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Neuer Trainerjob in England : Lampards Korrektur eines Schönheitsfehlers

  • -Aktualisiert am

An neuer Wirkungsstätte in der Premier League gefordert: Frank Lampard. Bild: dpa

Sein zweiter Trainerposten in der Premier League führt Frank Lampard nach Everton. Dort muss sich der frühere Nationalspieler unter schwierigen Umständen beweisen. Beim FC Chelsea war er gescheitert.

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          Frank Lampard hat einen neuen Job. Ein Jahr nach seinem Rauswurf beim FC Chelsea hat der 43 Jahre alte Fußballtrainer für zweieinhalb Jahre beim FC Everton unterschrieben. Es sei ihm eine Ehre, einen Klub von der Größe und Tradition Evertons zu repräsentieren, sagte Lampard bei seiner Vorstellung; er könne es nicht erwarten, endlich mit der Arbeit loszulegen. Auf den ersten Blick ist es für ihn die perfekte Gelegenheit, sich im zweiten Anlauf als Trainer in der Premier League zu beweisen. Doch wenn man genauer hinsieht, stellt sich die Frage: Tut er sich damit wirklich einen Gefallen?

          Denn Everton steckt in einer schweren Krise. Aktuell steht der Klub auf dem 16. Tabellenplatz und hat nur vier Punkte Vorsprung vor Newcastle United auf dem ersten Abstiegsplatz. Die Mannschaft ist tief verunsichert und hat aus den vergangenen fünf Ligaspielen lediglich einen von 15 möglichen Punkten geholt. Die Fans protestieren lautstark gegen den Vorstand, speziell gegen den Haupteigentümer Farhad Moshiri, dessen konfusen Führungsstil sie für den Niedergang verantwortlich machen. Der „Guardian“ nannte Everton zuletzt gar einen „dysfunktionalen“ Klub. Nach dem FA-Cup-Spiel gegen Brentford am kommenden Samstag muss sich Everton nacheinander mit Newcastle, Leeds und Southampton messen – drei Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib, wobei Southamp­ton nicht akut gefährdet ist. Die Zeit für Lampard, etwas zu bewegen, ist praktisch nicht vorhanden.

          Die verbleibenden Monate bis zum Ende der Saison könnten für Lampard deshalb zum Ritt auf der Rasierklinge werden. Steht doch für ihn auch persönlich eine Menge auf dem Spiel. Er ist ein junger und vergleichsweise unerfahrener Trainer. Und dass er bei Chelsea nach nur anderthalb Jahren entlassen wurde – trotz seines Status als Klublegende –, warf die Frage auf, ob er den höchsten Anforderungen gewachsen ist. Zur Einordnung: Als er bei Chelsea gehen musste, stand der Klub in der Tabelle auf dem neunten Platz; sein Nachfolger Thomas Tuchel gewann mit derselben Mannschaft nur vier Monate später die Champions League.

          Für viele Everton-Fans ist Lampards Verpflichtung trotz dieser heiklen Ausgangslage ein positives Signal, zumal er sich mit erfahrenen Assistenten umgibt. Sein Vorgänger Rafael Benítez war beim Anhang wegen seiner Vergangenheit als Trainer des Stadtrivalen FC Liverpool von Anfang an unpopulär. Lampard hat auch dank seiner über hundert Länderspiele für England einen großen Namen und dazu den Ruf als aufrichtiger Sportsmann, der nicht nur sehr gut Fußball spielen konnte, sondern das Spiel auch verstand. Dass er als Trainer bei Chelsea gescheitert ist, dürfte ihn bis heute ärgern – ebenso wie die öffentlichen Diskussionen über seine Tauglichkeit. „Everton bekommt einen Mann und einen Trainer, der es allen beweisen will“, schreibt die BBC in einer Analyse, um sich nach einem „seltenen Schönheitsfehler“ in einer ansonsten „glanzvollen Karriere“ wieder ins rechte Licht zu rücken.

          Immerhin: Lampards Name hat Everton auf Anhieb dabei geholfen, am sogenannten Deadline Day, bevor das Wintertransferfenster schließt, zwei wichtige Transfers unter Dach und Fach zu bringen. Dele Alli wechselt von Tottenham Hotspur in den Nordwesten, Donny van de Beek kommt auf Leihbasis bis zum Ende der Saison von Manchester United. Van de Beek sagte, er habe seine Entscheidung maßgeblich von Lampard abhängig gemacht, von dem er hofft, viel lernen zu können.

          Um den Abstieg zu verhindern, muss Lampard auch den Rest der Mannschaft schnell hinter sich bringen und auf Anhieb bessere Resultate liefern. Er muss den Spielern ihr Selbstvertrauen zurückgeben und die Abwehr stabilisieren. Er muss den Profis einen Plan geben. Und Lampard muss aus den Fehlern lernen, die bei Chelsea schlussendlich zu seinem Rauswurf geführt haben. „It’s make or break“, sagt man in England. Es geht um alles.

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