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Aus im FA Cup : Darum verlieren Liverpool und Klopp plötzlich

Jürgen Klopp und der FC Liverpool scheiden bei Chelsea im Achtelfinale des englischen FA Cups aus. Bild: EPA

Was ist nur los? Niederlage in der Champions League. Niederlage in der englischen Liga. Nun das Aus im FA Cup. Für Liverpool läuft es derzeit nicht rund. Jürgen Klopp hat eine Erklärung für die Probleme seiner Elf.

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          Gut, dass wenigstens der Blick auf die Tabelle der englischen Premier League die Laune hebt. Dort hat der FC Liverpool zehn Spieltage vor Saisonende sagenhafte 22 Punkte Vorsprung vor Manchester City, das noch elf Partien zu absolvieren hat. Ansonsten aber gibt es beim FC Liverpool derzeit keinen großen Grund zur Freude. In den drei Pokalwettbewerben läuft es nicht rund. Im Ligapokal strichen die „Reds“ kurz vor Weihnachten im Viertelfinale die Segel – allerdings mit einer Juniorenelf, weil Trainer Jürgen Klopp und seine Stars gerade bei der Klub-WM weilten, um den Titel dort zu holen.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          In der Champions League sieht es auch nicht rosig aus. Der Titelverteidiger verlor das Hinspiel im Achtelfinale bei Atlético Madrid mit 0:1. In der zweiten Partie am kommenden Mittwoch kann Liverpool das Aus noch abwenden. Schießen die Spanier an der Anfield Road aber ein Tor, braucht die Elf von Klopp schon drei Tore. Das ist selbstredend möglich, gegen ein defensivstarkes Atlético aber auch eine knifflige Aufgabe. Und dann ist da noch der alterwürdige FA Cup, der weit mehr zählt als der Ligapokal, dessen offizieller Name ein thailändisches Getränk ziert. Doch im traditionellen Pokalwettbewerb ist Liverpool nun nach einem 0:2 beim FC Chelsea im Achtelfinale auch schon ausgeschieden.

          Am Dienstagabend erzielten der Brasilianer Willian (13. Minute) und Ross Barkley (64.), der einst für Liverpool Stadtrivalen Everton spielte, die Treffer zum Sieg der „Blues“, die jüngst in der Champions League im Hinspiel im Achtelfinale chancenlos gegen den FC Bayern waren und mit 0:3 Toren im eigenen Stadion unterlagen. Beim ersten Chelsea-Tor verlor Fabinho kurz vor dem eigenen Strafraum fahrlässig den Ball, den anschließenden Schuss von Willian bekam Ersatztorwart Adrian nicht zu fassen und machte eine unglückliche Figur. Der zweite Treffer resultierte aus Barkleys Sololauf, bei dem er bis zum Abschluss nahezu ungehindert durch Liverpools Hälfte spazieren konnte.

          Nach dem sensationellen 0:3 beim FC Watford in der Premier League am Samstag, das die Serie an 44 ungeschlagenen Spielen in der englischen Eliteliga beendete und dem 0:1 in Madrid in der Königsklasse vor zwei Wochen kassierte Liverpool erstmals seit 2014 wieder wettbewerbsübergreifend Niederlagen in drei Auswärtsspielen in Serie. Ist das etwa der Beginn einer Krise bei den Überfliegern? Klopp nahm all das Gerede gelassen. „Ich mache mir keine Sorgen über das Momentum. Das ist Fußball und wir waren nie der Meinung, dass es eine einfache Saison wird, eine einfache Phase oder ein einfaches Spiel heute Abend“, sagte der Deutsche. „Wir haben es gut gemacht, aber in den entscheidenden Momenten nicht gut genug, und das müssen wir akzeptieren.“

          Ein Problem aber hat Klopp ausgemacht, das es dringend abzustellen gilt und das ganz untypisch für den aktuellen Liverpool-Jahrgang ist. „Es lief bislang so gut für uns, weil wir hervorragend verteidigt haben“, sagte er. „Normalerweise bekommst du gegen uns nicht so viele Chancen, aber wir müssen zugeben, dass wir in den letzten drei – vielleicht vier – Spielen absolut zu viele Tore kassiert haben, das ist wahr.“ Zwei waren es nun gegen Chelsea, davor drei in Watford, zwei gegen West Ham in der Liga und eines in Madrid. Macht acht in vier Spielen, das sieht Liverpool nicht ähnlich, haben sie in der Liga in 28 Partien doch bislang nur 20 Tore kassiert.

          Entgegen seiner Ankündigung, beim Duell mit Chelsea keine große Rotation in der Startelf loszutreten, tauschte Klopp doch auf einigen Positionen. So saßen die Starstürmer Mohamed Salah und Roberto Firmino zunächst auf der Bank, genau wie Routinier James Milner und Alex Oxlade-Chamberlain. Vorne spielten neben Sadio Mané noch Divock Origi und Takumi Minamino. Als Rechtsverteidiger der Viererkette stellte Klopp zudem den erst 18 Jahre alten Neco Williams auf. An dem lag es aber nicht, dass Liverpool in London verlor.

          Und so wird es Klopps erste Aufgabe sein, die defensive Stabiliät, die Liverpool so oft auszeichnete, wieder herzustellen. Virgil van Dijk, der vor allem bei der Niederlage in Watford fuchsteufelswild war ob der Fehler in der Abwehr, soll dabei der Turm in der Schlacht sein. Bevor es zum Rückspiel gegen Atlético kommt, kommt in der nationalen Liga der AFC Bournemouth nach Liverpool am kommenden Samstag. Nach dem zweiten Duell mit Madrid geht es zum Stadtderby zu Everton. Spätestens danach wissen Klopp und Co., ob das Tief nur eine kleine Delle in der Formkurve war oder ob die Leistungen tatsächlich nachhaltig schlechter wurden.

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