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FC Liverpool : Rote Zukunft für die „Reds“?

Der neue Besitzer des FC Liverpool? Jianhua „Kenny” Huang Bild:

Weil die Besitzer Probleme haben, ihre Schulden zu bezahlen, steht der FC Liverpool zum Verkauf. Unter den Interessenten gibt es einen Favoriten: den Sportunternehmer Huang. Hinter dem Chinesen steht das Geld der staatlichen Chinese Investment Corporation.

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          Er war lange erwartet worden, nun steht er vielleicht schon in diesen Tagen bevor: der Einstieg der größten Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts in den weltweit populärsten Sport – der von China in den europäischen Spitzen-Fußball. Die Tür dazu öffnen die finanziellen Probleme des FC Liverpool. Weil die Nordamerikaner Tom Hicks und George Gillett, die den englischen Rekordmeister 2007 kauften, Schwierigkeiten haben, ihre Schulden von 237 Millionen Pfund zu bezahlen, steht der Klub seit April offiziell zum Verkauf und soll bis spätestens Ende August in neuen Händen sein. Unter den Angeboten, angeblich ein halbes Dutzend, gibt es einen eindeutigen Favoriten: den chinesischen Geschäftsmann Jianhua „Kenny“ Huang, hinter dem ein sehr starker Finanzpartner steht. Wie stark, weiß der „Telegraph“: Der FC Liverpool stehe kurz davor, „unter Kontrolle der chinesischen Regierung zu kommen“.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Blüht den „Reds“ eine rote Zukunft? So groß sind die Gegensätze nicht: Ebenso wie für die Fans an der Anfield Road steht die Farbe Rot auch in China traditionell für Glück und Freude. Aber noch überwiegt die verhandlungstaktische Diskretion. So favorisieren Hicks und Gillett ein syrisch-kanadisches Angebot, bei dem sie offenbar am besten abschneiden. Dagegen will Huang das Geld allein in Schuldentilgung, Spielerkäufe und ein neues Stadion stecken, nicht in eine großzügige Rendite für die abgehalfterten Alt-Investoren.

          Das ist im Sinne von Martin Broughton, der im Hauptamt Präsident der Fluggesellschaft British Airways ist und (obwohl Chelsea-Fan) im April als Präsident des FC Liverpool eingesetzt wurde – mit der Aufgabe, einen Käufer zu finden. Er soll einen so genannten „leveraged buy-out“ vermeiden. Dabei geht ein Käufer nicht mit eigenem, sondern geliehenem Kapital vor, was dem so übernommenen Klub hohe Verbindlichkeiten und finanzielle Belastungen aufbürdet, wie es etwa bei der Übernahme von Manchester United durch den Amerikaner Malcolm Glazer geschah.

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          Verhasst wie Glazer in Manchester

          Glazer ist bei den Fans in Manchester verhasst (siehe: Manchester United: Grün-goldene Fußballrevolution und Die Fans proben den Aufstand: United als Wahlkampfthema), ebenso sind es Gillett und Hicks in Liverpool. Eine neue „Heuschrecke“ ist an der Basis nicht vermittelbar. Dort will man neue Eigentümer, die nicht Schulden, sondern Kapital mitbringen, so wie der Russe Roman Abramowitsch bei Chelsea oder die Scheichs von Abu Dhabi bei Manchester City. Deshalb ist die Kapitalkraft der Kaufinteressenten und ihrer Finanziers von großem Interesse.

          Während die Geldgeber hinter den konkurrierenden Angeboten unklar bleiben, gilt inzwischen als sicher, dass hinter dem Sportunternehmer Huang, in China Chef der nationalen Basketball- und der Baseball-Liga, die härteste Währung steht: das Geld der staatlichen Chinese Investment Corporation. Sie wurde 2007 gegründet, um einen Teil der staatlichen Währungsreserven zu verwalten. Ihr aktuelles Anlagevermögen, das auch in Firmen wie Coca-Cola oder Citigroup steckt, beträgt rund 250 Milliarden Euro. Soeben hat sie durch den Verkauf eines sehr großen Paketes von Aktien an einer amerikanischen Bank umgerechnet 491,5 Millionen Euro erlöst und würde damit über die notwendigen Mittel für die auf rund 300 Millionen Euro geschätzte Investition in den Fußballklub verfügen.

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