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Bayern nach DFB-Pokalfinale : Gefrustet, traurig und wütend

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Sandro Wagner war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Bild: dpa

Die Bayern enttäuschen sich selbst und verkrümeln sich – ohne Sieger Eintracht Frankfurt die Ehre zu erweisen. Müller ist angesäuert. Trainer Heynckes nimmt die Niederlage zum Abschied wie ein Gentleman.

          Zuerst wurde ihnen in der Nachspielzeit ein Elfmeter verweigert, dann mussten sie auch noch den endgültigen Knockout, das Frankfurter Tor zur unumkehrbaren 1:3, hinnehmen und schließlich hatten sie vollends die Orientierung verloren, als sie bis auf die Torhüter Manuel Neuer und Tom Starke gefrustet, traurig und wütend hinabstiegen in die Katakomben des Berliner Olympiastadions, während der glückliche Gewinner des DFB-Pokalwettbewerbs vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die zweitwichtigste Trophäe des deutschen Vereinsfußballs überreicht bekam. Der FC Bayern, bei den Spielen in der Bundesliga und im Pokalwettbewerb nur ausnahmsweise durch eine Niederlage aufzuhalten, hatte genug von diesem 75. DFB-Pokalfinale.

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          Anders als andere Pokalfinalisten, die auch im Misserfolg tapfer ausharren und den jubelnden Siegern im Berliner Gold- und Lamettaregen die Ehre erweisen, hatte sich der deutsche Meister am Samstagabend verkrümelt, als die Frankfurter Party so richtig losging. Ein Fauxpas, der, so versicherten alle Beteiligten, nicht als Provokation verstanden werden sollte. „Wenn es respektlos rübergekommen ist, tut es mir leid“, sagte Rechtsverteidiger Joshua Kimmich, „das war nicht unsere Absicht. Da war viel Enttäuschung dabei.“

          Enttäuschung über sich selbst an diesem Abend, der ein letzter Festtag für die Bayern und zum Abschiedsgeschenk für den großen Trainer Jupp Heynckes werden sollte. Der 73 Jahre alte Gentleman aus Mönchengladbach, im vergangenen Oktober zum vierten Mal in seiner Laufbahn von den Münchnern, diesmal als Nothelfer, verpflichtet, ließ sich seinen Kummer über diesen misslungenen Abschluss seiner Mission nicht anmerken, gratulierte dem Gewinner höflich und merkte dezent an, dass man „in so einem Spiel den Erfolg auch erzwingen muss, das haben wir heute nicht gekonnt“.

          Heynckes‘ Bayern, nach dem unglückseligen Halbfinal-Ausscheiden in der Champions League gegen Real Madrid nicht mehr so konzentriert und griffig wie zuvor, konnten eine Woche nach der 1:4-Heimniederlage im letzten Bundesligaspiel dieser Saison gegen den VfB Stuttgart auch nicht mit den giftigeren Hessen Schritt halten, die aus drei Konterattacken ihre Tore dank der Wucht und technischen Finesse des unaufhaltsamen Kroaten Ante Rebic (11. Minute/82.) und des Speeds des Serben Mijat Gacinovic (90.) erzielten. Robert Lewandowskis Ausgleich zum 1:1 (53.) nährte nur für kurze Zeit die Hoffnung auf ein glückliches Ende im bayerischen Sinn.

          An Chancen fehlte es den Münchnern nicht, wie die Lattentreffer von Lewandowski (11.) und Hummels (80.) bewiesen, doch der letzte Punch blieb aus, als es darauf angekommen wäre. Entsprechend angesäuert war Kapitän Thomas Müller nach diesem verdrießlichen Saisonabschluss des Meisters. „Das ist ein Abklatsch der Spiele, in denen wir aus der Champions League ausgeschieden sind. Das ist eine Mischung aus eigenen Fehlern, die zu Gegentoren führen  – wie dem von James vor dem ersten Frankfurter Treffer – und verpassten Chancen vorne. Nach diesen intensiven Monaten war die Stimmung in der Kabine am Boden.“

          Kein weiteres Abschiedsgeschenk für Heynckes also, der seinem geliebten Trainerberuf nun endgültig adieu sagt und daheim in Schwalmtal wieder zum Privatier wird. Aufregen mochte sich der Altmeister unter den deutschen Fußballlehrern nicht einmal mehr über den von Schiedsrichter Felix Zwayer an seinem 37. Geburtstag nicht gegebenen Elfmeter für die Bayern in der Nachspielzeit (90.+4), als der Frankfurter Kevin-Prince Boateng den Münchner Mittelfeldabräumer Javi Martínez gegen den Fuß trat und der Unparteiische nicht einmal beim Blick auf die Fernsehbilder seine Entscheidung revidierte. Er hatte die Szene weiterlaufen lassen, weil der Ball nach Boatengs Tritt zum eingewechselten Sandro Wagner kam, der mit seiner unverhofften Torchance aber nichts anfangen konnte.

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          „Ich verstehe, dass Druck auf dieser Geschichte ist, hier in der neunzigsten Minute einen Elfmeter zu geben, der zum Ausgleich führen kann“ sagte Müller zum Aufreger des Abends. „Das aber war kein Fiftyfifty-Ding, das wird jeder, der da draufschaut, bestätigen.“ Wie zum Beispiel Boateng, der frank und frei sagte: „Ich habe gedacht, den muss er pfeifen.“

          Jupp Heynckes wollte sich über diesen Moment, da den Bayern Unrecht geschah, nicht weiter aufregen, weil er Schiedsrichter prinzipiell nicht in der Öffentlichkeit kritisiert. Dass er am Pfingstsonntag noch einmal mit der Mannschaft auf den Münchner Rathausbalkon muss, um wenigstens die Meisterschaft mit den treuesten Bayern-Fans zu feiern, nimmt der Profi als letzte Pflicht für seinen Verein in Kauf. „Das werden wir dann auch noch überstehen“, sagte der Triple-Gewinner von 2013 altersmild und fatalistisch. Er hat acht aufregende, oft schöne, aber stets anstrengende Monate im Dienst des FC Bayern hinter sich. „Dieser Job ist stressig“, sagte er, ehe er die Bühne Berlin verließ, „das kann man nur wegstecken, wenn man hochprofessionell lebt und arbeitet. Anders geht es nicht, wenn man erfolgreich sein will.“ Umso mehr freut sich Heynckes nun auf ein anderes Leben, das nur ihm und seiner Frau Iris gehört.

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