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Meister-Frauen des FC Bayern : Sorgen auf der Münchner Party

  • -Aktualisiert am

Die Fußballfrauen des FC Bayern holen sich mit einem Sieg über Frankfurt den Meistertitel. Bild: dpa

Der FC Bayern freut sich über die Meisterschaft, kritisiert aber die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs. Der scheidende Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nimmt dabei den DFB ins Visier.

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          Als sich die Party vom Rasen in die Kabine zu verlegen begann, schnappte sich Linda Dallmann noch schnell die Eckfahne. Sie legte sich damit auf den Boden und reckte die Stange triumphierend immer wieder in die Höhe – wie einst 2001 Oliver Kahn in Hamburg nach dem Titelgewinn des FC Bayern in letzter Sekunde. Die Frauenmannschaft des Münchner Klubs hat es 20 Jahre später nicht so spannend gemacht.

          In letzter Sekunde fiel am Sonntag beim Bundesliga-Saisonabschluss gegen Eintracht Frankfurt zwar auch ein Treffer, aber es war der zum 4:0-Endstand. Den Meisterkampf hatten die Münchnerinnen da bereits in den 90 Minuten zuvor zu ihren Gunsten entschieden. Die Kolleginnen auf der Bank, die Betreuer, die verletzten Spielerinnen standen längst an der Seitenlinie bereit, um den Platz zu stürmen, als Lea Schüller mit ihrem Tor den Schlusspunkt hinter eine glänzende Saison setzte.

          „Die Fußballwelt ist in Ordnung“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne des kleinen Stadions auf dem Campus des FC Bayern. „Die Frauen sind Meister, die Männer sind Meister. Jetzt sind wir Double-Meister. Das hat es auch nicht so oft gegeben.“ Zum dritten Mal nach 2015 und 2016. Danach dominierte der VfL Wolfsburg die Frauenbundesliga, bis zu dieser Saison.

          Rummenigge übt Kritik

          Ein wenig glichen die Bilder denen zwei Wochen zuvor bei der Titelsause in der großen Münchner Arena. Nur ein bisschen kleiner, weniger pompös als bei den Männern, aber dafür mit etwas mehr Improvisation. Statt einer Bühne, auf der sich die Bayern bei der Ehrung versammelt hatten, gab es bei den Frauen nur einen Bogen, unter dem sie die Schale präsentierten. Die Meister-Shirts wurden erst mit einer kleinen Verzögerung verteilt, und was bei den Männern untersagt gewesen war, haben die Frauen am Sonntag einfach getan: ihrem Trainer Sven Scheuer noch auf dem Platz eine ordentliche Alkoholdusche verpasst.

          Während bei Scheuer „die Gefühle ein wenig Achterbahn“ fuhren, Simone Laudehr bei ihrem ersten deutschen Meistertitelgewinn zum Abschluss ihrer Karriere ein wenig melancholisch wirkte, nahm Rummenigge oben auf der Tribüne den Triumph zum Anlass, die Situation im deutschen Frauenfußball kritisch zu beleuchten. „Wenn ich etwas Wasser in den Wein schütten darf“, sagte er. „Ich denke, dass der DFB sich weiterentwickeln muss.“ Es werde ihm zu wenig in der Bundesliga getan im Vergleich zu anderen Nationen wie England, Spanien oder Italien.

          Bei der Vermarktung, den Fernsehverträgen und auch bei der Außendarstellung ist die Konkurrenz enteilt. Und dies hat sportliche Folgen. Die letzte deutsche Mannschaft, die die Champions League gewann, war der 1. FFC Frankfurt (mittlerweile mit Eintracht Frankfurt fusioniert) 2015, davor zweimal der VfL Wolfsburg. Der FC Bayern scheiterte in dieser Saison im Halbfinale am FC Chelsea. „Da müssen wir in Deutschland etwas Gas geben, um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren“, sagt Rummenigge.

          Ein paar Tage zuvor hatte Präsident Herbert Hainer im Münchner Merkur und in der tz ähnliche Forderungen gestellt. „Um den Frauenfußball in Deutschland generell noch besser zu fördern und international wettbewerbsfähig zu machen, muss man insgesamt dringend an den Strukturen arbeiten“, sagte er. Die Bayern haben ihre Aufgaben bereits erledigt. Als Sven Scheuer vor zwei Jahren vom SC Freiburg nach München kam, stellten die Bayern einen Vierjahresplan auf – mit dem Ziel, auch bei den Frauen die Nummer eins zu werden. Man stehe gerade bei der Hälfte, sagte Hainer. „Natürlich werden wir weiter investieren.“

          Potsdam hat Anschluss verloren

          Es ist kein Zufall, dass die drei besten Klubs der Frauenbundesliga – hinter Bayern und Wolfsburg hat sich mit Abstand Hoffenheim platziert –, auch erfolgreiche Männermannschaften haben und in deren Strukturen eingebunden sind. „Die großen Vereine merken, auf den Frauenfußball können und müssen wir setzen“, sagte Lina Magull, Kapitänin des FC Bayern.

          Noch vor ein paar Jahren war ein Klub wie Turbine Potsdam das Maß der Dinge, aber dieser hat längst den Anschluss verloren. Spielerinnen wie Saki Kumagai, die mit Olympique Lyon fünfmal die Champions League gewonnen hat und zur neuen Saison zum FC Bayern wechselt, könnte sich der frühere Serienmeister aus Brandenburg nicht leisten. International gehören die Münchnerinnen allerdings nicht zu den allerersten Adressen. Noch nicht.

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