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Neuer Schalke-Trainer Tedesco : Auf der Suche nach der Spielidee

  • -Aktualisiert am

„Glückauf“: Domenico Tedesco ist der bisher jüngste Schalke-Trainer überhaupt. Bild: firo Sportphoto

Der neue Trainer vom FC Schalke 04 ist von der Qualität des Kaders überzeugt. Bei seiner offiziellen Vorstellung erklärt Domenico Tedesco, wie er den Verein aus der Tristesse führen will.

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          Am Anfang war es ein bisschen so wie bei diesen Preisverleihungen im Fernsehen. Die Protagonisten betonten, wie dankbar sie seien. Einen Preis hat beim FC Schalke 04 zwar niemand gewonnen, aber die beiden Hauptfiguren auf dem Podium im Medienzentrum legten Wert darauf, sich ausführlich zu bedanken, ehe sie zur Sache kamen. Sportvorstand Christian Heidel dankte dem vorherigen Trainer Markus Weinzierl, den er vor einem Jahr mit viel Vorschusslorbeer ausgestattet und nach einer enttäuschenden Saison wieder entlassen hatte.

          Neben dem Manager saß der neue Cheftrainer Domenico Tedesco, grüßte mit einem ortsüblichen „Glückauf“ und bedankte sich bei seinem vorherigen Arbeitgeber Erzgebirge Aue. Der Zweitligaverein war so freundlich gewesen, den Fußball-Lehrer gegen Zahlung angeblich einer sechsstelligen Ablösesumme aus seinem laufenden Vertrag in die große, weite Welt zu entlassen. Drei Monate als erfolgreicher Abstiegskämpfer im Erzgebirge haben Tedesco gereicht, sich für den vakanten Posten „auf“ Schalke zu qualifizieren.

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          Einen Rekord hat der Deutsch-Italiener schon aufgestellt. Mit 31 Jahren ist Tedesco der jüngste Cheftrainer, den der bewegte und bewegende Traditionsklub aus dem Ruhrgebiet je hatte. Grund genug, „mit Demut an die Sache heranzugehen“. Bei seinen Karrieresprüngen hat er zuletzt ein atemraubendes Tempo hingelegt, das ihn selbst erstaunt. „Vor einem halben Jahr war ich noch Jugendtrainer in Hoffenheim“, sagte er.

          Innerhalb weniger Monate über die Zwischenstation Aue bei einem derart großen, schillernden Klub wie Schalke zu landen, sei für ihn ebenso wenig abzusehen gewesen wie für alle anderen. „Ich bin ja nicht weltfremd.“ Tedesco gehört zur „Generation Nagelsmann“, einer aufstrebenden Gruppe von Trainertalenten, die schon in jungen Jahren die Gelegenheit erhalten, in der Fußball-Bundesliga zu arbeiten.

          Wie jeder neue Trainer fand Tedesco erst einmal freundliche Worte für seine neue Umgebung, für das Flair, das diesen „ungewöhnlichen, emotional großartigen Klub“ umweht. In den ersten Tagen des Kennenlernens habe er auf der Geschäftstelle lauter nette Menschen getroffen, „die jedes Mal ein Lächeln auf dem Gesicht“ hätten und manchmal sogar „Glanz in den Augen“.

          Auch über die Substanz der Mannschaft äußerte Tedesco sich nach ersten Video-Analysen positiv; artig versicherte er, „von der Qualität der Mannschaft überzeugt“ zu sein. „Ich glaube, dass wir eine sehr gute Basis haben.“ Was Schalke in den vergangenen Jahren vor allem gefehlt hat, ist eine Spielidee, ein konkreter Matchplan mit Wiedererkennungswert. Auf diesem Gebiet nicht vorangekommen zu sein, hat zuletzt auch Weinzierl den Job gekostet.

          Tedesco wird die Profis wohl erst persönlich kennenlernen müssen, um im Lauf der Vorbereitung, die Anfang Juli beginnt, seinen Gelsenkirchener Masterplan auszutüfteln. Bei seiner Antrittspressekonferenz blieben Äußerungen zu diesem Thema noch recht vage. Da saß ein ruhiger, sachlicher junger Mann, der sich nicht dazu verleiten ließ, irgendwelche Zirkusnummern anzukündigen. Die Mannschaft müsse darauf hinarbeiten, „jede Spielsituation zu kennen“ und die passende Lösung dafür zu finden; sie müsse in der Lage sein, „sehr flexibel aufzutreten“, er als Trainer werde sich in erster Linie an den Fähigkeiten der eigenen Spieler orientieren, aber auch am Gegner.

          Heidel zeigte sich überzeugt davon, mit dem neuen Mann „den richtigen Weg“ zu beschreiten. Tedesco sei „ein innovativer Trainer von hoher sozialer Kompetenz“, der eine Mannschaft „taktisch voranbringen kann“ und dazu „eine große Kommunikationsbereitschaft mitbringt“. Als er die Vorzüge des Emporkömmlings aufzählte, klang Heidel ähnlich schwärmerisch wie ein Jahr zuvor, als er dem Publikum Markus Weinzierl als Idealtypus des Schalke-Trainers verkaufte und die Leute glauben machte, mit dessen Verpflichtung einen großen Wurf gelandet zu haben. Doch Weinzierl erwies sich als Fehlgriff.

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          Die Mannschaft verpasste als Bundesliga-Zehnter erstmals nach acht Jahren die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb, und Heidel sah sich gezwungen, den Trainer zu wechseln, nachdem er zunächst den Anschein erweckt hatte, trotz einiger Bedenken mit Weinzierl weitermachen zu wollen. Am Ende musste Heidel „selbstkritisch eingestehen“, dass es nicht gelungen ist, der Mannschaft eine Spielidee zu vermitteln, die eine erfolgreiche Entwicklung verspricht. Und Erfolg verlangt Heidel – auch von seinem „Junior-Partner“ Tedesco. Schalke sei auch künftig „auf das Erreichen der internationalen Plätze ausgerichtet“.

          Mit der Auswahl des neuen Trainers geht der Manager ins Risiko. Sollte das Experiment „Jugend forscht“ scheitern, könnte Heidel selbst stärker unter Druck zu geraten als zuletzt nach seinem schwachen Schalker Start. Dennoch gab er sich frohgemut, auch mit Blick auf die Mitgliederversammlung an diesem Sonntag, wo er sich zum ersten Mal vor der Basis verantworten muss. Er werde „den Mitgliedern offen und ehrlich begegnen“, sagt Heidel. „Ich gehe da ohne Bammel hin.“

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