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FC Bayern : Die Entdeckung der Leichtigkeit

Es ist nicht so, dass man Guardiola die Last und Intensität der Arbeit nicht ansieht Bild: dpa

Pep Guardiola hat den FC Bayern neu erfunden. Auf seiner Suche nach Perfektion fordert der Trainer Mut von den Spielern. Dabei ist seine Autorität frei von autoritärem Gehabe.

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          Ein Trainer ist nicht für die Spannung der Zuschauer zuständig. Nur für die der Spieler. Der spannendste Moment bei Spielen des FC Bayern findet deshalb nicht in den neunzig Minuten nach Anpfiff statt. Sondern kurz vor der Abfahrt ins Stadion. Dann nämlich gibt Pep Guardiola seine Wahl bekannt. Sie zu treffen, „ist nicht einfach für ihn“, weiß Bastian Schweinsteiger. Aber natürlich hätte jeder andere Trainer dieses Problem gern: die Frage, welche Nationalspieler diesmal auf der Bank bleiben müssen. „Wir wissen nie, wie der Trainer aufstellt“, sagt Thomas Müller. „In unserem Kader sind viele Varianten möglich.“

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Nur eine Variante nicht, jedenfalls bisher: dass Guardiola dabei irgendetwas falsch macht. Was hatte man dem Mann, blickt man ein halbes Jahr zurück, nicht für Probleme prophezeit: auf der Bank murrende Stars, das Team überfordernde Positionswechsel, das schwierige neue System, die Tücken der neuen Sprache, die fragile Motivation eines Teams, das alles Menschenmögliche gewonnen hat. All das sah zwischenzeitlich wie ein mögliches Problem aus. Nie wurde es eins.

          Guardiola lässt bis heute alles ganz leicht aussehen - das erst unmöglich und nun ganz normal wirkende Projekt, das beste Team der Welt völlig neu zu erfinden. Und niemand redet mehr von den großen Grundsatzfragen des vergangenen Herbstes. Von der falschen oder echten Neun. Von 4-2-3-1 oder 4-1-4-1. Von Philipp Lahm hinten rechts oder mittendrin oder überall. Guardiola hat dieses typisch deutsche Festhalten an dem, was bisher funktioniert hat, diese Angst vor dem spielerischen Ausprobieren anderer Möglichkeiten, einfach übergangen, ja ignoriert. Sportvorstand Matthias Sammer hat intuitiv die richtige Haltung zu diesem Virtuosen der Variation schon früh in der Saison erkannt und empfohlen: „Lasst ihn einfach in Ruhe arbeiten“, sagte er. „Der ist gut.“

          Er hat keinen dozierenden Alphamännchen-Ton

          Als er vor kurzem wieder einmal die typische Frage erhielt, warum Spieler X (in diesem Fall Schweinsteiger) und nicht Y (Toni Kroos) zum Einsatz kam, hielt Guardiola einen schönen Monolog. Wortreich erklärte er, warum „jeder meiner Spieler es verdient hat zu spielen“. Dass es immer nur die taktischen Gegebenheiten seien, die den Ausschlag gäben, wer spiele. „Und weil du ein Superjournalist bist“, schloss er mit sanfter Ironie, „wirst du mich, wenn demnächst wieder Kroos spielt, bestimmt fragen: Warum nicht Schweinsteiger?“

          Guardiola hat dabei nie diesen dominant dozierenden Alphamännchen-Ton, wie ihn etwa der Vorvorgänger Louis van Gaal gern an den Tag legte. Seine Autorität ist frei von autoritärem Gehabe. Sie entsteht durch eine permanente, hellwache Präsenz, eine sanfte, fast fernöstliche Klarheit und Intensität in dem, was er tut.

          Xherdan Shaqiri erfährt, was der Trainer gerne hätte - und wie man das gestisch darstellen kann
          Xherdan Shaqiri erfährt, was der Trainer gerne hätte - und wie man das gestisch darstellen kann : Bild: AP

          Dabei ist er durchaus nicht kontemplativ, sondern aktiv veranlagt - kaum ein anderer Trainer zeigt sich an der Seitenlinie so dynamisch. Ziel dieses coachenden Choreographen ist die perfekte Raumverteilung der Spieler, die Harmonie der Bewegung rund um den Ball. In den Momenten der Perfektion erinnert das Spiel von Guardiolas Team an eine Art Feng-Shui des Fußballs - nur viel komplizierter. Weil hier keine Möbelstücke den Raum gliedern, sondern höchst bewegliche Menschen.

          Guardiola weiß, wie schwierig das ist, und zeigt sich als dankbarer Perfektionist - dankbar dafür, dass man ihm die Spieler gab, die gut genug sind, seine Idee zur Realität zu machen. „Als mich der FC Bayern zum ersten Mal kontaktiert hat, wusste ich nach einer Sekunde: Das musst du machen“, erzählte er. „Ich wollte die Chance nicht verpassen, hier zu arbeiten, mit dieser großen Mannschaft, die der Klub in den vergangenen Jahren zusammengestellt hat.“

          Der bevorstehende deutsche Meistertitel ist für Guardiola dabei der erste dauerhafte Beleg, auf dem richtigen Weg zu sein. „Die Champions League ist für mich nicht der wichtigste Titel diese Saison“, sagte er Anfang März, „sondern die Meisterschaft. Da hast du alles, Spiele mit Wind, mit Regen, guten Rasen, schlechten Rasen, Verletzungen. Das ist Bundesliga, das ist es, was zählt, das ganze Jahr.“ Er sprach schon da eine „Gratulation an meine Mannschaft“ aus.

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