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Sieg für Liverpool und Klopp : „Das war ein magischer Moment“

Am Ende lachen wieder Jürgen Klopp und der FC Liverpool, auch nach dem Spiel in Wolverhampton. Bild: Reuters

Liverpool gewinnt auch das knifflige Spiel in Wolverhampton und setzt eine unglaubliche Serie fort. Jürgen Klopp ist begeistert vom Siegtor eines früheren Bundesligaspielers. Doch einer seiner Stürmer macht Sorgen.

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          Am Ende lachte wieder Jürgen Klopp. Auch am Donnerstagabend lief der Trainer des FC Liverpool auf den Rasen und herzte seine Spieler. Mit dem 2:1-Sieg bei den Wolverhampton Wanderers gelang den „Reds“ in der englischen Premier League der 22. Sieg im 23. Spiel. Es war der 14. Erfolg in Serie. Wer soll diesen Liverpool Football Club auf dem Weg zur ersten Meisterschaft seit 1990 nur stoppen? So langsam mutiert das zur Eine-Million-Euro-Frage des Fußballs. Auch die „Wolves“, immerhin eines der Topteams im Kampf um die Champions-League-Plätze, waren nicht die richtige Antwort.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Und so langsam gehen der Konkurrenz die Optionen aus. 16 Punkte beträgt der Vorsprung auf den Meister der vergangenen Saison. Manchester City und Trainer Pep Guardiola sehen Liverpool schon im Januar nur noch mit dem Fernglas. Dabei war es auch in Wolverhampton nicht so, als sei der Kontrahent des souveränen Tabellenführers chancenlos. Doch am Ende jubelte wieder Liverpool. Nach dem frühen Führungstor von Jordan Henderson (8. Minute) glich Raul Jimenez in der zweiten Halbzeit aus (51.). Doch spät sorgte Roberto Firmino (84.) noch für Liverpools nächsten Sieg.

          „Die Jungs sind auch nur Menschen“, sagte Klopp danach bei der BBC. „Es war ein bisschen ein Auf und Ab. Die Wolves waren stark, aber uns war klar, dass wir das regeln können.“ Und das taten sie dann auch durch den früheren Hoffenheimer Stürmer Firmino. „Wir mussten nur einen Weg finden, um zum Sieg zu kommen. Einer musste die perfekte Entscheidung treffen. Und das war dieses Mal Bobby (Spitzname von Roberto Firmino, d. Red.). Es war ein magischer Moment.“ Im dichten Verkehr am Strafraum behielt er die Übersicht und knallte den Ball mit links oben ins Eck des Tores von Wolverhampton.

          Die Vorlage dazu hatte mit Henderson der Kapitän geliefert, der nach wie vor oft übersehen wird im Zauber der Liverpooler Offensivstars. Aber gerade bei kniffligen Auswärtsaufgaben wie dieser, bei denen es nicht nur auf die Kunst vor dem gegnerischen Tor, sondern auch auf harte Arbeit und ab und zu einen Erfolg nach einer Standardsituation ankommt, ist Henderson Gold wert. Beim 1:0 drückte der Spielführer nach einem Eckstoß von rechts von Verteidiger Trent Alexander-Arnold den Ball mit Kopf und Hals an den Innenpfosten. „Standards können dich ins Spiel bringen“, sagte Klopp.

          Dort war Liverpool sofort – aber Wolverhampton auch. Der Tabellensiebte mischt munter mit im Konzert der Großen und hofft wieder auf die Qualifikation für den Europapokal. In dieser Saison stehen sie in der K.o.-Runde der Europa League. Die „Wolves“ hatten Chancen und belohnten sich nach der Pause. Einen Bilderbuch-Konter über Adama Traoré vollendete Jimenez mit einem Kopfball, unerreichbar für Torwart Alisson Becker. Fünf Ligaspiele war Liverpool ohne Gegentor geblieben, nun war es mal wieder soweit. Es hätten mehr sein können, denn Wolverhampton drehte fortan mächtig auf und zeigte, dass auch der Klassenprimus nicht unverwundbar ist.

          Traoré und Jimenez hatten weitere Möglichkeiten, Alisson Becker war auf dem Posten. Nach dem Treffer von Firmino vergab in der Nachspielzeit der eingewechselte Jota noch eine Großchance für die Wanderers. Damit hat Liverpool nun 14 Ligaspiele in Serie gewonnen – es war ein hartes Stück Arbeit, wie auch Klopp bekannte. „Wir hatten Diskussionen auf dem Platz und haben unser System zwei oder drei Mal hin- und hergewechselt. Erst dann konnten wir das Spiel beruhigen“, sagte der Trainer des Champions-League-Siegers, den am Abend trotz des Sieges eine Sorge plagte.

          Denn nach gut einer halben Stunde Spielzeit humpelte Stürmerstar Sadio Mané vom Rasen. Mitten in einem Spielzug blieb er stehen, trottete zur Seitenlinie, ließ sich auf dem Weg zur Bank zwei Mal auf den Rasen sinken und wurde letztlich von den medizinischen Helfern Liverpools in die Kabine gebracht. Für ihn kam Neuzugang Takumi Minamino, der zuletzt aus Salzburg an die Anfield Road gewechselt war, zu seinem Debüt in der Premier League. „Sadio spürte etwas im Oberschenkel“, sagte Klopp. „Wir wissen noch nichts Genaues und müssen warten.“ Ob des dichten Spielplans bangt der Trainer. „Das Programm ist hart, womöglich fällt Sadio aus.“

          Und es gibt keine Verschnaufpause. Schon am Sonntag steht die vierte Runde im FA-Cup bei Shrewsbury Town aus der dritten Liga an. Es folgt unter der Woche das Liga-Nachholspiel bei West Ham United, das vor Weihnachten wegen Liverpools Teilnahme an der Klub-WM in Qatar verschoben worden war. „Wir haben wieder drei Spiele in sieben Tagen, das ist viel“, sagte Klopp. Und dann kommt der FC Southampton mit Trainer Ralph Hasenhüttl, ehe es Mitte Februar auch noch in der Champions League mit dem Achtelfinale gegen Atlético Madrid weitergeht.

          Vor dem Spiel hatte Klopp deutlich gemacht, dass Liverpool daher in diesem Winter auch keinen Spieler aus dem Kader abgeben möchte. Zuvor hatte es Medienberichte gegeben, dass Ersatzspieler Xherdan Shaqiri, einst auch beim FC Bayern, zur AS Rom nach Italien ausgeliehen werden könnte. Auch der FC Sevilla aus Spanien interessiere sich für den noch bis Mitte 2023 an die „Reds“ gebundenen Offensivspieler aus der Schweiz. „Wie könnten wir überhaupt darüber nachdenken, einen Spieler an irgendwen abzugeben. Das verstehe ich nicht“, sagte Klopp. „Es geht nicht um Shaqiri, es geht um jeden.“

          Man müsse die Spieler, die man hat, behalten, um „unsere Dinge zu regeln und nicht die Dinge der anderen Klubs. Wir denken, dass sie verzweifelt sind, aber wir haben absolut nicht die Absicht, etwas zu tun.“ Ein Hintertürchen im Transferfenster, dass mit Ablauf des 31. Januar schließt, ließ der Coach aber offen: „Vielleicht geht es, wenn jemand kommen und offiziell fragen würde. Aber das ist bisher nicht passiert.“ Dann machte er noch einmal deutlich, dass sein Kader nicht zu üppig besetzt sei. „Im Dezember und Januar hatten wir die Bank voller Kinder. Wunderbare Kinder, aber eben Kinder.“

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