https://www.faz.net/-gtl-a3qeo

2:1 gegen FC Sevilla : „Super-Bayern“ gewinnen Supercup im Risikogebiet

Freude über den Ausgleich: Leon Goretzka und die Bayern jubeln. Bild: AFP

Der FC Bayern fügt seiner Vereinshistorie einen weiteren Pokal zu. Nach dem Triple in der vergangenen Saison holen die Münchener auch den Uefa-Supercup. Gegen den FC Sevilla fällt das entscheidende Tor in der Verlängerung.

          3 Min.

          Einen Monat nach dem Gewinn der Champions League in Lissabon kehren die Bayern an diesem Freitag wieder mit ein paar Kilo glänzenden Metalls heim nach München, diesmal aus Budapest, mit dem vergleichsweise unbedeutenden Uefa-Supercup im Gepäck. Im Duell der beiden europäischen Champions der erst im August beendeten Saison setzte sich der deutsche Rekordmeister nach zähem Kampf und Verlängerung gegen den Europa-League-Sieger FC Sevilla 2:1 durch. Den Rückstand durch einen Foulelfmeter von Lucas Ocampos (13. Minute) glich Leon Goretzka (34.) aus, ehe der kurz zuvor eingewechselte Javi Martinez in seinem vielleicht letzten Spiel für die Bayern das Siegtor erzielte (104.).

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die nach dem größten ungarischen Fußballer benannte Puskas-Arena in Budapest sollte den Planungen der Uefa und der lokalen Behörden zufolge zu einem Viertel besetzt sein, doch obwohl wegen der geringen Nachfrage der Fans aus Deutschland und Spanien das mögliche Maximum von 15.000 Menschen kaum erreicht wurde, wirkten die Zuschauer auf den Rängen während der zweiten Corona-Welle seltsam deplaziert.

          Allenthalben hatte sich vor dem Anpfiff Unverständnis darüber gezeigt, dass man in Ungarn von dem Plan, Zuschauer zuzulassen, trotz alarmierender Infektionszahlen nicht abgehen wollte. Auch Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte bei sich in diesem Zusammenhang „Bauchschmerzen“ diagnostiziert, und am Vorabend seines 65. Geburtstags dürften diese nach elf Spielminuten noch zugenommen haben, diesmal bedingt durch den Spielverlauf.

          1:0 für Sevilla: Ocampós schickt Manuel Neuer in die falsche Ecke.
          1:0 für Sevilla: Ocampós schickt Manuel Neuer in die falsche Ecke. : Bild: dpa

          Am eigenen Fünfmeterraum konnte Niklas Süle nicht verhindern, dass Luuk de Jong eine Flanke per Kopf auf den aus dem Rückraum heranspurtenden Ivan Rakitic verlängerte. Der Kroate legte sich den Ball mit der Brust zum Volleyschuss aus sieben Metern vor, wurde aber vor dem Abschluss durch einen heftigen Rempler David Alabas zu Boden gebracht. Der englische Schiedsrichter Anthony Taylor gab Foulelfmeter, den Ocampos sicher verwandelte. Es war das erste Mal seit fast vier Monaten, seit einem frühen Gegentor beim 4:2-Sieg in Leverkusen, dass die Bayern in Rückstand gerieten.

          Nach dem 8:0-Freispiel am Freitag, als die Schalker ihnen statt einer Abwehr eine Schießbude entgegengestellt hatten, war den Bayern spätestens jetzt klar, dass sie von diesem Gegner ganz anders gefordert würden. Sevilla zeigte sich ballsicher und ließ den Bayern mit kompakter Defensive nur wenig Spielraum. Es dauerte bis zur 22. Minute, bis der Champions-League-Sieger seine erste Torchance herausspielen konnte. Robert Lewandowski fand mit einer flachen Hereingabe Thomas Müller, doch dessen Direktabnahme wurde am Fünfmeterraum durch Jules Koundé ins Toraus abgelenkt.

