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Furioses 3:2 in Bremen : FC Bayern nach Spektakel im Pokalfinale

  • -Aktualisiert am

Die Faust geballt, der Blick geht nach Berlin: Robert Lewandowski zieht mit dem FC Bayern ins DFB-Pokalfinale ein. Bild: EPA

Die Münchener führen im Halbfinale des DFB-Pokals lange, dann trifft Werder Bremen binnen weniger Sekunden gleich zwei Mal. Doch am Ende jubelt trotzdem der FC Bayern – Trainer Kovac stellt zudem eine beeindruckende Bestmarke auf.

          Faszinierend, was dieses Pokalhalbfinale am Mittwochabend alles bot. Der FC Bayern München führte 2:0 beim SV Werder Bremen, wirkte wie der sichere Sieger, als Osako und Rashica innerhalb von zwei Minuten ausglichen (74./75.). Ein Elfmeter nach Foul Gebre Selassies an Coman brachte die Bayern wieder voran; Lewandowski verwandelte in der 79. Minute sicher. Der Pole hatte die Bayern schon in Führung geschossen, der starke  Müller erhöht, ehe Werder unglaublich zurückkam und eine hochspannende Schlussphase mit fünf Minuten Nachspielzeit begann.

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          Doch das glückliche Ende hatten die Bayern für sich und gewannen 3:2 auf dem Weg in ihr 23. Finale im DFB-Pokal. Am 25. Mai wird die Mannschaft in Berlin auf RB Leipzig treffen. Das Double bleibt möglich in der ersten Saison von Bayern-Trainer Kovac, der mit dem Erfolg im Halbfinale zudem einen besonderen Rekord aufstellte: Als erster Bundesliga-Coach hat er nun in seinen ersten drei Pokal-Spielzeiten dreimal das Endspiel erreicht.

          Werder war mutig, verkaufte sich teuer, hatte auch Chancen, verteidigte aber dreimal ungeschickt und wurde dafür bestraft. Doch es begeisterte, wie die Bremer nach dem 0:2 zurückkamen. Ein weiterer Lichtblick für Werder: ihnen würde nun der siebte Bundesligaplatz für die Europa League reichen. Als sich zuvor Thomas Schaaf auf dem Rasen und Ailton aus Brasilien zugeschaltet meldeten und ihr grünweißes Daumendrücken formulierten, war allen klar im mit 42.100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion: Die heiß ersehnte Fußballparty konnte beginnen. Es herrschte eine prickelnde Atmosphäre mit Gesängen und Choreographien – und lauten Pfiffen gegen die Bayern. So intensiv erlebt man das Weserstadion selten. Und so intensiv begann das Spiel auch.

          Werder begann mit einem mörderischen Tempo, setzte Bayern unter Druck, kam zu Chancen. Doch Bayern spielte mit, es ging hin und her und ein packender Pokalkampf entwickelte sich von Anfang an. Der muntere Müller hatte gleich zu Beginn zwei große Chancen, auch Thiago kam dem Bremer Tor in der 22. Minute nahe. Aber für Werder gab es ebenfalls Möglichkeiten, durch Osako und Klaassen. Vollkommen gleichwertig erschienen der Tabellenführer der Bundesliga und der Achte. Wenn bei Werder etwas Gefährliches geschah, war immer Rashica beteiligt, bei den Bayern sorgte der schnelle Coman über links für Tempo und Schärfe im Spiel.

          Zeigten eine couragierte Leistung mit zwei Treffern in nur wenigen Sekunden: Die Spieler von Werder Bremen jubeln über das zwischenzeitliche 2:2.

          Das Tor, das die Bayern mit einer 1:0-Führung in die Pause gehen ließ, war in der Entstehung kurios. Boateng schickte einen hohen Ball in den Strafraum und fand Müller, der das Spielgerät in einer Bogenlampe Richtung langer Pfosten köpfte. Die Werder-Verteidiger und Torwart Pavlenka eilten herbei, aber der Ball sprang vom Pfosten Lewandowski vor die Füße. Der Pole hatte bis dahin kaum am Spiel teilgenommen, doch diese Chance ließ er sich nicht nehmen.

          Die Bayern führten in der 36. Minute 1:0. Aus Bremer Sicht ein vermeidbarer Treffer mit Pavlenkas Mithilfe. Werder wackelte jetzt bedenklich, und Gnabrys Schuss in der 44. Minute hätte das 2:0 bedeuten können. Mit Osako für den gesperrten Sahin deutlich offensiver aufgestellt, war Werder so mutig, wie es sich Trainer Kohfeldt immer vorstellt. Allerdings musste Werder bei den Kontern über Müller und vor allem Coman höllisch aufpassen, um nicht überrannt zu werden.

          Am Ende hat es aber nicht ganz gereicht: Bremens Davy Klaassen (rechts) war sichtlich enttäuscht.

          Die Bremer wichen zu Beginn der zweiten Hälfte kein bisschen zurück. Möhwald und Klaassen im Mittelfeld spielten deutlich offensiver, Kruse ackerte und Rashica bot sich ständig an. Kovac wechselte defensiv und brachte Goretzka für Gnabry. Werders Gegenwehr erlahmte sichtlich. Das hohe Tempo der ersten 55 Minuten hatte Kraft gekostet. Mit Müllers Treffer in der 63. Minute war die Ausgangslage selbst mit dem eingetauschten Claudio Pizarro sehr kompliziert geworden. Aber Werder kam durch Osako und Rashica aus dem Nichts zurück – bis Schiedsrichter Daniel Siebert auf den Punkt zeigte und Lewandowski eiskalt war.

          „Für mich war das aus dem Spiel heraus absolut ein Elfmeter. Durch den Videobeweis bekommt der Schiedsrichter ja mit, ob es elfmeterwürdig ist. Kingsley ist keiner, der sich fallen lässt“, sagte Müller anschließend über die heiß diskutierte Szene kurz vor Spielende, als Coman nach einem Schubser von Gebre Selassie zu Fall gekommen war. Die Bremer sahen dies naturgemäß anders: „Das ist lächerlich. Wozu haben wir den Videobeweis? Wenn er das nicht sieht, können wir ihn wieder abschaffen“, meinte Angreifer Kruse  – doch da war die Partie längst abgepfiffen.

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