https://www.faz.net/-gtl-a3ndi

FC Bayern in Budapest : Supercup im Risikogebiet – muss das sein?

„Wir haben jegliches Interesse daran, dass dort wirklich kein Ischgl des Fußballs stattfindet“: Karl-Heinz Rummenigge Bild: dpa

Der FC Bayern spielt in Budapest. Fans, die mitreisen, müssen nach der Rückkehr in Quarantäne. Etliche geben ihre Karte zurück. Und was sagen eigentlich die Verantwortlichen der Münchner zur ganzen Problematik?

          4 Min.

          Am Dienstagmorgen stehen in einem Parkhaus in München mehrere Männer und Frauen in weißen Schutzanzügen. Sie warten dort, nur wenige Meter von der Arena entfernt, auf die Fußballfans des FC Bayern München, die fast alle mit dem Auto ins Parkhaus fahren. Sie scannen die Tickets der Fans und stecken ihnen durch die Fenster ihrer Autos ein Stäbchen in den Mund, das sie danach sorgfältig verpacken. So fängt die Reise an, die nicht mehr nur den deutschen Fußball, sondern auch die deutsche Politik beschäftigt.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Sichern Sie sich alle aktuellen Informationen und Hintergründe zur Präsidentenwahl

          Jetzt F+ für nur 1€/Woche lesen
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Am Donnerstagabend (21.00 Uhr bei Sky und DAZN) veranstaltet die Europäische Fußball-Union (Uefa) in Budapest ein Fußballspiel mit Zuschauern. Im sogenannten Supercup spielt der FC Bayern gegen den FC Sevilla, der Sieger der Champions League gegen den Sieger der Europa League, aber das ist nicht mehr die Hauptsache. In der Vorwoche hat das Robert Koch-Institut (RKI) Budapest als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das hält die Uefa aber nicht davon ab, ihren Plan durchzuziehen: Von den 67.000 Plätzen im Stadion sollen bis zu 30 Prozent besetzt werden. Seitdem stellt sich die Frage: Muss das sein?

          Nein, sagt Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident und Parteichef der CSU. Er hat schon am Montag vor einem „Fußball-Ischgl“ gewarnt, einem Fall also wie im Frühjahr, als der österreichische Ski-Ort Ischgl zu einem Corona-Hotspot geworden war, von dem aus sich das Virus auch in Deutschland verbreitete. „Mein Appell wäre“, sagte Söder, „noch einmal grundlegend zu überlegen, ob das jetzt wirklich notwendig ist. Der Supercup ist ein spannendes Spiel, aber es ist nicht das alles entscheidende Spiel.“

          In dem Parkhaus in München, wo der FC Bayern seinen Fans kostenlos einen für die Einreise nach Ungarn notwendigen Corona-Test anbietet, gibt es am Dienstagmorgen keine klare Antwort auf die Frage. Ein Fan, der mit dem Fahrrad gekommen ist, teilt seine Gedanken. Er ist schon mal zu einem Supercup gereist. Das war im Spätsommer 2013, in Prag. Es hat ihm damals sehr gut gefallen. Jetzt hat er sich eine Karte für das Spiel in Budapest gekauft, weil er seine Mannschaft wenigstens dort unterstützen will, nachdem es in Lissabon bei der Champions-League-Endrunde nicht möglich war. Dann sagt aber auch er, dem sein Verein so viel bedeutet: „Ich weiß noch nicht, ob ich hinfahre.“

          Den Vergleich mit Ischgl findet der Fan nicht angebracht. Sein Reiseplan sieht so aus: Mit dem Auto zum Hotel in Budapest, rein in die Tiefgarage, von dort ins Zimmer. Am Abend dann zu Fuß zum Stadion, das etwa 30 Minuten vom Hotel entfernt ist. Danach wieder zu Fuß zurück ins Hotel, vielleicht noch etwas essen, schlafen, mit dem Auto zurück nach München. Und trotzdem zögern er und viele andere auch. Zunächst hatten sich etwa 2100 Bayern-Fans ein Ticket für den Supercup gekauft. Inzwischen haben etwa 800 davon die Karte zurückgegeben. Das hat, so sagen es einige Fans, vor allem mit Markus Söder zu tun.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Hauptsache, der Riesling fließt

          Die Weinernte dieses Jahr wird wohl unterdurchschnittlich, aber besser als letztes Jahr. Wie die Erntemengen schwankt auch der Geschmack der deutschen Weintrinker – einer Sorte aber bleiben sie seit Jahren treu.
          Aufgebracht: Wieder haben Frauen in Warschau gegen die Verschärfung des Abtreibungsverbots demonstriert.

          Abtreibungsgesetz in Polen : „Die Revolution ist eine Frau“

          In Polen demonstrieren Tausende seit Tagen gegen das verschärfte Abtreibungsgesetz. Der Protest reicht sogar bis in die Gottesdienste. Welche Lager stehen einander hier gegenüber?
          Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, im Gerichtssaal im August.

          Bushido im Abou-Chaker-Prozess : „Ich habe meine Frau geschlagen“

          Beim Prozess gegen Arafat Abou-Chaker wird Bushido vor Gericht persönlich: Er habe im Streit zwischen Abou-Chaker und seiner Frau die „dümmste Entscheidung“ seines Lebens getroffen. Auch den anschließenden Tiefpunkt schildert er.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.