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Robben und Ribéry : Die stürmischen Senioren des FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Bester Laune: Arjen Robben und Franck Ribéry erleben beim FC Bayern derzeit ihren goldenen Herbst Bild: Picture-Alliance

Bei den Münchner Bayern hakt der Generationenwechsel an allen Ecken und Enden. Für die nähere Zukunft setzt der Rekordmeister deshalb auf zwei alte Bekannte. Einer von beiden hat aber schon Pläne für die Zeit danach.

          Vor einem Jahr ist Douglas Costa im Trainingslager in Doha bei den Fans die absolute Nummer eins gewesen. Nach jeder Einheit brüllten sich die Anhänger an den Absperrungen die Seele aus dem Leib, um ein Selfie oder ein Autogramm zu bekommen. Der Brasilianer war in der Vorrunde durchgestartet; er wurde zum Spieler der Halbserie gewählt, und dann hatte er ja auch noch gesagt, dass er möglichst bald Weltfußballer werden möchte. Dann ließ er ein schwächeres zweites Halbjahr folgen, kämpfte in dieser Saison mit Verletzungen und kam erst Ende Dezember wieder etwas besser in Schuss. Die Zukunft des FC Bayern heißt weiterhin: Franck Ribéry und Arjen Robben.

          Das haben sich die Bosse ein bisschen anders ausgemalt, doch die generationenübergreifende Staffelübergabe hakt noch, man kann das an allen Ecken und Enden des Platzes sehen. Joshua Kimmich hat Xabi Alonso noch nicht verdrängt, für die rechte Abwehrseite muss man den auch nicht mehr ganz jungen Sebastian Rudy als Entlastung für Philipp Lahm holen - und auf den Flügeln können sie froh sein, dass sie da zwei ausgesprochen stürmische Senioren haben. Costa und Kingsley Coman sind weit davon entfernt, Ribéry und Robben vergessen zu machen.

          „Für mich ändert sich nichts“

          Robben lehnte sich am Samstag entspannt zurück, als es beim Gespräch mit den Medien um sein Alter ging. Vier Tage nach dem Auftakt der zweiten Saisonhälfte beim SC Freiburg am übernächsten Freitag (20.30 Uhr / live in der ARD, auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) wird er 33, für einen Flügelflitzer ist das biblisch. Doch er lächelte relaxed. Ob er sich inzwischen anders vorbereitet auf eine Halbserie als früher? „Für mich ändert sich nichts. Es geht um Titel.“ Manchmal kann Fußball so einfach sein, selbst bei einem Mann, der auf dem Platz für die komplizierten Dinge berufen ist. Wichtig sei für ihn gewesen, dass er dieses Jahr schon fit in die Weihnachtsferien gegangen ist. „Ich konnte da also auch schon individuell was machen.“ Ohne zu übertreiben, fügte er an. Nicht selten in seinen nun schon acht Jahren beim FC Bayern wirkte sich sein Ehrgeiz nach Verletzungspausen fatal aus, indem er zu raschen Rückschlägen führte.

          Immer noch ein Heißsporn: Der Franzose mit Ellbogeneinsatz im Ligaspiel gegen den BVB Bilderstrecke

          Aber nun laufen beide Routiniers in Doha sichtlich auf Hochtouren. Robben ist anzusehen, dass er mit Elan zurückkehren möchte, nachdem sein Körper in der Hinrunde mal wieder gestreikt hat. Der Niederländer ist jeden Tag der Letzte, der zum Mittagessen geht, weil er nach jedem Training am längsten noch individuell im Gymnastikraum schwitzt. Vor einem Jahr war seine Situation ähnlich: Er wollte auch loslegen nach einer Verletzung, doch damals bremste ihn ausgerechnet in Qatar ein Katarh, Bayerisch für Schnupfen. Vier Tage musste er auf dem Zimmer hocken, diesmal konnte er gleich aufdrehen. Und wie.

          Ribéry, der im März seinen 34. Geburtstag feiert, steht seinem Kollegen in nichts nach. Der Franzose bekam am Samstag Szenenapplaus, als er bei einem Solo drei Mann gekonnt austanzte, Lahm kratzte seinen Schuss am Ende von der Linie. In einer anderen Einheit schnauzte Ribéry Costa auch mal wortreich an, weil der Brasilianer in einer aussichtsreichen Situation keinen Pass gespielt hatte. Die Hierarchie ist festgezurrt, und Ribéry, das muss man ja auch mal sagen, war immerhin schon einmal Dritter bei der Wahl zum Weltfußballer, was man fast als Sieg werten kann, da die ersten beiden Plätze immer Cristiano Ronaldo und Lionel Messi unter sich ausmachen.

          Aber ist das nun gut oder schlecht für den FC Bayern, noch immer von zwei Routiniers abhängig zu sein? Erfreulich ist freilich für die Münchner, dass beide im Vollbesitz ihrer Kräfte noch immer dribbeln, als sei das Pensionsalter noch so fern wie bei einem Mittzwanziger. Es handelt sich eben um zwei Ausnahmekönner, weltweit, insofern irritiert kaum, dass es selbst einem mit Stars gespickten FC Bayern schwerfällt, sich von seinen altgedienten Recken zu emanzipieren. Im Laufe der Jahre wurden sie zu Publikumslieblingen und Integrationsfiguren. Bei Coman murrt man hingegen in der Chefetage über technische Mängel, bei Costa ist die Streuung seiner Flanken und Abschlüsse manchmal regelrecht absurd.

          Dennoch hat Trainer Carlo Ancelotti schon verfügt, Coman im kommenden Sommer komplett von Juventus Turin loszueisen. Dann endet sein zweijähriges Leihgeschäft mit der Option, den 20-Jährigen für 21 Millionen Euro zu übernehmen. Talente von Format auf den Flügeln sind rar, europaweit - und selbst wenn man sich den Bremer Serge Gnabry oder den Leverkusener Julian Brandt angeln würde - denn beide tauchen immer wieder verlässlich bei Auflistungen potentieller Neuzugänge auf – haben sie eine enorme Lücke zu füllen, sobald Ribéry und Robben ihre Schuhe an den Nagel hängen.

          Doch dieser Tag zögert sich noch hinaus. Ribéry hat bereits bis 2018 verlängert, Robben sagte am Samstag, er denke noch keine Sekunde ans Karriereende, „auch wenn du bei über 30 Jahren weißt, dass es näherrückt“. Die WM 2018 in Russland ist ein festes Ziel des niederländischen Kapitäns, ein neuer Kontrakt in München ebenso („Ich habe da aber keine Deadline, sehe das ganz locker“), und selbst einen Wechsel in die Vereinigten Staaten oder China schließt er nicht aus. „Aber jetzt noch nicht, jetzt spiele ich ja noch Topniveau.“

          Am Samstag gelang ihm in einem intensiven Trainingsspiel ein Kopfballtor, die Fans am Zaun quietschten vor Vergnügen. Sie sind einfach immer ein schöner Seismograph, um den Status einzelner Spieler zu testen. Und Costa muss sich da in diesem Jahr eindeutig hinter den rüstigen Rentnern Ribéry und Robben einreihen. Seine Dezibelwerte sind gefallen. Und die sind verlässlich, orientieren sie sich doch stets am Verlauf der entsprechenden Formkurven.

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