https://www.faz.net/-gtl-9nhyc

Finalsieg über Arsenal : Chelsea holt mit Gala den Europa-League-Titel

  • Aktualisiert am

Chelsea feiert den Sieg in der Europa League 2019. Bild: Reuters

Das Londoner Derby im Endspiel von Baku ist in der ersten Halbzeit noch ausgeglichen. Dann aber dreht Chelsea, das im Halbfinale Frankfurt besiegte, auf und gewinnt mit einem deutlichen Sieg über Arsenal die Trophäe.

          3 Min.

          Mesut Özil und der FC Arsenal haben den ersten Europacup-Sieg seit 25 Jahren und damit das versöhnliche Ende einer größtenteils verkorksten Saison verpasst. Ohne den aus politischen Gründen fehlenden Henrich Mchitarjan verloren die Gunners das erste stadtinterne Aufeinandertreffen der Europa-League-Geschichte gegen den FC Chelsea am Mittwoch mit 1:4 (0:0) und versäumten somit auch die nachträgliche Qualifikation für die Fußball-Champions-League. „Es war eine tolle Nacht für die ganze Chelsea-Familie. Es ist ein super Gefühl, wenn man so eine Begegnung gewinnt“, sagte Chelsea-Star Eden Hazard, der nach Schlusspfiff seinen Abschied aus London andeutete: „Ich denke, es ist ein Abschied, aber im Fußball weiß man nie. Mein Traum war es, in der Premier League zu spielen, und das habe ich sieben Jahre lang getan. Vielleicht ist jetzt die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen.“ Real Madrid gilt als möglicher neuer Klub des Belgiers.

          Europa League

          Den Weg zum Erfolg der Blues im Olympiastadion von Baku, in dem wie erwartet rund 10.000 Plätze leer blieben, ebnete Weltmeister Olivier Giroud mit dem Führungstreffer in der 49. Minute und einem herausgeholten Elfmeter. Ausgerechnet Giroud, der von 2012 bis 2018 für Arsenal auf Torejagd gegangen war und nun mit seinem elften Treffer im laufenden Wettbewerb auch Torschützenkönig wurde. Der Frankfurter Luka Jovic (zehn Tore) folgt dahinter. Zweistellige Tor-Quoten in einer Saison hatten in der Europa League zuvor erst vier Spieler geschafft: Klaas-Jan Huntelaar 2012 für den FC Schalke 04 (10) sowie Aritz Aduriz (Athletic Bilbao/10), Giuseppe de Rossi (FC Villarreal/11) und zweimal Radamel Falcao (FC Porto, 17/Atlético Madrid, 12). Letzterer hält mit seinen 17 Treffern in der Saison 2010/11 auch die Rekordmarke.

          „Diese zwei Klubs haben mein Leben verändert und mir die Chance gegeben, in der Premier League zu spielen. Ich will nicht gegen Arsenal jubeln, aber ich bin stolz, den Pokal gewonnen zu haben“, sagte Giroud. Nach den Toren des Spaniers Pedro (60.) und zweimal Hazard (65./Foulelfmeter, 71.) war der fünfte Europacup-Sieg insgesamt und der zweite in der Europa League nach 2013 für Chelsea perfekt. Daran änderte auch das Gegentor des eingewechselten Alex Iwobi nichts (69.). Die Qualifikation für die Königsklasse hatte die Mannschaft von Trainer Maurizio Sarri, der von Juventus Turin umworben wird, ohnehin schon sicher.

          Der schwach spielende frühere Nationalspieler Özil (30), der als einziger von vier Deutschen im Kader beider Klubs am Mittwoch zum Einsatz kam, wartet dagegen weiter auf den ersten internationalen Vereins-Titel. Der 2014er Mit-Weltmeister Shkodran Mustafi saß bei Arsenal ebenso auf der Bank wie Nationaltorhüter Bernd Leno. Denn Petr Cech (37) hatte in seinem letzten Spiel der Karriere den Vorzug erhalten. Chelseas Antonio Rüdiger erlebte das Spiel nach einer Meniskus-Operation als Zuschauer, durfte aber nach dem Spiel mit seinen Kollegen feiern.

