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Corona-Krise in England : Klopps FC Liverpool erntet veritablen Shitstorm

  • Aktualisiert am

Der Klub von Jürgen Klopp muss sich in der Corona-Krise derzeit einiges anhören. Bild: AFP

Jürgen Klopp erwärmte mit seinen Tränen zahlreiche Herzen, der Kapitän organisierte Hilfe, und der FC Liverpool galt in der Corona-Krise als Vorbild. Doch damit ist es nun vorbei. Der Klub rückt in den Mittelpunkt scharfer Kritik.

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          Die Queen rief ihre Untertanen in einer historischen TV-Ansprache zu „Zusammengehörigkeitsgefühl“ auf, doch der FC Liverpool um Trainer Jürgen Klopp setzte sich achtlos über die mahnenden Worte von Elisabeth II. hinweg. Mit seiner überraschenden Entscheidung, das von der Regierung aufgelegte Notfall-Programm in Anspruch zu nehmen, hat der designierte englische Fußball-Meister einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

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          Er sei „erstaunt“ über die Nachricht, dass die Reds einige Angestellte in Kurzarbeit bzw. Zwangsurlaub geschickt haben, twitterte Klublegende Didi Hamann. Dafür sei das „Furlough“-Programm nicht geschaffen worden. „Das widerspricht der Moral und den Werten dieses Klubs, wie ich sie kennengelernt habe.“ Hamanns langjähriger Teamkollege Jamie Carragher nannte den Schritt „armselig“ und meinte: „Jürgen Klopp hat zu Beginn dieser Pandemie Mitgefühl mit allen gezeigt (...), jetzt ist all dieser Respekt und das Wohlwollen verloren.“ Der frühere Profi Stan Collymore fand die Entscheidung „völlig falsch“ und betonte: „Ich kenne keinen Liverpool-Fan, der etwas anderes als angewidert wäre.“

          Besagtes Programm soll Arbeitnehmern im Falle von Kurzarbeit bzw. Zwangsurlaub (engl. furlough) 80 Prozent ihres Gehalts bis zu einer Höhe von 2500 Pfund/Monat (2824 Euro) garantieren. Die Fenway Sports Group, der Liverpool seit Oktober 2010 gehört, will damit sicherstellen, dass betroffene Angestellte weiterhin ihr volles Gehalt beziehen. Doch sie erntete einen veritablen Shitstorm.

          „Der Klub nennt seine Mitarbeiter Familie. Ich fühle mich nicht wie ein Familienmitglied“, zitierte die BBC einen anonymen Angestellten. Er sei „enttäuscht“ von seinem Klub, der Millionen umsetze – und das für kleinere Geschäfte gedachte Programm missbrauche. Die Fan-Organisation „Spirit of Shankly“ warnte vor Populismus, verlangte aber eine Erklärung für dieses „spektakuläre Eigentor“ (Liverpool Echo).

          Zwar sind die Reds bereits der fünfte Klub, der sich zu dieser Maßnahme entschloss. Viele Fans sehen darin jedoch das Vereinsmotto „You'll never walk alone“ konterkariert. Sie verweisen auf die 42 Millionen Pfund (47,7 Millionen Euro) Gewinn vor Steuern in der jüngsten Bilanz. Liverpools Rivale Manchester City erklärte zudem am Sonntag, das Programm nicht in Anspruch zu nehmen.

          Dabei galt der LFC bisher als Vorbild. Klopp erwärmte zahlreiche Herzen, als er von seinen Tränen angesichts der Aufopferungsbereitschaft vieler Helfer sprach. Kapitän Jordan Henderson steht an der Spitze einer Bewegung von Premier-League-Stars, die finanzielle Hilfe organisiert. Liverpool beteiligte sich an mehreren Aktionen dieser Art.

          Die Debatte über Gehaltsverzicht der millionenschweren Stars wird derweil immer hitziger. Zwar haben sich die Premier-League-Klubs darauf geeinigt, von ihren Profis eine Kombination aus Kürzungen und Stundungen des Salärs um 30 Prozent für zwölf Monate zu fordern. Doch die Spielergewerkschaft (PFA) gibt sich weiter hart und verwies darauf, dass dem Staat dadurch Steuereinnahmen in Höhe von über 200 Millionen Pfund entgingen. „Was bedeutet dieser Verlust für das nationale Gesundheitswesen?“, fragte die PFA.

          Außerdem sei es zwar „willkommen“, dass die Liga 20 Millionen Pfund für wohltätige Zwecke spenden wolle. „Aber diese Summe könnte sehr viel höher sein.“ Und was die Spieler angehe, so brauche eine Regelung zum Gehaltsverzicht leider noch „ein bisschen mehr Zeit“.

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