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DFB-Pokal in Leverkusen : Die Bayern sind bereit für das „Projekt Triple“

Halbfinale, wir kommen: Thomas Müller (rechts) herzt Mario Götze Bild: dpa

In den Wochen der Wahrheit gewinnt der FC Bayern auch das zweite „Finale“. Trainer Guardiola lernt aus seinem Fehler der vergangenen Saison. Nach dem dramatischen Pokal-Sieg in Leverkusen macht nur der nächste Verletzte Sorgen.

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          Die letzte Spannung eines dramatischen DFB-Pokal-Abends entwich erst kurz vor Mitternacht. Als seien 120 Minuten zwischen Leverkusen und dem FC Bayern mit Elfmeterschießen noch nicht genug Nervenkitzel gewesen, hatte der Deutsche Fußball-Bund die Auslosung der Halbfinal-Partien auch noch im Anschluss angesetzt.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Außenseiter Bielefeld, der Gladbach besiegt hatte, trifft am 29. April (20.30 Uhr) auf Wolfsburg. Im zweiten Duell der Vorschlussrunde kommt es zum Klassiker der deutschen Fußball-Neuzeit zwischen den Bayern und Dortmund. In München treffen beide am 28. April (20.30 Uhr) aufeinander und kämpfen um eine Reise nach Berlin, die sie 2014 noch gemeinsam antraten. Damals holten die Bayern den Pokal.

          Bayern-Trainer Pep Guardiola pustete einmal durch, zuckte mit den Schultern – und hatte wohl keine Kraft mehr, das Los auch noch tiefgehend zu analysieren. Zu nervenaufreibend war die Partie in Leverkusen zuvor gewesen. Wie ermüdend der Pokalkampf selbst für den Coach war, sah man im Elfmeterschießen, das der ermattete Guardiola auf einem Holz-Klappstuhl an der Seitenlinie verfolgte. Erst als Thiago den letzten Versuch zum 5:3-Sieg der Münchner verwandelt hatte, sprang er auf, umarmte kurz seine Assistenten und entschwand Richtung Kabine (Sehen Sie alle Tore nochmal im Video).

          Dass ausgerechnet sein spanischer Landsmann Thiago das Werk vollendete, war nur eine von vielen Geschichten, die dieses Pokalspiel schrieb. Eigentlich hätte der finale Schütze zu diesem Zeitpunkt schon dort sein müssen, wohin Guardiola nach dem finalen Schuss eilte. In der Zugabe der regulären Spielzeit hatte er Gegner Stefan Kießling mit einem Kung-Fu-Tritt gegen die Brust niedergestreckt. Schiedsrichter Felix Zwayer sah in der Aktion keine Absicht, wertete das strafmildernd und zeigte nur die Gelbe Karte. Eine andere Farbe wäre korrekt gewesen, dann wäre Leverkusen in Überzahl in die Verlängerung gegangen.

          Ringkampf: Leverkusens Verteidiger Ömer Toprak umklammert Robert Lewandowski. Bilderstrecke
          Ringkampf: Leverkusens Verteidiger Ömer Toprak umklammert Robert Lewandowski. :

          Es ehrte die Bayer-Spieler und -Verantwortlichen, dass sie im Nachgang zwar sagten, dass eine Rote Karte angemessener gewesen wäre, die Fehlentscheidung aber nicht als Hauptgrund für das Aus herhalten sollte. Womöglich hatten die Leverkusener auch noch eine Szene aus der 60. Minute vor Augen, in der sie wiederum von einer Entscheidung des Unparteiischen profitierten. Beim Kopfballtor von Robert Lewandowski wertete Zwayer einen minimalen Schubser des Polen als Foul und pfiff die Aktion ab. Auch hier wäre eine andere Wertung korrekt gewesen – so stand es nach Thiagos Tritt 1:1 nach Fehlentscheidungen, aber noch immer 0:0 nach Toren.

          Dass die Bälle nicht im Netz landeten, lag auch an der mangelnden Chancenverwertung in einem nicht nur spannenden, sondern auch hochwertigen Spiel. Die beste Möglichkeit vergab Mario Götze in der Verlängerung (98.), als der Münchner eine Rafinha-Flanke zwei Meter vor dem Tor nur mit dem Schienbein erwischte und knapp vorbeischoss. Die anderen Chancen vereitelte der starke Bayer-Schlussmann Bernd Leno, dem sein Gegenüber Manuel Neuer in nichts nachstand. Beide Keeper verdienten sich in einem Spiel, das beste Werbung für den DFB-Pokal war, Bestnoten.

          Während die Leverkusener sich nun nach dem zweiten Aus im Elfmeterschießen – zuvor scheiterten sie schon auf diese Weise an Atlético Madrid in der Champions League – ganz auf die abermalige Qualifikation für die Königsklasse konzentrieren können, gewannen die Münchner auch das zweite „Finale“ in den selbst ausgerufenen „Wochen der Wahrheit“. Das 1:0 in Dortmund am vergangenen Samstag und nun der Pokalsieg in Leverkusen sind nicht nur ob des erfolgreichen Endes wertvoll. Beide Partien zeigten die Weiterentwicklung der Guardiola-Bayern im Vergleich zur letzten Saison.

          Damals war der FC Bayern früh wie nie schon im März Meister geworden. Den Druckabfall danach hatte der Trainer selbst herbeigeführt und ehe die Maschinen wieder hochgefahren werden konnten, hatte Real Madrid den deutschen Rekordmeister in der Champions League mit 0:5 in der Summe aus zwei Partien gedemütigt. In diese Falle scheinen die Münchner nun nicht mehr zu laufen. Der Titel in der Bundesliga ist zwar wahrscheinlich, aber noch nicht sicher, sodass es keinen Grund zum vorzeitigen Nachlassen gibt. Und Guardiola ist klug genug, aus seinen Fehlern zu lernen.

          Nach dem Liga-Heimspiel gegen Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) wartet am nächsten Mittwoch Porto als Hürde auf dem Weg ins Halbfinale der Champions League. David Alaba und Arjen Robben werden dann sicher noch fehlen, der Einsatz von Franck Ribéry bleibt fraglich. Bastian Schweinsteiger könnte wieder dabei sein. Dafür bangen die Bayern um Medhi Benatia, der mit einer Oberschenkelverletzung nach einer guten halben Stunde in Leverkusen vom Feld humpelte. „Wenn das jetzt auch eine Verletzung ist, weiß ich gar nicht, wo das alles enden soll“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer in der ARD.

          In Dortmund und Leverkusen haben die Bayern bewiesen, dass auch ein gut gefülltes Lazarett sie nicht aus der Erfolgsspur bringt. Das macht Mut für das „Projekt Triple“. Eine alte Fußball-Weisheit lautet, dass die Offensive Spiele gewinnt, die Defensive dagegen Titel. Es scheint, als würden sich die Bayern daran orientieren. In den Partien bei der Borussia und bei Bayer blieben sie ohne Gegentor. Und am Ende hielt Manuel Neuer den Elfmeter gegen Josip Drmic. Vor dem finalen Shootout hatte der Weltmeister noch einmal Ballast abgelegt. Mit Erlaubnis des Schiedsrichters streifte er die Kapitänsbinde vom Oberarm. „Da ist schon etwas Druck drauf. So habe ich mich besser gefühlt“, erklärte Neuer. 

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