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FC Bayern München : Mia san wer?

Gewonnen, aber dennoch verunsichert: Dante und der FC Bayern Bild: dpa

Nach dem abgeklärten Sieg des FC Bayern im Vorspiel gegen Hoffenheim steht der allmächtige Trainer Pep Guardiola gegen Porto vor seiner schwersten Prüfung. Von der Perfektion vergangener Tage ist bei den Münchnern nicht mehr viel zu sehen.

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          Es hat eine Weile gedauert, bis man in Deutschland etwas Elementares über Pep Guardiola verstanden hat: Dass man diesem Mann und Trainer von Welt zwar jederzeit an den Lippen hängen darf. Aber besser nicht jedes Wort - zumindest nicht jene, die er auf Deutsch spricht - für bare Münze nehmen sollte. Mittlerweile hatte man sich im Grunde schon daran gewöhnt, dass viele von Guardiolas Statements, all die Supersuperlative, eigentlich Null-Aussagen sind. Nichts jedenfalls, womit auf der Suche nach den wahren Befindlichkeiten innerhalb des bayerischen Fußball-Imperiums irgendwie weiterzukommen wäre.

          Es schien also noch nicht so viel zu bedeuten, als Guardiola Anfang April, nach der Niederlage gegen Mönchengladbach, die Frage, ob dies seine schwierigste Phase als Bayern-Trainer sei, mit einem knappen „Ja“ beantwortete. Und den ebenso schönen wie vielzitierten Satz hinzufügte: „Der April entscheidet alles.“ Heute weiß man: Beides trifft zu, vermutlich noch mehr, als Guardiola das selbst erwartet hätte.

          „Wir sind immer noch der FC Bayern“

          Was den Monat der Entscheidung betrifft, kann man sogar sagen, dass sich alles auf ein Datum zuspitzt: den 21. April, Dienstag, das Rückspiel gegen Porto (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker auf FAZ.NET). An diesem Abend werden die Bayern wissen, ob sie diese Saison als mutmaßlicher Meister unter der Rubrik „gewohnt erfolgreich“ ablegen müssen, was in ihrem Selbstverständnis - und dem ihres Trainers - einer Enttäuschung gleichkäme. Oder ob sie doch noch auf ein gekröntes Finale in Europa hoffen dürfen, das den wahren Ambitionen entspricht.

          „Wir sind immer noch der FC Bayern“, sagte Thomas Müller nach dem für bayerische Verhältnisse fürchterlichen 1:3 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am vergangenen Mittwoch. Es sollte trotzig klingen. Und es stimmt ja auch: Es wäre gewiss „kein Fußball-Wunder“, wie Müller sagte, das Rückspiel gegen Porto 2:0 für sich zu entscheiden. Aber der FC Bayern ist derzeit eben auch nicht ganz so leicht wiederzuerkennen. Robben, Ribéry, Benatia, Martinez, Alaba, Schweinsteiger – sie alle fehlten in Portugal.

          Pep Guardiola: „Das war sehr, sehr schwierig heute für den Kopf, die Leute wissen nicht, wie schwer das ist“ Bilderstrecke
          Pep Guardiola: „Das war sehr, sehr schwierig heute für den Kopf, die Leute wissen nicht, wie schwer das ist“ :

          Am Samstag, beim Bundesligaspiel gegen Hoffenheim, kam noch Kapitän Lahm wegen eines Magen-Darm-Infekts dazu. Und so war vor dem Zwischenspiel in Sinsheim eines noch wichtiger als das Ergebnis, ein eher schmuckloser 2:0-Sieg durch den Treffer von Sebastian Rode in der 38. Minute und ein Eigentor von Andreas Beck in der Nachspielzeit: Dass die Personallage sich nicht weiter verschlechterte.

          Nach knapp 20 Minuten schien Guardiola schon wieder Schlimmes zu befürchten. Als Volker Braun, der nach der Demission von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt am Donnerstag die medizinische Hoheit übernommen hat, sich auf den Weg zu Juan Bernat machte, haderte der Trainer gestenreich mit dem Schicksal und der recht rücksichtslosen Grätsche des Hoffenheimers Rudy. Boateng, der schon zum Warmmachen geschickt wurde, konnte sich zwar bald wieder hinsetzen, zur Pause aber musste Bernat dann doch ersetzt werden.

          Kräfte sparen, Risiko minimieren - das war das Münchner Motto am Samstag. Guardiola verschaffte auch Alonso und Thiago eine Pause, dafür durften im Vergleich zum Porto-Spiel Badstuber, Rode, Gaudino und Weiser von Beginn an ran - besonders die letzten Beiden sind nicht unbedingt Startelf-Kandidaten für Dienstag. Was allerdings auch nicht für Dante gelten dürfte, der sich gegen Hoffenheim einen weiteren schlimmen Patzer leistete, den Torwart Neuer gegen Modeste ausbügeln musste.

          Aufreiben mussten sich die Münchner gegen harmlose Hoffenheimer nicht. Ob aber die Zeit bis zum Dienstag, so kurz sie ist, darüber hinaus für die Bayern spielen kann, ist eine andere Frage. Lahm wird wohl wieder dabei sein. Aber sonst? Bei Ribéry und Schweinsteiger ist das zumindest nicht ganz auszuschließen. Wahrscheinlich aber ist es nicht. So wird den Bayern wohl weiter einiges an Qualität und verlässlicher Wertarbeit fehlen.

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