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Aus des früheren Weltmeisters : Die Bayern drängen Boateng zum Abschied

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Sein letzter Auftritt mit den Bayern? Jerome Boateng nach dem Pokalfinale in Berlin. Bild: Picture-Alliance

Viel deutlicher als in Berlin beim Pokalsieg des FC Bayern kann Jérôme Boateng kaum zeigen, dass er mit den Münchnern abgeschlossen hat. Nun gibt es deutliche Worte von Präsident Uli Hoeneß an den früheren Weltmeister.

          Der FC Bayern München und Jérôme Boateng werden wohl bald getrennte Wege gehen. Bei den Feierlichkeiten zum Gewinn des zwölften Doubles des deutschen Fußball-Rekordmeisters riet Präsident Uli Hoeneß dem unzufriedenen Innenverteidiger am Sonntag trotz des bis ins Jahr 2021 laufenden Vertrages zu einem vorzeitigen Wechsel. „Im Moment wirkt er wie ein Fremdkörper. Ich würde ihm als Freund empfehlen, sich einen neuen Verein zu suchen“, sagte Hoeneß.

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          Boateng spielt seit 2011 für den FC Bayern. Mit seiner Rolle als Ergänzungsspieler unter Trainer Niko Kovac ist der 30-Jährige äußerst unzufrieden. „Ich glaube, für ihn wäre es vielleicht besser, wenn er mal eine andere Luft genießen würde. Ich würde ihm raten, den FC Bayern zu verlassen“, sagte Hoeneß in München deutlich. Ob Boateng den Verein verlasse, könne er nicht seriös voraussagen, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag. „Wenn er sich für eine Luftveränderung entscheiden sollte, findet man eine seriöse und faire Lösung.“

          Im vergangenen Sommer wäre Boateng fast bei Paris Saint-Germain gelandet. Er blieb dann aber auf Wunsch von Trainer Niko Kovac doch ein weiteres Jahr beim deutschen Rekordchampion. Jetzt muss eine Lösung gefunden werden, wie und wo es für den noch bis 2021 an die Münchner gebundenen Boateng weitergeht. Wenn ein Topklub aus dem Ausland in diesem Sommer genügend Geld offeriert, ist die Zeit des früheren Nationalspielers nach acht Jahren beim FC Bayern vorbei. Er hat neben der Champions League (2013) siebenmal die Meisterschaft sowie viermal den Pokal gewonnen.

          Die begeisterten Jubelszenen der Bayern-Profis mit dem DFB-Pokal am Samstagabend in der Fankurve des Berliner Olympiastadions hatte Boateng ausgelassen. Der Verteidiger verdrückte sich nach dem 3:0 im Endspiel gegen RB Leipzig rasch in die Katakomben. Damit gab er ein weiteres Signal, dass seine Zeit beim FC Bayern zu Ende geht. Innerlich hat er wohl bereits abgeschlossen. Bereits während der teilweise packenden Begegnung mit RB saß Boateng bisweilen scheinbar unbeteiligt und emotionslos auf der Bank. Während seine Kollegen immer wieder aufsprangen undmitfieberten, schien Boateng all das nichts mehr anzugehen.

          Schon die Meisterfeier der Kollegen vor einer Woche hatte er im Stadion kickenderweise mit seinen Töchtern am Rande miterlebt. Bei der internen Party fehlte er anschließend entschuldigt. Viel deutlicher, als es der Innenverteidiger in Berlin tat, kann man dem Arbeitgeber nicht mitteilen, dass man keine Lust mehr auf ihn hat. Den Eindruck vermittelten auch die TV-Bilder, die den 30-Jährigen mit verschränkten Armen und teilnahmsloser Miene auf der Bank zeigten.

          „Bei Bayern München, meine Situation, wie sehe ich die?“, hatte Boateng in den Tagen vor dem Endspiel gefragt – und sich die ehrliche Antwort selbst gegeben: „Es ist glaube ich für beide Seiten nicht die optimale Saison gewesen.“ In den Top-Begegnungen ließ Trainer Niko Kovac den gebürtigen Berliner, der im März seinen Platz in der Nationalmannschaft verloren hatte, links liegen. Er hätte sich gewünscht, dass er „in den wichtigen Spielen mehr gespielt hätte“, sagte Boateng. Nun stehen die Zeichen auf Trennung – im Unfrieden? „Ich war immer ein Spieler, der beim FC Bayern in den wichtigen Spielen da war“, sagte Boateng schon vor dem Finale in Berlin, „deswegen habe ich überhaupt keine Bedenken, dass mir da irgendwas nachgesagt wird.“

          Hoeneß hielt sich bei den Spekulationen um einen Transfer von Leroy Sané von Manchester City zurück. Rummenigge warb um den 23 Jahre alten Nationalspieler. „Man darf nicht vergessen: Er hat einen Zweijahresvertrag, und Manchester City ist kein Verein, der wegen Bedürftigkeit Spieler verkaufen muss. Es wird schwierig“, sagte Rummenigge. „Wichtig ist, dass der Spieler überzeugt sein muss, dass er mit Bayern München einen Club hat, wo er Spaß und Laune hat, Fußball zu spielen.“ Es sei in München eine interessante Aufgabe, in der Nachfolge von Flügelspielern wie Arjen Robben und Franck Ribéry aufzulaufen. „Das würde mich als Spieler immer reizen“, sagte Rummenigge.

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