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FC Bayern gewinnt Supercup : „Es war ein herrliches Gefühl mit den Fans“

Die Bayern feiern: Beim Supercup-Triumph dürfen sogar einige Fans im Stadion mitmachen. Bild: Reuters

Mehr als 15.000 Zuschauer sehen den Münchner Sieg im Risikogebiet Budapest live im Stadion. Die Verantwortlichen des FC Bayern freuen sich über die Feier mit den Fans – und bedanken sich ausdrücklich bei der Uefa.

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          Zu Beginn seines 65. Geburtstag verteilte Karl-Heinz Rummenigge in der Nacht zum Freitag zunächst einmal selbst Glückwünsche an andere. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern stand in Budapest auf dem kleinen, schnell aufgebauten Podium auf dem Rasen der Puskás Aréna und schüttelte eifrig Hände. Das Finale um den europäischen Supercup zwischen dem Sieger der Champions League und dem der Europa League hatte sich zeitlich etwas gezogen. Erst nach einer guten halben Stunde Extrazeit stand der Sieger fest. Der FC Bayern besiegte den FC Sevilla mit 2:1 Toren nach Verlängerung.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Und so musste Rummenigge um kurz nach Mitternacht, anstatt auf seinen Ehrentag anzustoßen, erst einmal seinen Pflichten als Repräsentant seines Fußballklubs nachkommen. Er gratulierte erst Spielern und Trainern der Spanier für ihre starke Leistung, dann der eigenen Delegation für den Titelgewinn. Und nachdem auch der letzte Münchner den silbernen Pokal in Budapest jubelnd präsentiert hatte, richtete Rummenigge sein Wort noch an den Präsidenten der Europäischen Fußball-Union Uefa, die das Spiel trotz der hohen Corona-Infektionszahlen in der ungarischen Kapitale mit Zuschauern durchgezogen hatte.

          „Ich möchte mich bei der Uefa und ihrem Präsidenten Aleksander Čeferin für die professionelle Durchführung dieses Finales bedanken“, sagte Rummenigge in einer Mitteilung auf der Internetseite des Klubs. „Das war ein wichtiger Schritt zurück zur Fußballkultur, zu Emotionen und Atmosphäre im Stadion. Es war ein herrliches Gefühl, diesen Titel wieder mit unseren Fans zu feiern. Als ich nach dem Spiel in das Stadionrund geblickt habe, habe ich sehr viele glückliche Bayern-Fans gesehen.“ Nun wünsche er „allen unseren Fans eine sichere Heimreise“ und erinnerte noch einmal an die Möglichkeit, sich im Stadion in München nach der Rückkehr kostenlos auf den Coronavirus testen zu lassen.

          Das wird auch nötig sein. Denn alle, die aus dem Risikogebiet Budapest nach Bayern zurückkehren, müssen in eine 14 Tage lange Quarantäne. Aus der werden sie nur befreit, wenn sie einen negativen Test vorlegen können. In Ungarn geht die Zahl der Infektionen seit gut vier Wochen in die Höhe; in Budapest alleine gab es am Spieltag offiziell 8337 akute Corona-Fälle. Dennoch ging die Uefa nicht von ihrem Plan ab, die Partie zu einem Pilotprojekt für die Rückkehr von Fans ins Stadion zu machen, ab. Statt der anvisierten 20.000 Zuschauer wurden es letztlich 15.180, davon gut 1000 aus München.

          Nicht nur Rummenigge, auch andere aus dem Tross des FC Bayern, der die Zahl der Mitreisenden auf ein Minimum reduziert hatte, sparten sich Kritik. Trainer Hansi Flick war nicht nur ob des vierten Titels, den er in seinen nun knapp elf Monaten mit den Münchnern gewann, glücklich: „Es hat gutgetan, dass Fans wieder im Stadion waren“, sagte er. „Ich glaube, es hat auch gut geklappt. Ich hoffe, dass die Stadien bald wieder voll sein werden. Auch wenn man nicht weiß, wie lange es gehen wird. Aber es war ein schöner Moment für uns alle, als wieder einigermaßen Stimmung da war.“

          Extern hatte es schon im Vorfeld der Partie teils scharfe Kritik an der Austragung mit Fans zum aktuellen Zeitpunkt gegeben. Die riss nach dem Spiel nicht ab. Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes, sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Der Fußball scheint offenbar Narrenfreiheit zu genießen. Das ist kontraproduktiv und ein falsches Signal. Wenn die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr ihre Ferien im Ausland verbringen können, aber Bosse und Spieler des FC Bayern in Hochrisikogebiete fliegen, ist das ein verheerendes Zeichen.“ Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Budapest.

          „Ich möchte mich bei der Uefa und ihrem Präsidenten Aleksander Čeferin für die professionelle Durchführung dieses Finales bedanken“: Karl-Heinz Rummenigge
          „Ich möchte mich bei der Uefa und ihrem Präsidenten Aleksander Čeferin für die professionelle Durchführung dieses Finales bedanken“: Karl-Heinz Rummenigge : Bild: Picture-Alliance

          Uefa-Präsident Aleksander Ceferin hatte seinen „Testballon“ vor dem Spiel nochmals verteidigt und den Kritikern „politische Kampagnen“ vorgeworfen. „Glaubt nicht, dass wir das wegen des Geldes tun. Es kostet mehr, als wir einnehmen“, beteuerte der Slowene. Es sei „immer das Einfachste, nichts zu tun und abzuwarten. Dann machst du keine Fehler, aber dann bewegt sich auch nichts.“ Eine Entscheidung bezüglich der Fan-Rückkehr in den anderen europäischen Wettbewerben gebe es noch nicht, ergänzte Ceferin.

          Es war das erste Spiel des FC Bayern seit dem 8. März, bei dem Fans im Stadion zugelassen waren. In der Bundesliga gab es nach dem Neubeginn der vergangenen Saison nur Geisterspiele, beim 8:0-Start der neuen Spielzeit gegen Schalke war der Einlass kurzfristig untersagt wegen der Infektionszahlen in München. Die Triumphe in der Champions League und im DFB-Pokal holten die Münchner ebenfalls in leeren Stadien. In Deutschland wird der Klub, Stand jetzt, an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) bei der TSG Hoffenheim erstmals wieder vor Zuschauern spielen können.

          An diesem Freitag wird der FC Bayern nach Deutschland zurückkehren, am Samstag gibt es noch ein Training, ehe es schon wieder weitergeht mit dem Flugzeug Richtung Mannheim. Das ist der Takt, an den sich alle Beteiligten im gedrängten Corona-Spielplan gewöhnen müssen. Neben den Spielen in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und der im Oktober startenden Champions League wartet noch der nationale Supercup auf die Münchner. Am nächsten Mittwoch kommt Borussia Dortmund für das Duell nach Bayern – so die Corona-Zahlen nicht stark sinken aber wohl wieder vor leeren Rängen.

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