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Eklat in Premier League : Nicht aus diesem Jahrhundert

  • -Aktualisiert am

Findet deutliche Worte in Richtung der Verantwortlichen: Burnley-Kapitän Ben Mee (vorne) Bild: AP

„White Lives Matter“ – ein Banner schockiert die Premier League und überschattet das Comeback von Nationalspieler Leroy Sané beim englischen Topklub Manchester City. Der FC Burnley kündigt Konsequenzen an.

          3 Min.

          Der Frust war Ben Mee deutlich anzumerken. Gerade hatte er mit dem FC Burnley in der Premier League 0:5 gegen Manchester City verloren. Aber Burnleys Kapitän beschäftigte etwas anderes. Beim Anpfiff der Begegnung am Montagabend war ein Kleinflugzeug über dem Stadion in Manchester gekreist, an dem ein Banner mit der Aufschrift „White Lives Matter Burnley“ angebracht war – offenkundig eine Reaktion auf die „Black Lives Matter“-Bewegung (BLM), die seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch den Gewalteinsatz eines Polizisten in den Vereinigten Staaten auch in Großbritannien ein großes Thema ist.

          Er schäme sich für das Banner, sagte Mee nach dem Abpfiff dem TV-Sender Sky Sports. Verantwortlich machte er eine kleine Gruppe von Fans, keinesfalls aber die Mehrheit aus der Kleinstadt nördlich von Manchester. Sie begriffen anscheinend nicht, worum es bei der BLM-Bewegung gehe. „Diese Leute müssen im 21. Jahrhundert ankommen und sich informieren.“

          Schon während des Spiels hatte der Verein auf seiner Internetseite ein Statement veröffentlicht. Man verurteile die Botschaft auf dem Banner und diejenigen, die dafür verantwortlich seien. Sie seien im heimischen Stadion Turf Moor nicht länger willkommen: „Wir werden vollumfänglich mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen zu identifizieren, und lebenslange Stadionverbote verhängen.“ Die Polizei der Grafschaft Lancashire teilte am Dienstag mit, sie habe Untersuchungen eingeleitet, um zu klären, ob Straftaten vorlägen.

          Burnley bittet um Entschuldigung

          Wie in allen anderen Premier-League-Spielen seit dem Wiederbeginn des Ligabetriebs nach der Corona-Unterbrechung hatten beide Teams vor dem Anpfiff ihre Solidarität mit „Black Lives Matter“ demonstriert, indem sie für einen Moment still auf dem Rasen knieten. Anstelle ihrer Namen auf der Rückseite der Trikots stand der Schriftzug der Bewegung. „Wir entschuldigen uns bei der Premier League, bei Manchester City und bei all jenen, die dabei helfen, ,Black Lives Matter‘ zu unterstützen“, schloss die Stellungnahme des Burnley FC.

          In Großbritannien gab es in den vergangenen Wochen vielerorts Proteste gegen die strukturelle Benachteiligung dunkelhäutiger Menschen. Diese wurde während der Coronavirus-Pandemie einmal mehr sichtbar. Laut einer Studie der nationalen Statistikbehörde ist das Risiko schwarzer Menschen in England und Wales, an dem Virus zu sterben, um ein Vielfaches höher als bei Bürgern mit heller Haut. Ein Teil der Begründung sind demnach soziale und wirtschaftliche Aspekte wie Geschlecht und Alter, aber auch Einkommen, Wohnsituation oder Schulbildung. Viele Frauen und Männer aus den entsprechenden gesellschaftlichen Gruppen arbeiten zudem in sogenannten „frontline jobs“, etwa in Krankenhäusern oder als Busfahrer.

          Großbritanniens koloniale Vergangenheit wirkt auch in Form von Statuen in die Gegenwart hinein. In der Stadt Bristol wurde Anfang Juni bei Anti-Rassismus-Protesten die schon lange umstrittene Statue des Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel gerissen und ins Hafenbecken gewuchtet. Die konservative Innenministerin Priti Patel nannte das Vorgehen der Demonstranten „schändlich“; Bristols Bürgermeister Marvin Rees sowie der Labour-Abgeordnete Clive Lewis hießen es dagegen gut. Lewis schrieb auf Twitter: „Wir werden nie den strukturellen Rassismus überwinden, solange wir unsere Geschichte in all ihrer Komplexität nicht in den Griff bekommen.“

          Burnleys Reaktion auf das Banner und Mees deutliche Worte förderten in den sozialen Medien nun abermals Gegensätze zutage. Manche Nutzer fragten etwa, was an „White Lives Matter“ so verkehrt sei. Zur Einordnung der Botschaft in den Kontext der Rassismus-Debatte zitierte die BBC Sanjay Bhandari von „Kick It Out“, einer Organisation gegen Diskriminierung im englischen Fußball: „Der Punkt von ,Black Lives Matter‘ ist nicht, die Bedeutung anderer Leben zu schmälern. Es geht darum, herauszuheben, dass schwarzen Menschen bloß wegen ihrer Hautfarbe bestimmte Menschenrechte verweigert werden. Es geht um Gleichberechtigung.“

          Liverpool Meister bei City?

          Sportlich bedeutet der locker-leichte Sieg von Manchester City, dass der FC Liverpool an diesem Mittwoch mit einem Sieg gegen Crystal Palace noch nicht die Meisterschaft gewinnen würde. Es könnte sogar passieren, dass Jürgen Klopp und seine Mannschaft just beim Auswärtsspiel gegen Titelverteidiger City Anfang Juli den Titel perfekt machen.

          Dann wird womöglich auch Leroy Sané wieder zum Einsatz kommen. Gegen Burnley wurde er Minuten vor dem Abpfiff eingewechselt; es war sein Comeback, nachdem er wegen seines im vergangenen August erlittenen Kreuzbandrisses lange ausgefallen war. City-Trainer Pep Guardiola hatte zuletzt bestätigt, dass Sané den Verein entweder im kommenden Transferfenster oder nach Ende seines Vertrags im Sommer 2021 verlassen werde. Burnley, nun auf Platz elf abgerutscht, dürfte indes mit dem Kampf um die Europapokal-Plätze nicht mehr in Berührung kommen. „Es war ein harter Abend“, sagte Kapitän Ben Mee im Fernsehinterview. „Wir können über Fußball reden. Aber da ist etwas, worüber ich zuerst sprechen möchte.“

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