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Jürgen Klopp in Qatar : „Der Fifa gefällt wohl nicht, dass ich das sage“

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„Wenn man mich fragen würde, ob eine Klub-WM mitten in der Saison sinnvoll ist, würde ich nein sagen“: Jürgen Klopp Bild: EPA

Während Liverpools B-Elf ohne Jürgen Klopp in England spielt, bereiten er und seine Stars sich in Qatar auf die Klub-WM vor. Den Trainer ärgert die Terminhatz. Kritik am Spielort in Doha zieht Klopp allerdings zurück.

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          Als Jürgen Klopp im Khalifa International Stadium in Doha von einem Fragesteller als „guter Trainer“ gelobt wurde, war sein Ärger auf die Fifa wegen der anstrengenden Terminhatz mit dem FC Liverpool für einen Augenblick vergessen. Der Teammanager des Champions-League-Siegers zeigte sein berühmtes Lächeln und bedankte sich höflich, neben ihm lachte sich sein Spieler James Milner schlapp.

          Doch die launige Szene täuschte nur kurz über Klopps Missstimmung hinweg. „Wenn man mich fragen würde, ob eine Klub-WM mitten in der Saison sinnvoll ist, würde ich nein sagen“, sagte Klopp vor dem Halbfinale beim interkontinentalen Titelkampf am Mittwoch (18.30 Uhr bei DAZN) gegen CF Monterrey aus Mexiko. Das Spiel, das ganze Turnier kommt für ihn zum ungünstigsten Zeitpunkt.

          22 Stunden zuvor steht für Liverpool an diesem Dienstag (20.45 Uhr bei DAZN) das Viertelfinale im englischen Ligapokal bei Aston Villa an. „Wir hätten es uns anders gewünscht“, sagte Klopp. Er löste das ungewöhnliche Problem, indem er Prioritäten setzte: Im League Cup spielte die U 23, bei der Klub-WM sind alle Stars um Virgil van Dijk, Mohamed Salah und Sadio Mane im Einsatz. „Wir sind hier“, sagte Klopp, „und wir sind nicht so weit geflogen, um nicht voll da zu sein.“

          Doch den ein oder anderen Seitenhieb auf den Weltverband konnte er sich nicht verkneifen. „Man kann nicht immer noch mehr Turniere hinzunehmen, das funktioniert nicht“, sagte er in Richtung des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, der eine Ausweitung der Klub-WM vorangetrieben hatte. Im Sommer 2021 soll sie mit 24 Klubs in China gespielt werden. Das Turnier, gab Klopp zu bedenken, überschneide sich mit dem Afrika-Cup: „Man sollte sich an einen Tisch setzen und diese großen Turniere nicht zeitgleich spielen.“ Der Fifa, ergänzte Klopp, „gefällt vermutlich nicht, dass ich das sage“.

          Schon vor der Abreise hatte er sarkastisch von einer „sensationell guten Organisation“ gesprochen. Natürlich wäre er „gerne“ beim Pokalspiel in Birmingham gewesen, betonte Klopp, doch es blieb ihm nur die Rolle als TV-Zuschauer im Hotel. Das ungeliebte, weil politische Thema Qatar umschiffte Klopp jedoch. Ja, er habe auch dazu eine Meinung, sagte er, und er finde, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollten. Aber grundsätzlich sei er hier der falsche Ansprechpartner.

          Zu Hause in England kommt zumindest die Premier League den Reds entgegen: Das für Samstag angesetzte Spiel gegen West Ham United wurde verlegt – dann könnte Liverpool im WM-Finale stehen. Dort, betonte Klopp, wolle seine Mannschaft „ein arbeitsreiches, aber unglaubliches Jahr krönen“. Die Klub-WM fehlt Liverpool noch in der imposanten Trophäensammlung. 1981 und 1984 scheiterten die Reds im alten, 2005 im neuen Turniermodus. „Wir haben noch ein bisschen was im Tank“, sagte Klopp. Und das ist gut so: Fünf Tage nach dem Finale steht am „Boxing Day“ (26. Dezember) das Spitzenspiel der Premier League bei Leicester City an.

          Seine Kritik am Spielort der Klub-WM in Doha nahm Klopp derweil zurück. Der Platz im Khalifa International Stadion in der qatarischen Hauptstadt Doha sei in „wirklich gutem Zustand“ und werde hoffentlich kein Problem darstellen, sagte Klopp. Auch der Trainingsplatz sei „absolut brillant“. Weil ein Stadionneubau in Qatar nicht rechtzeitig fertig geworden ist, müssen bei der Klub-WM in nur wenigen Tagen fünf Spiele im Khalifa Stadion gespielt werden – an diesem Dienstag und am Samstag sogar jeweils zwei an einem Tag. Klopp hatte deswegen am Wochenende vor der Abreise nach Qatar die Platzqualität in Frage gestellt und ironisch von einer „sensationell guten Organisation“ gesprochen.

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