https://www.faz.net/-gtl-a8urp

Große Sorgen in Liverpool : „Es sieht nicht gut aus“

  • Aktualisiert am

Kapitän Jordan Henderson musste vorzeitig mit einer Verletzung vom Platz. Bild: Reuters

Vor einem Jahr schwebte Liverpool über allen in der Premier League. Nun spitzt sich die Krise beim Team von Jürgen Klopp immer mehr zu. Die Kritik ist immens, die Liste der Verletzten wird länger.

          3 Min.

          Die vierte Premier-League-Niederlage in Serie für den englischen Fußballmeister FC Liverpool tat Jürgen Klopp besonders weh. „Wir stehen hier, haben das Derby mit 0:2 verloren. Wir wissen alle, wie wichtig das Spiel ist, und das trifft uns hart“, sagte der Coach nach dem bitteren Rückschlag am Samstag gegen den Lokalrivalen FC Everton. Klublegende Graeme Souness übte beim Sender Sky Sports harte Kritik. „Das ist nur ein Schatten der Liverpool-Mannschaft der letzten drei Jahre“, klagte Souness. „Jetzt will jeder gegen sie spielen, weil sie ein leichtes Ziel sind. Es tut mir weh, so etwas zu sagen.“

          Wissen war nie wertvoller

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

          Tatsächlich ist Klopps Team, das im Vorjahr mit 18 Punkten Vorsprung Meister wurde, in dieser Saison nicht mehr wiederzuerkennen. Als Tabellensechster droht Liverpool sogar die Qualifikation für die Champions League zu verspielen. Trotzdem übte sich Klopp am Samstag in Durchhalteparolen. „Es gab viel Gutes“, sagte der 53-Jährige. „Die Chancen, die wir uns erspielt haben, sind die Garantie dafür, dass wir etwas ändern können.“ Etwas ändern müssen die Reds auch dringend, damit die Saison nicht im Desaster endet.

          Das 0:2 gegen Everton hatte historische Züge. Es war die erste Heimpleite gegen die Toffees seit 1999. Vier Heimspiele in Serie verlor Liverpool zuletzt vor fast 100 Jahren im Dezember 1923. Und dass ein englischer Fußballmeister viermal hintereinander zuhause verliert, gab es zuletzt in der Saison 1928/29. Es war ausgerechnet Everton. „Katastrophale Meilensteine“ nannte es der „Telegraph“.

          „Unfair, mich danach zu fragen“

          Liverpools 2:0-Sieg gegen RB Leipzig im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League brachte also nicht die erhoffte Wende für Klopp und sein Team. Im Derby geriet der Meister schon nach drei Minuten in Rückstand. Der frühere Bayern-Profi James Rodriguez überlistete die überforderte Schalker-Leihgabe Ozan Kabak und passte auf Richarlison (3. Minute). Der Frust war Klopp an der Seitenlinie anzusehen.

          „Das erste Tor hat dem Spiel eine Richtung gegeben, die unnötig war“, sagte er. Über den Strafstoß, der zum zweiten Gegentor durch Gylfi Sigurdsson (83.) führte, wollte der Coach nicht sprechen. „Es ist unfair, mich danach zu fragen, denn alle fragen danach. Und das bedeutet, alle denken, es war kein Elfmeter. Aber das ist wirklich nicht wichtig, denn der Schiedsrichter fand, es war ein Elfmeter.“

          Die Verunsicherung ist der Mannschaft anzusehen. Hinzu kommt das nicht endende Verletzungspech. Gegen Everton musste nun Kapitän Jordan Henderson nach einer halben Stunde wegen Beschwerden am Oberschenkel ausgewechselt werden. „Es sieht nicht gut aus“, sagte Klopp bedrückt.

          Liverpool versäumte es, im Rennen um die Königsklasse Boden gut machen. Der FC Chelsea hatte zuvor Punkte liegen gelassen und beim FC Southampton nur 1:1 (0:1) gespielt. Trainer Thomas Tuchel, mit den Londoner unbesiegt, ärgerte sich über „verpasste Gelegenheiten“. Mit seinem Team war er nicht zufrieden.

          Besonders hart traf es Callum Hudson-Odoi, den Tuchel nur 20 Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Platz holte. „Vielleicht war das unfair, aber er gab mir nicht das Gefühl, dass er das Spiel entscheiden kann“, erklärte Tuchel. „Morgen ist das vergessen und wir bereiten uns auf Atlético Madrid vor.“ Das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League findet am Dienstag in Bukarest statt.

          Team der Stunde

          Tabellenführer Manchester City bleibt hingegen in der englischen Premier League das Team der Stunde. Drei Tage vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen Borussia Mönchengladbach (21.00 Uhr F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) gewann Man City am Sonntag verdient mit 1:0 (1:0) beim FC Arsenal und feierte damit bereits den 13. Liga-Erfolg in Serie. Mit zehn Punkten Vorsprung nach 25 Spielen ist die Mannschaft des ehemaligen Bayern-Trainers Pep Guardiola in England klar auf Meisterkurs.

          Bereits nach zwei Minuten ging Man City im Londoner Emirates-Stadion durch Raheem Sterling in Führung. Anschließend kontrollierte die Guardiola-Elf um den deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan das Geschehen und hielt die Gastgeber vom eigenen Tor fern. Arsenal stagniert mit 34 Zählern im Mittelfeld der Tabelle.

          Nach zwei Meisterschaften, einem FA-Cup-Erfolg und drei Liga-Pokal-Siegen fehlt Guardiola mit Man City noch ein internationaler Erfolg. Am Mittwoch will er mit seiner Elf im Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse den nächsten Schritt machen. Die Partie findet wegen der Reisebeschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht in Gladbach, sondern in Budapest statt.

          Erster „Verfolger" der Citizens ist weiter Lokalrivale Manchester United. Der Rekordmeister gewann 3:1 (1:1) gegen Newcastle United und steht bei 49 Punkten. Gleichauf liegt Leicester City als Dritter nach dem 2:1 (2:0) bei Aston Villa.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sollten die Impfreihenfolge aufgeweicht werden? Darüber wird zur Zeit debattiert.

          Stiko-Chef im F.A.Z.-Gespräch : Impfkommission besteht auf Priorisierung

          Stiko-Chef Thomas Mertens dringt darauf, die Bevölkerung so schnell wie möglich zu immunisieren. Er warnt aber vor einer willkürlichen Abgabe des Impfstoffs – und stellt sich gegen drei mächtige Ministerpräsidenten.
          Friedrich Merz im Dezember 2018

          Kampfkandidatur? : Merz will offenbar für Bundestag kandidieren

          Im Sauerland wird Friedrich Merz von einigen Parteifreunden zu einer Kandidatur für den Bundestag ermutigt. Merz fühle sich geehrt und freue sich, sagt sein Sprecher. Doch nicht alle sind begeistert.
          Putin am 23. Februar, dem sogenannten Tag des Vaterlandsbeschützers, am „Grabmal des unbekannten Soldaten“ in Moskau

          Russlandsanktionen : Wie kann man Putin weh tun?

          Die Europäische Union will gegen jene Russen vorgehen, die Alexej Nawalnyj hinter Gitter gebracht haben. Er selbst schlägt ganz andere Leute für Sanktionen vor. Was Putin mehr beeindrucken könnte, ist umstritten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.