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Blamables Aus im DFB-Pokal : Ein Schock mit Folgen für den FC Bayern

Kein Albtraum: Das Aus im DFB-Pokal für den Bayern und Manuel Neuer ist Realität. Bild: dpa

Nach dem Sommer des Vergnügens mit fünf Titeln haben die Münchner inzwischen einige Probleme. Das Aus im DFB-Pokal ist nun erstmals eine irreparable Folge. Nicht nur Trainer Hansi Flick ist verärgert.

          3 Min.

          Thomas Müller war der Spieler des FC Bayern, der sich nach dem blamablen Aus im DFB-Pokal den Fragen stellte. Und so stand er mit dicker Jacke, aber kurzer Hose ziemlich bedröppelt in Kiel im Schneeregen vor den Mikrofonen der TV-Sender. Der Wind zerzauste die Haare, die Flocken kamen aus allen Richtungen. Und als der bediente Müller das schwer Erklärbare zu erklären versuchte, musste er auch noch feststellen: „Das ist aber doch ganz schön kalt hier.“ Da war es offensichtlich: Die Niederlage bei Zweitligaklub Holstein Kiel im Elfmeterschießen trug auch nicht zur Erwärmung der Münchner Fußballwelt bei.

          DFB-Pokal
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Ganz im Gegenteil. Nach einem Sommer des sportlichen Vergnügens mit fünf gewonnenen Titeln weht zum Jahresstart 2021 plötzlich ein ganz anderer Wind. Das Wort Krise wird im Profifußball inzwischen inflationär gebraucht, ist aber bei der Münchner Messlatte dieser Tage nicht mehr gänzlich übertrieben. Die Mannschaft steht immer noch auf Platz eins in der Bundesliga-Tabelle und im Achtelfinale der Champions League. Doch der letzte überzeugende Sieg ist schon etwas her. Das Aus in Kiel schaffte nun erstmals auch irreparable Fakten: Der Titel im DFB-Pokal diese Saison geht sicher nicht an den FC Bayern.

          „Das Ausscheiden ist brutal, das muss man erst einmal sacken lassen. Es ist sicherlich gerade nicht die beste Phase des FC Bayern. Es ist enttäuschend und extrem bitter. Wir sind natürlich bedient. Dass die Stimmung nicht gut ist, kann man sich denken“, sagte Müller zusammenfassend. Er verwies zurecht darauf, dass sein Team in der ersten Halbzeit besser gewesen sei als der „Underdog“. Doch dann kam wieder dieser Szene, die den FC Bayern schon so häufig geärgert hat: Ein langer Ball hebelt die weit aufgerückte Abwehr simpel aus. Fin Bartels rannte den Münchner Verteidigern leicht davon und glich nach dem Tor durch Bayerns Serge Gnabry (14. Minute) mit einem Flachschuss aus (37.).

          Die Kieler freuten sich diebisch über den erfolgreichen Spielzug. Denn exakt so hatten sie sich das gegen den großen Favoriten ausgemalt. Trainer Ole Werner hatte vor der Partie auf die defensive Schwachstelle der Münchner hingewiesen. Nicht zuletzt bei der Bundesliga-Niederlage am Freitag bei Borussia Mönchengladbach, aber auch schon in vielen Spielen zuvor, hatten sich erstaunliche Lücken in der Defensive der Bayern gezeigt. Es ist das große Thema dieser Zeit: Der deutsche Fußball mit seinen Vorzeigemannschaften FC Bayern und der Nationalelf ist nur bedingt abwehrbereit.

          „Beim 1:1 müssen wir uns sicherlich den Schuh anziehen, dass wir das wiederum nicht gut verteidigt haben“, sagte Offensivkraft Müller, der aus der Distanz ansehen musste, wie sich die Kollegen wieder einmal leicht düpieren ließen. Auch Trainer Hansi Flick war verstimmt ob der immer wiederkehrenden Sorgen: „Bei unseren Gegentoren war es zuletzt immer das gleiche Muster“, sagte er. Nach dem Weltklasse-Freistoßtor von Leroy Sané (47.) glich Kiels aufgerückter Abwehrspieler Hauke Wahl zum 2:2 aus, weil er nach einer letzten verzweifelten Flanke (90.+5) völlig frei im Münchner Fünfmeterraum stand.

          Müller monierte, dass das Spielglück „heute nicht so richtig auf unserer Seite“ gewesen sei. Das aber war nur die halbe Wahrheit. Gnabrys Führungstreffer fiel nach einer klaren Abseitsposition. Da es in der frühen Phase des DFB-Pokals keine Unterstützung durch Videoassistenten gibt und der Helfer an der Linie die irreguläre Position Gnabrys nach Müllers Kopfballablage nicht erkannte, zählte das Tor. Wenn das kein Spielglück war. Auch, dass der Ball nach der unglücklichen Abwehr von Müllers Vorlage durch Torwart Ioannis Gelios direkt vor den Füßen von Gnabry landete und der ihn nur noch einschieben musste, war allein unglücklich für Kiel.

          Unglücklich im Elfmeterschießen war dann Marc Roca. Der Neuzugang, der mit Espanyol Barcelona in die zweite spanische Liga ab-, im Sommer aber überraschend zum Spieler des Champions-League-Siegers aufstieg, verschoss den sechsten Versuch der Münchner, während alle Kieler, zuletzt Bartels, erfolgreich waren. Erstmals seit 17 Jahren kassierten die Bayern im Pokal eine Niederlage gegen ein klassentieferes Team. 2004 scheiterten sie im Viertelfinale am damaligen Zweitligaverein Aachen. Zudem war es das erste Aus in der zweiten Runde seit über 20 Jahren. Damals jubelte Oberligaverein Magdeburg.

          „Natürlich ist das ein Schock, wir sind enorm enttäuscht“, sagte ein verärgerter Trainer Flick. „Im Moment ist das so ein Lauf, den wir haben. Wir müssen jetzt nach vorne schauen, wir müssen viel arbeiten. Es gibt auch keine Entschuldigung mehr.“ Flick nervte die chronische Abwehrschwäche: „Wir haben das ganz klar angesprochen, wir müssen die Zentrale, die Mitte absichern.“ Insgesamt haben die Münchner auf nationaler Ebene in dieser Saison in 18 Spielen 28 Gegentore kassiert. Das letzte Spiel hierzulande ohne Treffer des Kontrahenten datiert vom 24. Oktober, ein 5:0 gegen Eintracht Frankfurt. Nur in der Champions League gegen ein harmloses Lokomotive Moskau gab es noch ein 2:0 seitdem.

          Viel Zeit, um die Mängel im Training zu beheben, bleibt nicht. Das Programm im dicht gedrängten Corona-Spielplan sieht in der Regel pro Woche mehr als nur eine Partie vor. In der Bundesliga stehen bis Mai 19 Partien aus, in der Champions League geht es mit dem Achtelfinale gegen Lazio Rom im Februar weiter. Dazu kommt der Trip nach Qatar zur Klub-WM, bei der ein weiterer Titel gewonnen werden soll. Vier Termine, die die Münchner zuletzt immer regelmäßig einschließlich des DFB-Pokalfinales in Berlin hatten, entfallen nun aber. Darüber freuen wollte sich im Bayern-Lager allerdings niemand.

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