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Eklat in Premier League : Jürgen Klopp reagiert entschieden

  • Aktualisiert am

Klare Meinung: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp Bild: dpa

Zum Vorfall beim FC Burnley in der Premier League hat der deutsche Trainer des FC Liverpool eine klare Meinung. An die Öffentlichkeit richtet er einen Appell. Derweil gibt es neue Informationen zu den Hintergründen.

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          Liverpool-Coach Jürgen Klopp hat die mutmaßlich rassistisch motivierte Aktion beim Fußballspiel zwischen Manchester City und dem FC Burnley kritisiert. „Das zeigt, dass wir noch nicht da sind, wo wir sein wollen“, sagte Klopp am Dienstag dem britischen Sender Sky Sports. Während des Spiels am Montag war ein Flugzeug mit einem Banner mit der Aufschrift „White Lives Matter – Burnley“ (Weiße Leben zählen – Burnley) über das Stadion geflogen.

          „Es ist doch klar, dass alle Leben zählen, selbstverständlich“, sagte Klopp, „aber in diesem Moment, nachdem was in Amerika und nicht nur da passiert ist, muss man das nicht extra erwähnen. Das zeigt nur, dass du nichts verstanden hast.“

          Der gewaltsame Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Seitdem protestieren hunderttausende Menschen unter dem Motto „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) gegen Rassismus. Premier-League-Spieler zeigten ihre Unterstützung für die Proteste, indem sie vor dem Spiel am Anstoßkreis niederknieten.

          „Vielleicht haben wir das versäumt“

          „In dieser Generation gibt es offensichtlich immer noch Leute, die es nicht verstehen wollen“, sagte Klopp, es brauche offensichtlich noch mehr Anstrengung, um alle vom Gedanken der Gleichberechtigung zu überzeugen. „Wir müssen früher damit anfangen, unsere Kinder früher aufklären“, so der 53-Jährige. „Wir müssen ihnen vom ersten Tag die Gleichberechtigung erklären. Vielleicht haben wir das in der Vergangenheit versäumt.“

          Dass Spieler und Trainer heute eher bereit wären, ihre Stimme gegen Rassismus zu erheben, glaubt Klopp nicht. „Es war nie anders, um ehrlich zu sein“, sagte er. „Ich kenne keinen einzigen Trainer in meiner gesamten Karriere (...), der einen rassistischen Gedanken hatte, denn das passt nicht zum Fußball.“ Von Zeit zu Zeit vergesse man, über das Thema zu sprechen, weil andere Probleme in den Vordergrund rücken, so Klopp. „Aber jetzt gerade ist es ein wichtiges Thema. Und ich finde es gut, mit welcher Intensität darüber diskutiert wird.“

          Derweil teilte die Polizei Lancashire mit: „Wir stellen Untersuchungen an, um die gesamten Umstände dieses Vorfalls zu klären. Erst dann sind wir in der Lage, zu beurteilen, ob Straftaten stattgefunden haben. Uns ist klar, dass dieses Banner viele Menschen in Lancashire und andernorts verärgert hat, und wir arbeiten weiterhin eng mit unseren Partnern beim Klub und bei den örtlichen Behörden zusammen.“

          Flugplatz Blackpool äußert sich

          Nach englischen Medienberichten startete das Flugzeug von einem Flugplatz in Blackpool in der Nähe von Manchester. Ein Mann aus Lancashire mit Kontakten zur rechtsradikalen Szene soll sich auf Facebook bekannt haben, das Flugzeug inklusive Banner gebucht zu haben. Später wurde der Account aber gelöscht.

          Der Flughafen Blackpool sagte laut BBC: „Wir stehen gegen Rassismus jeglicher Art und dulden die Aktivität absolut nicht. Die Botschaft war beleidigend und die Aktion verwerflich. Die Entscheidung, das Banner zu fliegen, wurde nur von der Bannerfluggesellschaft ohne Wissen oder Zustimmung des Flughafens oder des Blackpool Councils getroffen.“

          Banner werden vorher nicht überprüft, das liege im Ermessen des Fluganbieters. Nach einer Notfallüberprüfung am Dienstagmorgen habe sich der Flughafen Blackpool aber dazu entschieden, alle Bannerflüge mit sofortiger Wirkung einzustellen. „Wir schlagen vor, dass auch andere Flughäfen diesen Ansatz angesichts der Ereignisse in Blackpool in Betracht ziehen sollten“, hieß es.

          Der FC Burnley hatte noch am Abend eine Stellungnahme veröffentlicht. „Wir möchten klarstellen, dass die Verantwortlichen bei uns nicht willkommen sind“, hieß es darin. „Dies ist in keiner Weise das, wofür der FC Burnley steht.“ Man werde die Verantwortlichen mit Hilfe der Behörden identifizieren und mit lebenslangen Stadionverboten belegen.

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