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Finale in der Europa League : Liverpool ist einzigartig

Große Liebe an der Anfield Road: In Liverpool lieben sie Jürgen Klopp mittlerweile Bild: dpa

Was Jürgen Klopp und der FC Liverpool diese Saison anstellen, könnte dem Drehbuch eines Durchgeknallten entsprungen sein. Gewinnt der Klub die Europa League übertrifft das gar das Wunder von Leicester. Ein Kommentar.

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          Na klar, das ist schon eine tolle Sache, dieses Märchen von Leicester, das mehr nach einem kitschigen Spielfilm aus Hollywood klingt denn nach der Realität in der Premier League, wo die Geldmaschine 24 Stunden lang am Tag läuft. Und weil dies immer noch nicht reicht, gehören die meisten Klubs trotzdem Investoren. Auch Leicester natürlich und auch der FC Liverpool.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Und was die „Reds“ gerade anstellen, könnte auch schon wieder einem Drehbuch eines durchgeknallten Schreiberlings entsprungen sein, der von allem ein bisschen zu viel in seine Geschichte reinpackt. Ein traditionsreicher Verein, vielleicht der Klub mit den meisten Anhängern weltweit, da kann Manchester United noch so viele Asien-Reisen unternehmen und Barcelona noch ein paar Messis in seiner Jugend-Akademie heranzüchten.

          Der Lack war ab

          Liverpool FC, das ist einzigartig, und wo immer sie sind, da ist auch dieses Lied. „You’ll never walk alone“ – ja wie denn auch? Als sie vor drei Jahren ein Freundschaftsspiel in Melbourne machten, kamen 100.000 Zuschauer, und 90 Prozent davon waren in Rot gehüllt, und so ist das überall.

          Der Wachküsser: Jürgen Klopp hat erst Dortmund und nun Liverpool wieder zu großen Vereinen gemacht.

          Aber irgendwie war der Lack ab in Liverpool, große Erfolge schienen in weite Ferne gerückt, die Fans gierten nach leidenschaftlichem Fußball und bekamen planlose Kickerei. Genau da setzt das Drehbuch ein - in Liverpool holten sie mit Jürgen Klopp einen dazu, der für all das steht, was sie sich wünschten, und der das alles schon mal aufgeführt hatte, als er den BVB wachküsste, mit dem gerade noch maroden Klub zwei Meistertitel und einen Pokal gewann und bis ins Finale der Champions League vordrang. Irgendwann aber war Schluss in Dortmund, und jeder Fußballromantiker wünschte sich, es möge was werden mit einer Liebesbeziehung zwischen Liverpool und diesem deutschen Trainer.

          Die Wünsche wurden erhört, und mit mehr Erwartungen musste wohl noch kein Trainer seine Aufgabe an der Anfield Road angehen, noch dazu mit einem Team, das er gar nicht selbst zusammengestellt hat. Liverpool ist plötzlich wieder gefürchtet, zwischendurch besiegten sie in der Europa League in einer aufsehenerregenden Partie Dortmund, und erreichten mit faszinierender Leidenschaft das Finale gegen den FC Sevilla an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live auf Sport1, Sky und im Europa-League-Ticker auf FAZ.NET). Das Stadion erbebte unter den „Jürgen Klopp“-Sprechchören. Klar: Das ist eine tolle Sache mit Leicester. Aber wenn Liverpool tatsächlich die Europa League gewinnt, dann wird das emotional alles übertreffen. Und ein bisschen neidisch schauen wir schon rüber auf die Insel bei all diesen Geschichten.

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