          Vier Minuten später verfehlte Benjamin Pavard mit einem Diagonalschuss knapp das lange Eck. Und abermals vier Minuten danach kam Lewandowski nach einem langen Schlag von Torwart Manuel Neuer in Schussposition, scheiterte jedoch mit einem schwachen Lupfer an Torwart Bono. Besser geriet die Arbeit des Torjägers dann beim überfälligen Ausgleich, das Ergebnis einer kunstvollen Kombination. Müller schlenzte den Ball per Außenrist aus dem Halbfeld auf Lewandowski, der ihn im Strafraum nach hinten prallen ließ, präzise in den Lauf des aus dem Rückraum nachsetzenden Goretzka, der mit überlegtem Direktschuss ins linke Eck traf.

          Matchwinner Neuer

          Wenige Sekunden nach der Pause war Neuer erstmals ernsthaft gefordert, mit guter Parade verhinderte er den abermaligen Rückstand nach einer Direktabnahme von de Jong. Auf der Gegenseite traf Lewandowski nach einem hübschen Pingpong mit Müller, doch zeigte der VAR-Check, dass er beim ersten Zuspiel knapp im Abseits gestanden hatte. Nach 63 Minuten landete auch ein Schuss des bis dahin kaum sichtbaren Leroy Sané im Tor, doch wurde der Treffer wegen eines angeblichen Fouls von Lewandowski annulliert, eine fragwürdige Entscheidung.

          15:2 Torschüsse standen kurz vor Ende der regulären Spielzeit zugunsten der Bayern zu Buche, doch dann waren es die Spanier, die um ein Haar mit der letzten Attacke der regulären Spielzeit das Spiel entschieden hätten. Eine Bayern-Ecke mündete in einen Konter, bei dem Youssef En-Nesyri allein vor Neuer auftauchte, jedoch an dessen schneller Reaktion scheiterte. Die dadurch erzwungene Verlängerung begann mit einem noch größeren Gefahrenmoment für den Favoriten, wieder durch En-Nesyri, dessen Schuss von Neuers Ferse an den Pfosten sprang.

          Doch dann kam Javi Martinez, der stets verlässliche spanische Veteran. Nach einem schlecht abgewehrten Eckball köpfte er das Siegtor. Er hatte auch 2013 beim bisher einzigen europäischen Supercup-Triumph eines deutschen Teams den letztlich entscheidenden Treffer erzielt, den Ausgleich in der 120. Minute, mit dem die Bayern sich ins Elfmeterschießen retteten. Fast ungläubig lächelnd schaute der Torschütze in den Himmel über Budapest – ehe er nach acht bayrischen Jahren als zweifacher Triple- und zweifacher Uefa-Supercup-Sieger wohl zurückkehren wird in seine baskische Heimat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Hauptsache, der Riesling fließt

          Die Weinernte dieses Jahr wird wohl unterdurchschnittlich, aber besser als letztes Jahr. Wie die Erntemengen schwankt auch der Geschmack der deutschen Weintrinker – einer Sorte aber bleiben sie seit Jahren treu.
          Aufgebracht: Wieder haben Frauen in Warschau gegen die Verschärfung des Abtreibungsverbots demonstriert.

          Abtreibungsgesetz in Polen : „Die Revolution ist eine Frau“

          In Polen demonstrieren Tausende seit Tagen gegen das verschärfte Abtreibungsgesetz. Der Protest reicht sogar bis in die Gottesdienste. Welche Lager stehen einander hier gegenüber?
          Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, im Gerichtssaal im August.

          Bushido im Abou-Chaker-Prozess : „Ich habe meine Frau geschlagen“

          Beim Prozess gegen Arafat Abou-Chaker wird Bushido vor Gericht persönlich: Er habe im Streit zwischen Abou-Chaker und seiner Frau die „dümmste Entscheidung“ seines Lebens getroffen. Auch den anschließenden Tiefpunkt schildert er.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.