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FC Liverpool im Finale : „Klopps Stern strahlt an der Anfield Road“

Bild: Reuters

Die englischen Medien huldigen Trainer Jürgen Klopp nach dem Einzug ins Finale der Europa League. Ganz anderer Meinung ist der Coach des Gegners, der scharfe Kritik äußert. Klopps Antwort ist ebenso deutlich.

          Als sich nach dem dritten Tor gut zehn Minuten vor Abpfiff die Gewissheit breitmachte, dass dem FC Liverpool der Einzug ins Europa-League-Finale nicht mehr zu nehmen sein wird, blieb im Tollhaus an der Anfield Road nur einer ganz ruhig. Trainer Jürgen Klopp lächelte und genoss still den Moment, während alle anderen um ihn herum jubelten. Die Emotionen kamen später, als der Deutsche nach dem Abpfiff erst jeden, der ihm über den Weg lief, herzte und dann, auf dem Spielfeld, die Liverpooler Fans als Alleinunterhalter zu Jubelstürmen animierte.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Durch einen 3:0-Sieg über den FC Villarreal machten die Engländer das 0:1 aus dem Hinspiel mehr als wett und treffen am 18. Mai in Basel im Endspiel auf den FC Sevilla, der den Wettbewerb zuletzt zwei Mal in Folge gewann und nun nach dem Triple in der Europa League strebt. Die Andalusier setzten sich nach einem 2:2 in der ersten Partie bei Schachtjor Donezk mit einem 3:1-Sieg im Heimspiel durch. In Liverpool erzielten Bruno Soriano (7. Minute) mit einem Eigentor sowie Daniel Sturridge (63.) und Adam Lallana (81.) die Tore für Liverpool, den Titelgewinner von 2001.

          „Wir fahren nach Basel. Eine schöne Stadt, übrigens – dicht an meiner Heimat“, sagte der in Stuttgart geborene Klopp. Seine Spieler lobte er überschwänglich: „Was für eine Power in der ersten Hälfte!“ Nach der fehlenden Geduld in der Phase vor dem Pausenpfiff habe sein Team mit Emotion weitergespielt und auch das Gehirn wieder mehr benutzt. „Ich bin hierhergekommen, weil ich dachte, dass sie eine gute Mannschaft haben – aber jetzt sind wir im Finale“, sagte Klopp, der vor drei Jahren mit Dortmund das Endspiel der Champions League im Londoner Wembley-Stadion gegen den FC Bayern verlor.

          Nur einmal am Donnerstag verfinsterte sich die Miene von Klopp. Mit Villarreal-Coach Marcelino hatte der Deutsche schon im Hinspiel einen Disput, nach dem Aus sagte der Spanier: „Als Trainer ist er gut, aber mehr Lob finde ich nicht. Ich mag einfach nicht, wie er auftritt.“ Klopp sei ein „großartiger Trainer, und den Rest behalte ich für mich. Ich will nach einem Sieg nicht so sein wie er.“ Klopps Antwort kam prompt – und ließ an Deutlichkeit nichts vermissen: „Ich will nicht eine Sekunde meines Lebens so sein wie er“, sagte Klopp, nicht ohne zu erwähnen, dass auch Marcelino „ein großartiger Trainer“ sei.

          Freude ganz in Rot: Liverpool bejubelt den Treffer von Sturridge (r.) Bilderstrecke

          Klopp hatte nicht zu viel versprochen, als er Villarreal vor der Wucht der Anfield Road warnte. Nur in den ersten fünf Minuten waren die Spanier ebenbürtig, danach übernahmen die „Reds“ das Ruder – und versenkten das „Gelbe U-Boot“, wie der Tabellenvierte der Primera División genannt wird. Nach Siegen über Augsburg, Manchester United, Dortmund und Villarreal wartet mit Sevilla nun die höchste Hürde. „Die Jungs haben es verdient, im Finale zu stehen, und wir können es hoffentlich gewinnen. Man muss diesem Wettbewerb Respekt erweisen, und das haben wir, glaube ich, getan“, sagte Torschütze Lallana.

          Die englische Presse lobte vor allem den Trainer in den höchsten Tönen. „Jürgen Klopps Stern strahlt an der Anfield Road“, schrieb die „Daily Mail“. Und der „Mirror“ stellte fest: „Er ist einfach gemacht für Anfield.“ Klopp sei es, der die wirklichen Impulse gebe, urteilte der „Daily Express“ über den Coach, der seit vergangenem Oktober in Liverpool arbeitet. „Mitte Mai fahren wir dahin und wir werden alles geben für diesen wunderbaren Verein“, sagte Klopp mit Blick auf das Endspiel.

          Zwei frühere Bundesliga-Spieler standen bei Liverpool gegen Villarreal im Mittelpunkt. Der deutsche Nationalspieler Emre Can hatte sich beim 4:3-Drama im Viertelfinale gegen Dortmund vor drei Wochen einen Bänderriss im Knöchel zugezogen. Das vorzeitige Saison-Aus droht, doch gegen Villarreal stand er wieder in der Startelf und machte im defensiven Mittelfeld eine starke Partie. „Wir sind alle glücklich. Es war kein einfaches Spiel. Dank der Fans, der Mannschaft, der gesamten Stadt Liverpool haben wir es geschafft“, sagte Can. „Es war eine tolle Stimmung in der Kabine, ein paar haben auch herumgeschrien.“

          Und Roberto Firmino, vor dieser Spielzeit für stolze 41 Millionen Euro aus Hoffenheim geholt, glänzte als Assistent: Alle drei Liverpooler Tore bereitete der Brasilianer mit feiner Technik und Übersicht vor. Beim 1:0 zwang er Villarreal-Kapitän Soriano mit seiner Hereingabe, die Sturridge verpasste, zum Eigentor. Vor dem zweiten Treffer angelte er sich gekonnt den Ball. Sein verunglückter Volleyschuss landete genau vor Sturridge, der einschob. Und beim 3:0 passte Firmino den Ball in den Rückraum, wo Sturridge ihn nicht richtig traf, aber Lallana aus kurzer Distanz einschob. Zu diesem Zeitpunkt war Villarreal dezimiert, weil Victor Ruiz, der schon wegen Meckerns verwarnt war, Lallana auf den Fuß trat und die Gelb-Rote Karte sah (71.).

          Nach knapp sieben Monaten an der Anfield Road hat Klopp damit schon sein zweites Finale erreicht. Im englischen Ligapokal unterlag Liverpool Ende Februar im Elfmeterschießen Manchester City sehr unglücklich. Das soll in zwei Wochen in Basel gegen Sevilla anders laufen. Ein Titel würde Klopp gleich doppelt helfen. Zum einen würde die eher mäßige Saison in der Premier League mit Platz acht derzeit überstrahlt. Zum anderen hätten die Engländer auch das Ticket für die Champions League in der nächsten Saison gebucht.

          Villarreal indes scheiterte zum vierten Mal in einem Halbfinale im Europapokal. 2004 gegen Valencia, 2011 gegen Porto und nun gegen Liverpool kam jeweils in der Europa League oder im Uefa-Cup, dem Vorgänger-Wettbewerb, das Aus kurz vor dem großen letzten Spiel. 2006 verlor der Klub aus der Nähe von Valencia im Semifinale der Champions League. Damals waren auch Engländer die Spielverderber. Der FC Arsenal setzte sich insgesamt mit 1:0 durch. Torschütze damals war Kolo Toure. Der Abwehrspieler machte auch am Donnerstag ein starkes Spiel – für den FC Liverpool.

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