https://www.faz.net/-gtl-8us0v

Krise beim FC Liverpool : Die Hoffnung des Jürgen Klopp

  • Aktualisiert am

„Wir suchen keine Entschuldigungen, wir suchen nach Lösungen“: Jürgen Klopp. Bild: Reuters

In diesem Jahr hat Liverpool in der Premier League kein Spiel gewonnen. Öffentliche Kritik an Trainer Klopp gibt es aber kaum. Vor dem Topspiel gegen Tottenham gibt es auch noch ein gutes Omen.

          3 Min.

          Auf der Jagd nach dem ersehnten ersten Liga-Sieg des Jahres macht Jürgen Klopp ausgerechnet die Stärke des Gegners Hoffnung. Die Tottenham Hotspur stehen aktuell vier Punkte vor dem strauchelnden FC Liverpool auf Platz zwei der Premier League. Ein gutes Omen für die Partie am Samstag (18.30 Uhr / Live auf DAZN), denn Liverpool hat in dieser Saison noch kein Spiel gegen eine Mannschaft aus der Spitzengruppe der Tabelle verloren. „Wir suchen keine Entschuldigungen, wir suchen nach Lösungen“, sagte Klopp am Freitag nach zuletzt fünf Liga-Spielen ohne Erfolg.

          Anders als etwa sein Trainerkollege Arsène Wenger, der beim FC Arsenal nach schwankenden Leistungen den Rückhalt vermisst, spürt Klopp in Liverpool kaum öffentlichen Widerstand. „Jeder andere Trainer stünde längst unter Druck“, meint der englische Fußball-Kolumnist und frühere Tottenham-Coach Harry Redknapp. „Andere Trainer kamen und gingen. (...) Aber Klopp ist eindeutig zu beliebt.“

          Auch Liverpools Legende Dietmar Hamann ist Klopp-Fan. Der ehemalige BVB-Trainer sei „einer der besten Trainer Europas“, schrieb der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler in seinem Blog. Und Klopp brauche Unterstützung. „Der Trainer muss dafür kämpfen, dass sich die Mentalität nicht nur in der Mannschaft verändert, sondern im gesamten Klub“, sagte Hamann, der von 1999 bis 2006 in Anfield spielte. „Jeder muss doppelt so hart arbeiten, um Liverpool wieder dahinzubekommen, wo sie mal waren.“

          Hamann empfahl seinem früheren Verein einen „Realitätscheck“. Das größte Problem sei die Selbstzufriedenheit. „Die Leute glauben immer noch, dass sie eine der treibenden Kräfte in Europa sind – aber das sind sie nicht“, stellte der in England sehr populäre TV-Experte fest. Hamann selbst holte mit dem Verein je zweimal den FA Cup und den Ligapokal, einmal den Uefa-Cup und die Champions League. Nichts davon können die Reds in dieser Saison noch gewinnen.

          Nach dem 0:2 bei Abstiegskandidat Hull City sind auch die Chancen auf die Meisterschaft verschwindend gering. Die Qualifikation für die Champions League ist gefährdet. Klopp räumte deshalb ein, jegliche Kritik sei gerechtfertigt. Eine leichte Nervosität ist an der Merseyside dennoch zu spüren. Der FC Liverpool forderte in dieser Woche seine Anhänger auf, im Heimspiel am Samstag keinen Platz in Anfield freizulassen. Verhinderte Dauerkarten-Inhaber könnten ihre Karte über den Klub weiterverkaufen. Fürchtet die Vereinsführung, die Fans könnten nach nur einem Sieg aus zehn Spielen in diesem Jahr die Lust auf den Rest der Saison verloren haben? Es war wohl eher ein Service-Gedanke. Denn in der Regel bleibt auf der legendären Stehplatztribüne „The Kop“ auch in schweren Zeiten kaum ein Platz leer.

          Beim FC Liverpool tut sich aber noch eine Baustelle auf: Der Klub will Journalisten der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ Medienberichten zufolge nicht mehr in sein Stadion lassen. Auch Interviews mit Trainer Klopp oder Spielern der Reds soll es nicht mehr geben. Die „Sun“ bestätigte den Ausschluss von der Anfield Road auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Der FC Liverpool war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Grund für den Bann soll angeblich die Berichterstattung der Zeitung über die Hillsborough-Katastrophe im Jahr 1989 sein. Damals starben 96 Liverpool-Fans im Gedränge im gleichnamigen Stadion in Sheffield, als die Polizei beim Pokal-Halbfinale Hunderte Menschen auf eine schon völlig überfüllte Tribüne schleuste.

          Bei der Stadion-Katastrophe von Hillsborough 1986 starben 96 Fans.
          Bei der Stadion-Katastrophe von Hillsborough 1986 starben 96 Fans. : Bild: dpa

          Die Polizei behauptete später, Schuld an der Tragödie seien betrunkene Fans gewesen. Die „Sun“ unterstützte diese These mit ihrer Berichterstattung. Erst im April vergangenen Jahres widerlegte eine unabhängige Untersuchungskommission diese Anschuldigungen endgültig. Eine Pressemitteilung der „Sun“ scheint zu bestätigen, dass die Entscheidung des Klubs mit Hillsborough zu tun hat. Darin heißt es: „Die Sun bedauert ihre Berichterstattung über die tragischen Ereignisse von Hillsborough zutiefst und ist sich klar, dass der durch diese Berichte entstandene Schaden weiterhin von vielen in der Stadt empfunden wird.“

          Gleichzeitig kritisiert die Zeitung den Schritt: „Journalisten von einem Klub zu verbannen ist schlecht für Fans und schlecht für den Fußball.“ Warum die Sperre mehr als 27 Jahre nach dem tragischen Vorfall kommt, war zunächst unklar. Im „Guardian“ heißt es, die Vereinsführung hätte sich nach Gesprächen mit den Angehörigen der Getöteten zu dem Schritt entschlossen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kompatibel oder zu verschieden? Grünen- und FDP-Wahlplakate werden in Köln abgehängt.

          Koalitions-Vorsondierungen : So können Grüne und FDP regieren

          Die FDP ist für freie Fahrt auf Autobahnen, gegen Steuererhöhungen und für eine Beibehaltung des Krankenversicherungssystems. Die Grünen vertreten das Gegenteil. Was steckt hinter der Phantasie für ein „progressives Bündnis“?
          Rot, Gelb und Grün in Berlin – die Ampel scheint die beliebteste Koalition zu sein.

          Liveblog Bundestagswahl : Mehrheit laut Umfrage für Ampelkoalition

          Erste Rücktrittsforderungen an Laschet +++ Union bereit für Jamaika +++ Habeck und Baerbock wollen Verhandlungen gemeinsam führen +++ CDU-Generalsekretär verspricht „brutal offene“ Wahlanalyse +++ Alle Entwicklungen zur Bundestagswahl im Liveblog.
          Armin Laschet und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Montag in Berlin

          Laschet und die Union : Der Kandidat, der enttäuschte

          Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis muss der CDU-Vorsitzende Armin Laschet die Parteifreunde besänftigen. Vom zweiten Platz aus versucht die Union, eine Regierungsperspektive zu behalten.
          Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel am Montag in Berlin

          AfD in Ostdeutschland : Blau blüht das Kernland

          Die AfD wird in Sachsen und Thüringen stärkste Kraft, obwohl sie im Vergleich zur Wahl von 2017 teilweise Stimmenanteile verliert. Was folgt daraus für die Partei? In Berlin zofft sich die Führung auf offener Bühne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.