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FC-Bayern-Bezwinger im Pokal : Der Unruhestifter von Holstein Kiel

  • -Aktualisiert am

Antreiber: Fin Bartels traf die Bayern entscheidend. Bild: Picture-Alliance

Als großer Außenseiter hat Holstein Kiel im DFB-Pokal dem FC Bayern aus dem Weg geräumt. Nun steht der Zweitligaklub im Viertelfinale und träumt von mehr – zurecht?

          2 Min.

          Es sieht nach purer Spielfreude aus, wenn Fin Bartels mit dem Ball am Fuß Haken durch die gegnerische Abwehr schlägt. Als harte Arbeit empfindet der 34 Jahre alte Profi seinen Broterwerb sowieso nicht – hat er womöglich nie. „Ich genieße es einfach, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen“, sagt Bartels.

          DFB-Pokal

          Dass er es genießen kann, Fußball zu spielen, liegt nicht nur an der privilegierten Situation, in der sich sein Verein befindet. Holstein Kiel ist Aufstiegskandidat in die Bundesliga, dort wird seit Jahren ruhig und konzentriert gearbeitet, und dass an diesem Mittwoch das Halbfinale im DFB-Pokal ruft, wenn Bartels’ Team im Viertelfinale bei RW Essen antritt (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky), hat sich Holstein durch die Siege im Elfmeterschießen gegen Bayern und Darmstadt verdient. Doch bei Bartels speist sich der Genuss auch aus den Leiden der Vergangenheit. Vom Dezember 2017 bis Mai 2020 fiel er mehr oder weniger komplett aus. Achillessehnen-Riss, muskuläre Probleme, eine Knie-Operation: seine 2014 beginnenden Bremer Jahre waren überschattet von Verletzungen. Deswegen ging es bei Werder auch nicht weiter für den flinken Außenstürmer.

          Der Plan ist aufgegangen

          In Kiel gingen Trainer Ole Werner und Sportchef Uwe Stöver angesichts der langen Leidenszeit ins Risiko, als sie Bartels im Sommer 2020 holten. Anderseits hatte er in den letzten Spielen für Werder bewiesen, dass mit ihm zu rechnen sei. Routine in der Offensive konnte die junge Kieler Mannschaft gebrauchen. Zudem ist Bartels als gebürtiger Kieler in örtlichen Klubs sozialisiert, hat selbst schon bei Holstein in der Regionalliga gespielt und die Entwicklung des Vereins verfolgt.

          Der Plan ist aufgegangen. Vier Tore, sechs Vorlagen, vorn immer anspielbar, ist er zudem einer, der im Alltag für gute Laune sorgt und den Fußball nicht wichtiger nimmt, als er ist: Dieser Fin Bartels liefert in diesen Zeiten mehr, als es sich an Statistiken ablesen lässt. Und er hat als Vater dreier Kinder einen Blick darauf, welche Herausforderungen Familien in Zeiten der Pandemie zu stemmen haben.

          Insgesamt hat Trainer Werner das Kieler Spiel von aufregend-offensiv auf defensiv-wachsam umgestellt – Holstein hat die beste Abwehr der zweiten Liga. An ihr hatten sich die Bayern im Januar beim Pokal-Aus im Schneegestöber die Zähne ausgebissen. Seinerzeit hatte Bartels durch sein Tor und den Treffer im Elfmeterschießen für Ausrufezeichen gesorgt und gezeigt, wie ein einziger Spieler in Umschaltmomenten eine Abwehr aushebeln kann – wenn er schnell, gewandt und gut im Abschluss ist. Die grauen Haare und das wuselige Dribbling sind seit Jahren seine Markenzeichen.

          Nun ist es in der handballverrückten Heimatstadt zum Ende der Laufbahn noch mal richtig schön geworden. Dass Fin Bartels nicht Ballwerfer wurde wie sein Opa Kurt, der mit dem THW Kiel dreimal deutscher Meister wurde, liegt daran, dass er zu kleine Hände habe, sagt Bartels. Seine 176 Zentimeter Körperlänge passen auch wesentlich besser zum Fußball. Wenn es so weitergeht, könnte Fin Bartels Historisches erreichen: mithelfen, dass die KSV Holstein der erste Bundesliga-Klub aus Schleswig-Holstein wird.

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