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Pokal-Halbfinale : Wenn Adis Stollen zu Badelatschen werden

  • -Aktualisiert am

Fotobeweis: Philipp Lahm trug keine Badelatschen beim Elfmeter Bild: dpa

Am Ende ging es nur noch um die Elfmeter. In Slapstick-Manier hat sich Bayern München im finalen Ausschießen aus dem DFB-Pokal verabschiedet. Jürgen Klopp sprintet derweil selbst ohne Stollenschuhe sicher über den Rasen.

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          Mit dem Sprint, den Jürgen Klopp am Ende hinlegte, hätte er es locker mit Pierre-Emerick Aubameyang aufnehmen können, zumindest in diesem Moment wäre der schnellste Profi von Borussia Dortmund vermutlich nicht mehr in der Lage gewesen, seinem Trainer zu folgen. Während die Spieler ihre letzten Energien nach 120 Minuten und einem Elfmeterschießen herausholten, um die finale und schönste Etappe dieses Pokalabends zu bewältigen, sauste Klopp vorbei an seinem konsternierten Kollegen vom FC Bayern, Pep Guardiola, und mitten hinein in die schwarz-gelbe Partygesellschaft - und er war dabei nie in Gefahr auszurutschen. Das muss nach dieser denkwürdigen Abend mit der Münchner Rutschpartie am Ende einmal betont werden.

          Die Dortmunder waren nach zwei bitteren Endspiel-Niederlagen gegen den Rivalen aus München in den vergangenen beiden Jahren in diesem Pokal-Halbfinale der glückliche Sieger, aber vor allem der standfestere zweier Rivalen. Mit einem 3:1 nach Elfmeterschießen zogen sie zum siebten Mal  ins Finale des DFB-Pokals ein.

          Elfmeter für die Ewigkeit

          Wenn Bayern auf Dortmund trifft, gibt es immer viele Geschichten zu erzählen. Aber das Duell am Dienstagabend wird nicht so sehr geprägt von Robert Lewandowskis Führungstor (29.) oder den Ausgleich durch Aubameyang (75.), auch nicht von den Paraden der Torhüter Manuel Neuer und Mitchell Langerak oder der Gelb-Roten Karte für Kevin Kampl in der Verlängerung, sondern vor allem von den   Elfmetern. Den nicht gegebenen und den am Ende des Spiels, um den Sieger zu ermitteln.

          Und so sah Mitch Langerak Lahms Einlage Bilderstrecke

          Von den 15 Elfmetern, die der FC Bayern in dieser Saison bis zum Pokal-Halbfinale geschossen hatte, waren 14 im Tor gelandet, nur Robert Lewandowski verschoss einmal. Gegen Dortmund traten die Münchner vier Mal an und trafen nicht einmal ins Tor. Genaugenommen trafen sie sogar nur anderthalb mal aufs Tor.

          Müller sah keine Badelatschen

          Kapitän Philipp Lahm hatte sich als erster Schütze die rechte Ecke ausgesucht, rutschte aber aus und der Ball flog über das Tor. Xabi Alonso entschied sich für die gleiche Seite – und rutschte ebenfalls aus. Draußen stand der bereits ausgewechselte Thomas Müller und wunderte sich über die fehlende Standfestigkeit der Kollegen. „Die Spieler haben ja keine Badelatschen getragen sondern Stollenschuhe.“ Wäre ja auch ein komisches Signal an den angeblich künftig noch deutlich zahlungsfreudigeren Ausrüster aus Herzogenaurach, wenn die Spieler Adiletten getragen hätten statt die Nachfolger des einst von Adi Dassler entwickelten Schraubstollenschuhs.

          Als die vermeintlichen Bademeister abgetreten und Gündogan und Kehl zwischenzeitlich für Dortmund getroffen hatten, kam Mario Götze. Er lief sichtlich beeindruckt von den Rutschpartien seiner Mannschaftskameraden sehr vorsichtig an, blieb aber immerhin stehen und traf sogar das Tor. Den Schuss parierte Mitchell Langerak indes, der an diesem Abend eine schöne Serie fortschrieb. Immer wenn er gegen die Bayern im Tor stand, gewann seine Mannschaft.

          Weil sich die Westfalen nach den ersten beiden erfolgreichen Elfmetern durch Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl auch einen Fehlschuss erlaubten – Mats Hummels scheiterte an Neuer – durfte noch ein vierter Münchner Schütze ran. Der Torwart selbst trat an, wie im Champions-League-Finale 2012 daheim, damals hatte er getroffen, dieses Mal war ein einziger Erfolg, dass er ebenfalls nicht wegrutschte. Der Ball hingegen landete an der Querlatte und der FC Bayern war draußen. „Wenn man die ersten beiden verschießt, ist es schwer, noch zu gewinnen“, stellte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc fest.

          Bayern hadern mit dem Schiedsrichter

          Genau genommen hätten die Bayern aber einen Strafstoß in der regulären Spielzeit und einen kurz vor Ende der Verlängerung bekommen müssen. In der 56. Minute hatte Marcel Schmelzer mit der Hand Müllers Pass unterbunden. Am Spielfeldrand protestierten Guardiola und Sportvorstand Matthias Sammer  erhitzt, aber erfolglos. Sogar Neuer am anderen Ende des Spielfeldes hatte das Handspiel  gesehen, behauptete dieser jedenfalls. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge empfahl dem Schiedsrichter-Gespann später gar den Besuch bei einem Optiker.

          In der 116. Minute dann die nächste Aufregung, als Dortmunds Torhüter Robert Lewandowski, oder besser dessen Kopf, ziemlich unsanft wegboxte, um an einen hohen Ball zu kommen. Auch dieses Mal blieb der Pfiff aus.Der Pole schleppte sich nach kurzer Behandlung die letzten Minuten über den Rasen. Für Neuer war auch das freilich im Nachhinein keine geklaute Torgelegenheit, als er die später unter Beweis gestellte Unfähigkeit bei Strafstößen ins Kalkül zog: „Wir haben heute beim Elfmeterschießen kein Glück gehabt, insofern hätte es sowieso nicht funktioniert.“

          Die Bayern verloren noch mehr als das Spiel und damit die Chance, das Triple von 2013 zu wiederholen. Lewandowski erlitt bei der Szene kurz vor Schluss eine Gehirnerschütterung und mehrere Brüche im Gesicht, und Arjen Robben verletzte sich in der 82. Minute ohne Einwirkung des Gegners an der Wade - die Saison ist für ihn wegen eines Muskelbündelrisses beendet. Der Niederländer war erst in 68. Minute eingewechselt worden, nach gut fünfwöchiger Pause wegen eines Muskelrisses im Bauch. Es war eben einfach nicht der Tag des FC Bayern.

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