          Als um 23.00 Uhr Ortszeit das Londoner Derby in mehr als 4000 Kilometer Entfernung angepfiffen wurde, spielte der Streitfall um den Armenier Mchitarjan, der aufgrund des Konflikts seines Heimatlandes mit Aserbaidschan daheim geblieben war, bei Arsenal zunächst keine Rolle mehr. Schließlich ging es für die Gunners noch um die Königsklasse.

          Nach einer kleinen Eröffnungsshow konnte es in Baku losgehen. Bilderstrecke

          Und die Mannschaft von Unai Emery, der bereits dreimal mit dem FC Sevilla die Europa League gewonnen hatte, legte entsprechend los. Arsenal erarbeitete sich zunächst ein Übergewicht, wirkte inspirierter und engagierter – und hatte auch die ersten Torchancen. Ging ein Schuss des früheren Dortmunder Torjägers Pierre-Emerick Aubameyang noch deutlich am Tor vorbei (9.), wurde es bei einem Distanzschuss des ehemaligen Gladbachers Granit Xhaka schon gefährlicher (27.). Dazu hätte Arsenal gerne einen Elfmeter bekommen, doch die Aktion von Alexandre Lacazette gegen Chelseas Schlussmann Kepa sorgte nicht dafür, dass der in der Europa League erstmals zum Einsatz gekommene Video-Schiedsrichter eingriff (19.).

          Eine halbe Stunde lang wirkte Chelsea teilnahmslos, dann bekam auch Petr Cech im Arsenal-Tor etwas zu tun. Der frühere Welttorhüter, damals noch bei Finalgegner Chelsea im Tor, zeigte sogleich mit zwei Paraden gegen Emerson (34.) und Weltmeister Olivier Giroud (39.), dass sein Einsatz durchaus berechtigt war. Es waren die wenigen Höhepunkte in einer eher ereignislosen ersten Halbzeit. „Safety first“, hieß bei beiden Klubs die Devise. Dafür kannten sich die Spieler der Mannschaften zu gut aus vielen Duellen auf der Insel.

          Das sollte sich im zweiten Durchgang schnell ändern, nachdem Giroud nach einer Flanke von Emerson per Kopf zur Stelle war. Denn Arsenal war plötzlich unter Zugzwang und musste mehr riskieren. Es sollte sich rächen. Erst traf Pedro nach Vorarbeit von Hazard, dann hatte der belgische Superstar selbst seinen großen Auftritt. Nach Foul von Ainsley Maitland-Niles – dem einzigen Engländer auf dem Platz – an Gegenspieler Giroud, vollendete Hazard eiskalt vom Punkt. Wenig später ließ der Belgier einen weiteren Treffer folgen und machte damit die Arsenal-Hoffnung nach dem sehenswerten Iwobi-Treffers zunichte. Es waren wohl die Abschiedsgeschenke des Ausnahmekönners, der für 130 Millionen Euro zu Real Madrid wechsel soll.

          Der siebenmalige französische Meister Olympique Lyon darf sich derweil abermals über die Teilnahme an der Champions League freuen. Weil Chelsea gewann und seinen Platz in der europäischen Königsklasse bereits über die Premier League gesichert hatte, rückt Lyon nach. Nach den Regularien der Europäischen Fußball-Union (Uefa) erhält in solch einem Fall der Dritte jener Liga den freien Startplatz, die in der Uefa-Fünfjahreswertung den fünften Rang belegt. Für Lyon bedeutet das wiederholtes Glück: Schon im Vorjahr hatte der Klub vom Europa-League-Sieg von Atletico Madrid profitiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.