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FC Schalke 04 : Wohin mit Boateng?

  • -Aktualisiert am

Zwei Stars – und kein Platz im Mittelfeld: Julian Draxler (links) weicht auf den linken Flügel aus, Kevin-Prince Boateng musste zuletzt als Stürmer ran Bild: picture alliance / dpa

Nach der Rückkehr vieler Verletzter sucht Schalke-Trainer Keller einen Platz für seinen Anführer. Der „Prince“ wird gebraucht – auch in der Champions League in Bukarest an diesem Abend.

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          Vor kurzem hatte Jens Keller noch frohlockt. Der Cheftrainer des FC Schalke 04 freute sich darüber, dass die personelle Lage in der Mannschaft sich entspannt hatte. Er sei „begeistert“ über die zusätzlichen Möglichkeiten, die sich aus der hohen Trainingsbeteiligung ergäben. Wenige Tage später ist die Begeisterung wieder verflogen. Beim 3:3 in Frankfurt gelang es Keller und seiner Mannschaft nicht, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen. Und dann verletzte sich auch noch Timo Hildebrand. Der Torhüter steht wegen einer Hüftprellung für das Champions-League-Spiel an diesem Dienstag bei Steaua Bukarest (20.45 Uhr) nicht zur Verfügung. Für ihn wird Ralf Fährmann zwischen den Pfosten stehen. Aber auch ohne den Stammtorwart und ohne das Selbstvertrauen, das ein Sieg in Frankfurt hervorgerufen hätte, kann Schalke dem Achtelfinale ein vielleicht entscheidendes Stück näher kommen. Auf ein Endspiel am letzten Gruppenspieltag will Horst Heldt es lieber nicht ankommen lassen. „Das sollten wir vermeiden, deshalb brauchen wir einen Sieg in Bukarest“, sagt der Sportdirektor des FC Schalke.

          Auch wenn sich der gewünschte Erfolg in Frankfurt für Schalke nicht einstellte, liegt Keller richtig, wenn er von zusätzlichen Optionen spricht. Der von einer langwierigen Muskelverletzung genesene Rechtsaußen Jefferson Farfan könnte seinen Kollegen in Bukarest Beine machen. Ohne den Peruaner wirkten die Vorstöße der Königsblauen oft statisch und berechenbar. Von seiner Rückkehr verspricht Schalke sich einen Zuwachs an Dynamik. Nach mehrwöchiger Zwangspause glaubt Farfan, er könne „wieder richtig zuschlagen“. Sein Comeback vor gut zwei Wochen gegen Bremen krönte er mit einem Tor, in Frankfurt indes konnte auch er nicht verhindern, dass es nur zu einem Unentschieden kam. Wie die ganze Mannschaft tut er sich schwer, seine individuelle Klasse so effektiv auszuspielen, dass am Ende alle zufrieden sind.

          Platz für Farfan

          Aber Farfan sprüht vor Tatendrang, gerade wenn er in der Champions League gefordert ist. Die Königsklasse des europäischen Vereinsfußballs ist die ihm verbliebene Chance, auf einer großen Bühne des internationalen Fußballs sein außergewöhnliches Können zu zeigen. Mit der Nationalmannschaft seines Heimatlandes hat er die Endrunde der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien verpasst. Mancher erinnert sich noch daran, wie tief ihn das Scheitern Perus getroffen hat. Nach dem verlorenen Qualifikationsspiel gegen Uruguay lag er auf dem Rasen und weinte. Fast drei Monate später sei diese große Enttäuschung noch nicht ganz überwunden, sagt Farfan. Von ihm ist überliefert, dass er schon vor dem vergangenen Bundesliga-Wochenende „auf das Spiel in Bukarest fokussiert“ war.

          Farfan beflügelt die Phantasie, Schalke könnte demnächst wieder schneller, vielleicht sogar schöner Fußball spielen. Aber seine Rückkehr verlangt dem Trainer auch Kreativität und Einfühlungsvermögen ab. Es muss Platz geschaffen werden in der Offensive. Farfan ist fest auf dem rechten Flügel verortet – in der Dreierreihe hinter der einzigen Spitze. Damit er spielen kann, muss ein anderer raus. Zuletzt war es Stürmer Adam Szalai, der noch die Folgen einer Handverletzung spürt. Und plötzlich stellt sich die unerwartete Frage: Wohin mit Kevin-Prince Boateng?

          Schuld sind immer die anderen

          Das aufstrebende Regietalent Max Meyer hatte zuletzt im Zentrum mehrmals überzeugt, Julian Draxler, der Juniorchef, ist schon vor Wochen auf den linken Flügel ausgewichen. Also beorderte der Trainer Boateng jüngst ganz nach vorn. Gegen Bremen gelang dem Ghanaer aus dieser Position ein entscheidendes Tor, in Frankfurt dagegen kam er überhaupt nicht zur Geltung. Als klassischer Mittelstürmer fühlte Boateng sich nicht gut aufgehoben. „Es ist nicht meine Lieblingsposition“, sagte er. „Ich bin gar nicht ins Spiel reingekommen.“ Keller wird das vernommen haben und vermutlich auch berücksichtigen. Boatengs Wort hat Gewicht. Er hat sich nicht nur in Windeseile den Status eines Anführers erworben. Es scheint so, als besäße er Einfluss wie lange kein Schalker Profi mehr. Sein Trainer wird sich überlegen, ob er nicht doch einen Platz findet, auf dem sich der „Prince“ wohler fühlt.

          Fürs Erste erklärt Keller die schwache Leistung Boatengs mit dessen Aufenthalt bei Ghanas Nationalmannschaft: „Man weiß ja nicht, wie dort trainiert wurde.“ Dieser Vorwurf basiert, wie so manches in Schalke, auf dem Prinzip: Schuld sind immer die anderen. Aber Keller, der am Sonntag 43 Jahre alt wurde, hat ja auch etwas zu verlieren. Es liegt nahe, dass er sich immer noch Hoffnung auf ein verpasstes Geburtstagsgeschenk macht. Vor dem jüngsten Bundesligaspiel hatte der Vorsitzende des Aufsichtsrates verkündet: „Von der Truppe gibt’s für Jens einen Sieg und von mir dann eine Wurst obendrauf.“ Mit dem Sieg in Frankfurt hat es nicht geklappt, die Wurst kann Clemens Tönnies in Bukarest noch nachreichen.

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