https://www.faz.net/-gtl-9zwz8

Neustart der Premier League : Klopps große Erleichterung – mit Einschränkungen

  • -Aktualisiert am

Der Ball ist bald wieder im Spiel: Bei Jürgen Klopp und dem FC Liverpool dürfte die Erleichterung groß sein. Bild: Reuters

Zur Freude des Titelanwärters FC Liverpool startet die Premier League am 17. Juni neu. An der Anfield Road darf die Elf von Jürgen Klopp aber nicht alle Heimspiele austragen – auf Wunsch der Polizei.

          3 Min.

          Die wichtigste sportliche Entscheidung könnte schon in den ersten Tagen nach der Corona-Unterbrechung der Premier League fallen. Verliert der Tabellenzweite Manchester City gegen den FC Arsenal und gewinnt Tabellenführer FC Liverpool im Merseyside-Derby gegen den FC Everton, ist die Mannschaft von Jürgen Klopp Englands Fußballmeister – zum ersten Mal seit 30 Jahren. Bei den „Reds“ dürfte die Erleichterung in jedem Fall groß sein, dass die Liga am Donnerstag den Plan bekanntgegeben hat, die seit Mitte März unterbrochene Saison vom 17. Juni an fortsetzen zu wollen. Ein ergebnisloser Abbruch der Saison wie im englischen Amateurfußball scheint zwar für die erste Liga keine ernsthafte Erwägung gewesen zu sein, aber allein der Gedanke dürfte Fans und Spielern des FC Liverpool Bauchschmerzen verursacht haben.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Noch ist das Datum der Wiederaufnahme des Ligabetriebs jedoch nicht zu hundert Prozent sicher. Die Zustimmung der Behörden hängt vom exakten Plan zur Umsetzung und der Entwicklung der Pandemie in Großbritannien ab. Und die Zeit ist knapp. Insgesamt 92 Spiele sind in der Premier League noch zu absolvieren. Zunächst sollen zwei nachgeholt werden, die im März nicht rechtzeitig über die Bühne gingen: Aston Villa gegen Sheffield United und eben Manchester City gegen Arsenal. Am Wochenende darauf soll dann der erste vollständige Spieltag ausgetragen werden. Laut BBC soll die Saison bis zum 25. Juli abgewickelt sein, weshalb es zu Schwierigkeiten mit Profis kommen könnte, deren Verträge Ende Juni auslaufen. Premier-League-Chef Richard Masters sagte, Klubs und Spieler könnten die Verträge bis zum neuen Saisonende ausdehnen, sofern beide Seiten einverstanden sind.

          Wie in der Bundesliga sollen die Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Zudem war diskutiert worden, alle Partien in neutralen Stadien auszutragen, aus Sorge, dass sich Fans trotz des Social-Distancing-Gebots in großen Gruppen im Stadionumfeld versammeln könnten. Nun aber sollen die Begegnungen planmäßig in den jeweiligen Stadien der Heimmannschaften stattfinden; auf Wunsch der Polizei jedoch mit Ausnahme einiger brisanter Duelle. Davon wird zum Beispiel Liverpool betroffen sein, weil angenommen wird, dass feiernde Fans zum Stadion an der Anfield Road pilgern könnten, sobald die Meisterschaft des Klubs rechnerisch feststeht.

          Von der konservativen Regierung hatte es geheißen, die Fortsetzung der Premier League würde die Moral der Bevölkerung angesichts der Ausgangsbeschränkungen heben. Deshalb sollen nun alle Spiele live im Fernsehen übertragen werden. Das ist untypisch für England, wo bislang am Samstagnachmittag keine Spiele direkt im Fernsehen gezeigt werden durften, um Fans nicht vom Gang ins Stadion abzuhalten. Der Bezahlsender „Sky“ hat angekündigt, 25 der 64 Spiele, an denen er die Übertragungsrechte hält, kostenlos auszustrahlen. Auch die BBC wird eine Handvoll Spiele im frei empfangbaren Fernsehen zeigen.

          Doch obwohl es nun weitergehen soll, kommt auf die 20 Klubs eine Rückzahlung von angeblich 340 Millionen Pfund (378 Millionen Euro) an die TV-Rechteinhaber zu, weil der Spielplan nicht eingehalten wurde und das Produkt durch das Fehlen von Atmosphäre weniger attraktiv ist. Es heißt, die Summe werde über einen Zeitraum von zwei Jahren an die Sender gezahlt. Ob die Moral der Bevölkerung wirklich steigen wird, wenn wieder Fußball im Fernsehen läuft, darf indes bezweifelt werden. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben nur 19 Prozent der über 2000 Befragten an, ihre Stimmung werde sich durch die Rückkehr des Fußballs aufhellen.

          Selbst unter den Profis besteht nicht unbedingt Einigkeit, wenn es um die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz geht. Sergio Agüero von Manchester City gehörte zu den Ersten, die öffentlich über Sorgen der Spieler um ihre Gesundheit und die ihrer Familien sprachen. In Großbritannien sind bis Donnerstag fast 38.000 positiv auf das Virus getestete Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Laut der nationalen Statistikbehörde ist das Risiko dunkelhäutiger Menschen in England und Wales, an dem Virus zu sterben, doppelt so hoch wie bei Menschen mit heller Haut. Der dunkelhäutige Nationalspieler Danny Rose, der zurzeit an Newcastle United ausgeliehen ist, machte seinem Ärger Luft, als er auf Instagram sagte, ihm sei die nationale Moral völlig egal, solange Menschenleben auf dem Spiel stünden: „Wir sollten nicht mal über die Rückkehr des Fußballs sprechen, bevor die Zahlen deutlich gesunken sind. Das ist Blödsinn.“

          Die Teams fahren nun das Training hoch, um nach 100 Tagen Pause wieder Wettkampfform zu erreichen. Nachdem zunächst nur Einzeltraining mit viel Abstand voneinander möglich war, darf es jetzt auch wieder Teamtraining mit Körperkontakt geben. Jordan Henderson, Kapitän des FC Liverpool, sprach in der BBC über die Bedingungen der Profis vor dem Wiederbeginn: „Es war großartig, zurückzukommen, und jeder fühlt sich gut und sicher. Ansonsten hätten wir es nicht gemacht.“ Sollte der FC Liverpool die Meisterschaft gewinnen und den Pokal in einem leeren Stadion entgegennehmen, werde sich das zwar „ziemlich merkwürdig“ anfühlen, sagte Henderson. Aber immer noch besser, als so kurz vor dem Ziel um den Triumph gebracht zu werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Elektroauto : Europa kann auch Batterien

          Europa schien im Rennen um Stromspeicher für E-Autos abgehängt. Doch das ändert sich gerade – und ein schwedisches Start-up ist der größte Hoffnungsträger.
          Au revoir! Édouard Philippe, Premierminister von Frankreich

          Macron baut um : Frankreichs Regierung tritt zurück

          Für Staatspräsident Macron läuft mit dem Rücktritt von Premierminister Édouard Philippe alles nach Plan. Der Weg für einen Politikwechsel ist frei – und für einen neuen Regierungschef.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.