zu wachsen“.

          In der aktuellen Mannschaft hat Sevillas Sportdirektor wieder genügend Talent versammelt, von den teuren Zugängen konnten sich viele sofort etablieren. Diego Carlos und Jules Koundé bilden ein kompaktes Duo in der Innenverteidigung. Gegen Inters gefährliche Angreifer Romelu Lukaku und Lautaro Marti-nez kommt ihnen eine Schlüsselrolle zu. Beide fand Monchi in der französischen Liga bei kleineren Vereinen, Carlos in Nantes, Koundé bei Bordeaux. Ihr Verkauf dürfte irgendwann bevorstehen.

          Länger bleiben nur die wenigsten, Ever Banega ist eine Ausnahme. Der Argentinier spielt mit einer kurzen Unterbrechung – bei Inter – seit 2014 für Sevilla und nimmt nun mit 32 Jahren Abschied. Ihn zieht es nach Saudi-Arabien. „Vorher möchte ich noch den Pokal in den Himmel recken“, sagt Banega. Es wäre die bestmögliche Art, sich zu verabschieden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Französische Fischerboote vor der Küste von Jersey am Donnerstagmorgen

          Brexit-Streit vor Jersey : Wenn Paris und London Kriegsschiffe entsenden

          Die Regierungen rufen nach einer gütlichen Einigung, üben sich aber in militärischen Drohgebärden. Ein französischer Fischer will es wissen: „Wir sind bereit, die Schlacht von Trafalgar noch einmal zu führen.“
          Auf diesem Areal soll der neue Wiesbadener Stadtteil Ostfeld entstehen.

          Neuer Wiesbadener Stadtteil : Ausnahme für das Ostfeld

          Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden könnte einen neuen Stadtteil bekommen. Auf dem Ostfeld wäre Platz für Wohnungen für bis zu 12.000 Menschen. Ob Wiesbaden-Ostfeld jemals entsteht, hängt von der Bauleitplanung ab.
          Redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist? Der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann.

          Rassismus und Moral : Lehmann und Aogo

          Erst fliegt Jens Lehmann eine rassistische Nachricht um die Ohren, dann setzt es bei Dennis Aogo aus. Das sorgt für eine Kaskade der Aufregung. Was steht an deren Ende?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.