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Sieg im DFB-Pokalfinale : Bayern-Dominanz und ein komisches Gefühl

  • -Aktualisiert am

Ein starkes Stück: Goretzka, Gnabry, Kimmich, Boateng und Alaba (von links) feiern den DFB-Pokalsieg. Bild: EPA

Die Münchner krönen ihre imposante Serie seit der Beförderung von Hansi Flick und werden auch Pokalsieger. Dennoch ist nicht alles wie immer. Und den Bayern bleibt nur ein kurzer Urlaub nach der Feier von Berlin.

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          Die Begrüßung fiel herzlich aus, so als würde David Alaba einen alten Freund in die Arme schließen. Seit dem letzten Treffen war ja auch schon wieder mehr als ein Jahr vergangen, entsprechend begeistert zog der Abwehrspieler des FC Bayern den DFB-Pokal an sich. Wer Alaba und Kollegen beobachtete an diesem späten Juliabend im Berliner Olympiastadion, wie sie die Trophäe herzten und umtanzten, der hätte auf die Idee kommen können, es handle sich um ein lang ersehntes Wiedersehen und nicht um bloße Routine.

          DFB-Pokal

          Zum fünften Mal in den vergangenen acht Jahren hat der FC Bayern den Pokal gewonnen, wieder war es deutlich, 4:2 gegen Bayer Leverkusen. Pure Dominanz, vor allem in der ersten Halbzeit. Im Grunde war das Spiel da schon entschieden. Alaba (16.) und Serge Gnabry (24.) hatten die Münchner Überlegenheit in Tore gemünzt, spätestens nach dem 3:0 durch Robert Lewandowski (59.) galt die Titelverteidigung als sicher.

          Leverkusen fand erst nach dem deutlichen Rückstand besser ins Spiel, nach dem Anschlusstreffer von Sven Bender (59.) kam noch einmal Hoffnung auf, aber Lewandowski (89.) zerstörte alle Illusionen in der Schlussphase. Kai Havertz traf per Elfmeter noch zum Endstand (90.+5). Die Bayern feierten im fast leeren Stadion. Ein komisches Gefühl, wie Thomas Müller zugab. „Ich habe gerade schon eine nachdenkliche Minute gehabt, ohne Fans ist das einfach nicht das Gleiche“, sagte Müller.

          Es hätte auch nicht zur aktuellen Form der Bayern gepasst, einen solchen Vorsprung noch aus der Hand zu geben. Einundzwanzig Mal haben sie in diesem Kalenderjahr gewonnen, bei 22 Pflichtspielen. Eine beeindruckende Serie, die mit der Beförderung von Hansi Flick vom Kotrainer zum Chefcoach ihren Anfang nahm. Flick kümmerte sich zuerst um interne Klima, was auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge noch mal ausdrücklich lobte. „Er hat die Empathie in die Mannschaft zurückgebracht, das Ergebnis sieht man jetzt“, sagte Rummenigge.

          Besonders empathisch ging Flick mit Thomas Müller und Jerome Boateng um, die unter seinem Vorgänger Niko Kovac weniger gut gelittenen waren. Beide gehören inzwischen wieder zu den herausragenden Spielern, mit David Alaba, der in seiner Karriere schon sehr viele Positionen bekleidet hat, aber erst jetzt in der Innenverteidigung, wo Flick ihn kontinuierlich spielen lässt, seine Bestimmung gefunden zu haben scheint.

          „Weltklasse“ sei der Österreicher im Abwehrzentrum, lobte Alabas einstiger Mitspieler Bastian Schweinsteiger. Gründe, dessen Einschätzung in Abrede zu stellen, bot der Gepriesene gegen Leverkusen keine, im Gegenteil. Sein Freistoßtor war ein Abbild der Münchner und seiner eigenen Rückrunde, nahezu perfekt. Dabei war der Plan eigentlich ein anderer gewesen. „Wir wollten eigentlich was anderes versuchen, aber ich habe mich dann umentschieden, Gott sei Dank ist es gut gegangen“, sagte Alaba, dem zuerst der Sinn nach einem Querpass stand.

          Alaba ist eine der wenigen ungeklärten Personalien, mit der der Klub in die kommende vierwöchige Wettkampfpause geht. Dreizehn Tage Urlaub bleiben den Profis, dann beginnt die Vorbereitung auf das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Chelsea Anfang August. Nach dem 3:0 aus dem Hinspiel stehen die Chancen auf eine Teilnahme am Finalturnier gut. „Wir wollen auch im dritten Wettbewerb erfolgreich sein“, sagte Rummenigge.

          In den vergangenen Tagen und Wochen haben die Verantwortlichen um Rummenigge und Sportvorstand Hasan Salihamidzic wichtige Personalentscheidungen getroffen, die die nationale Hegemonialstellung des Klubs weiter ausbauen sollen. Von Manchester City kommt Leroy Sané, aus Paris der talentierte Verteidiger Tanguy Kouassi. Verträge mit wichtigen Spielern wie Manuel Neuer oder Thomas Müller wurden verlängert.

          Lange sah es so aus, als könnte der Klub jeden gewünschten Spieler behalten, aber das hat sich inzwischen geändert. Thiago Alcantara zieht es nach sieben Jahren vermutlich fort, der Spanier wird mit dem FC Liverpool in Verbindung gebracht. Auch mit Alaba ziehen sich die Verhandlungen. Der Vertrag des Österreichers läuft nach der kommenden Saison aus, kürzlich wechselte er den Berater. Es geht um Geld. Alaba ist 28 Jahre alt, zum Ende seiner Karriere möchte er nochmal einen hochdotierten Vertrag unterschreiben.

          Dass die finanziellen Mittel auch beim FC Bayern nach der coronabedingten Auszeit nicht unbegrenzt sind, deutete Rummenigge rund ums Pokalfinale an. Nach dem Transfer von Sané, der mit Bonuszahlungen über 50 Millionen Euro kosten könnte, schloss er eine Verpflichtung von Havertz in diesem Sommer aus, da sie finanziell nicht darstellbar wäre. Der umworbene Leverkusener steht vor einem Wechsel ins Ausland. Laut verschiedener Medienberichte gilt der FC Chelsea, der kürzlich Timo Werner nach London lockte, als Favorit im Werben um den 21-Jährigen.

          Fragen nach seiner Zukunft wich Alaba unmittelbar nach dem Spiel aus. Er wolle jetzt einfach nur feiern, sagte er im Fernsehinterview und verschwand Richtung Siegerehrung. Dorthin, wohin der Pokal auf ihn wartete.  

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