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FC Bayern gewinnt Klub-WM : Aller guten Dinge sind fünf

Er stößt das Tor zum Titel weit auf: Dante schießt das 1:0 Bild: dpa

Der FC Bayern besiegt Raja Casablanca im Klub-WM-Finale leicht und locker 2:0 und holt sich auch den letzten Titel des Jahres. Dante und Thiago treffen.

          Sechsundfünfzig Pflichtspiele haben die Bayern in diesem Jahr absolviert. Was die Atmosphäre betrifft, waren längst nicht alle so außergewöhnlich wie das letzte. Über die Fans von Raja Casablanca heißt es, dass sie zu den leidenschaftlichsten in ganz Afrika gehören. Und so war für diese einigermaßen überraschend zustande gekommene Finalbegegnung bei der Klub-Weltmeisterschaft ein besonderer Zauber erwartet worden.

          „Wir müssen“, hatte der Münchner Trainer Pep Guardiola gesagt, „gegen ganz Marokko spielen.“ Und wenn man am Nachmittag durch die Straßen und Gassen von Marrakesch ging, konnte man diesen Eindruck schon gewinnen: Grün-weiß war die alles dominierende Farbe, und wer nicht zum Fußball, sondern zum (Vor-)Weihnachtsurlaub in die Stadt gekommen war, musste sich den Verhältnissen fügen.

          Im Stadion allerdings bot sich nicht allzu viel Spielraum für marokkanische Leidenschaft – am ehesten noch, als König Mohammed VI., seine Aufwartung machte und vor dem Anpfiff in Begleitung von Fifa-Chef Joseph Blatter die Spieler begrüßte.

          Ein Klassenunterschied im Finale

          Als der Ball rollte, steuerten die Münchner vor 37.774 Zuschauern aber ziemlich rasch und wie selbstverständlich die erwarteten Verhältnisse beim Ergebnis an. Nach dem 2:0 durch die Tore von Dante (7. Minute) und Thiago (22.) dürfen sich die Bayern nicht nur deutscher Meister, deutscher Pokalsieger, Champions-League-Gewinner und europäischer Supercupsieger 2013 nennen, sondern auch Weltmeister – als erster deutscher Klub, seit der Internationale Fußball-Verband (Fifa) den Wettbewerb in diese Turnierform gebracht hat.

          Oben links geht Dantes Ball ins Netz: Casablancas Khalid Askri ohne Abwehrchance Bilderstrecke

          Sowohl die imposante Titelsammlung als auch die Tatsache, dass sie im Jahr nur drei Pflichtspiele verloren, verdeutlichen die Ausnahmestellung, die die aktuelle Bayern-Generation auch gegenüber früheren eingenommen hat. Dass sie zum dritten Mal nach 1976 und 2001 eine Welt-Trophäe mit nach Hause brachten, war allerdings kein großes Kunststück mehr.

          Es bestand ein Klassenunterschied zwischen den Dominatoren des deutschen und europäischen Fußballs und dem überforderten marokkanischen Meister. Der hatte sich nicht als Kontinental-Champion qualifiziert, sondern war als Vertreter des Gastgeberlandes geladen. Und so war es zwar aller Ehren wert, wie Raja nacheinander Auckland, Monterrey und die Brasilianer von Atletico Mineiro ausgeschaltet hatte. Im Finale allerdings war Casablanca – wie allgemein vermutet, aber von den Münchnern und allen voran ihrem Trainer Guardiola hartnäckig geleugnet – beim besten Willen kein Gegner, der den Bayern gefährlich werden konnte.

          Für diejenigen, die in der Klub-WM einen Wettbewerb von fraglichem sportlichem Wert sehen, war es Wasser auf die Mühlen, wie einseitig diese Partie verlief. Den Bayern konnte es egal sein. Sie waren auch in strategischer Mission unterwegs: Anders als in Europa genießt die WM auf anderen Kontinenten und Märkten durchaus Renommee. Und so haben die Münchner ohne große Anstrengung weltweite Werbung in eigener Sache betrieben. Auch wenn sie die zweite Hälfte etwas verhalten spielten und kurz vor Schluss bei einer Doppel-Chance durch Mabidé und Metouali der Afrikaner fast ein Gegentor hätten hinnehmen müssen (84.).

          Die Bundesliga ist den Bayern zu klein geworden

          So, wie die Dinge im Moment stehen, wäre es vielleicht ohnehin eine Überlegung wert, demnächst als allseits bestaunte Attraktion durch die Weltgeschichte zu reisen. Der Bundesliga jedenfalls scheinen die Münchner eine Nummer zu groß geworden zu sein. Noch bevor sie am Samstag im Stadion von Marrakesch ankamen, empfingen sie die frohe Botschaft aus der Heimat, dass die vermeintliche Konkurrenz ihnen den Weg zu weiteren nationalen Ehren noch ein Stückchen freier gemacht hatte. Nach den Niederlagen von Dortmund und Leverkusen gehen die Bayern mit einem Vorsprung von sieben beziehungsweise zwölf Punkten gegenüber der Konkurrenz in die Winterpause – und können selbst noch in der wegen der Klub-WM verlegten Partie gegen Stuttgart nachlegen.

          Nach einer anfänglichen Phase der Orientierung und gegenseitigen Gewöhnung ist somit auch das Ergebnis des Trainerwechsels von Jupp Heynckes zu Guardiola einigermaßen eindrucksvoll. Dass es der katalanisch-bayerischen Liaison nicht an Ehrgeiz mangelt, ist längst bewiesen – wie ernsthaft Guardiola die Klub-WM anging, illustrierte das noch einmal. Eine spannende Frage allerdings bleibt noch für 2014: Wie robust sich die umfangreichen Innovationen erweisen, wenn es gegen europäische Gegner von Format geht.

          Klub-WM, Finale in Marrakesch

          Bayern München - Raja Casablanca 2:0 (2:0)
          Bayern München: Neuer - Rafinha, Dante, Boateng, Alaba - Lahm - Shaqiri (80. Götze), Kroos (60. Javi Martínez), Thiago, Ribéry - Müller (76. Mandzukic)
          Raja Casablanca: Askri - el Hachimi, Benlamalem, Oulhaj, Karrouchy - Erraki - Hafidi (88. Kachani), Moutaouali, Chtibi (50. Mabide) - Iajour (78. Soulaimani), Guehi
          Schiedsrichter: Ricci (Brasilien)
          Zuschauer: 37 774 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Dante (7.), 2:0 Thiago (22.)
          Gelbe Karten: - / Oulhaj, Soulaimani

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