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3:2 bei Hertha BSC : Die Bayern gewinnen langen Pokal-Kampf

  • -Aktualisiert am

Serge Gnabry war ein Münchner Sieggarant mit seinem Doppelpack. Bild: Reuters

Die Münchner dürfen darauf hoffen, dass ihre Reise nach Berlin nicht die letzte in dieser DFB-Pokal-Saison war. Bei Hertha BSC brauchen die Münchner aber 120 Minuten zum Sieg, weil sich ein Spieler einen Fehler erlaubt.

          Inbrünstig sangen die Fans in der Ostkurve ihr Lied. Trotzig reckten sie ihre Utensilien in den Berliner Nachthimmel, lange schon waren sie nicht mehr so stolz auf ihre Mannschaft gewesen. Aber auch das dürfte sie kaum getröstet haben, ihr Gesang stand für die Enttäuschung und einen Wunsch, der sich auch in diesem Jahr nicht erfüllen wird. Längst ist über die Berliner Stadtgrenze bekannt, dass sie bei Hertha BSC nichts mehr herbeisehnen, als einmal den DFB-Pokal zu gewinnen.

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          Oder wenigstens das Endspiel zu erreichen, wo es doch Jahr für Jahr im eigenen Stadion stattfindet. Ja, das Finale ist zu einer Berliner Obsession geworden und vielleicht lag es auch daran, dass den Spielern in entscheidenden Momenten die Nerven versagten. Trotz aufopferungsvollem Kampf unterlagen sie daheim im ausverkauften Olympiastadion dem FC Bayern München 2:3 nach Verlängerung und schieden im Achtelfinale aus. Das Endspiel muss warten. „Wir sind nicht weiter, deswegen bin ich nicht zufrieden“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. „Beim letzten Tor haben wir naiv verteidigt, aber die Mannschaft kann stolz sein, weil sie gut gekämpft hat. Wir haben gegen ein gutes Bayern München verloren.“

          Angefangen hatte alles so gut aus Berliner Sicht. Zuerst ahndete Schiedsrichter Markus Schmidt eine Aktion, bei der Leon Goretzka zu Fall kam, als Schwalbe, dann ging es ganz schnell in die andere Richtung. Maximilian Mittelstädt, der in seinem Leben vermutlich noch nie mit seinem rechten Fuß geschossen hat, entdeckte dieses unbekannte Körperteil just in dem Moment, als sich ihm frei an der Strafraumgrenze eine Gelegenheit bot. Gegen seinen wenig harten und wenig plazierten Schuss war Bayerns Torwart Sven Ulreich dennoch machtlos, da waren gerade einmal drei Minuten gespielt. Ulreich vertrat wie schon am Wochenende in Leverkusen (1:3) den verletzten Manuel Neuer.

          Besser hätte es für Hertha kaum laufen können, galten die Bayern doch als angeschlagen nach der Niederlage gegen Bayer. Nur ist das größte Problem der Küchenpsychologie, dass sie meistens nicht wahr ist. Die Bayern waren keinesfalls angeschlagen, das frühe Gegentor machte sie nur entschlossener. Knapp vier Minuten später hatten die Münchner den Rückstand egalisiert. Einen im Strafraum umher irrenden Abpraller wuchtete Serge Gnabry mit so viel Wut ins Tor, dass den Berlinern Angst und Bange werden konnte (7.).

          Der verletzte Torwart Manuel Neuer sah das Spiel nur von der Bank aus.

          Gnabry machte in den folgenden Minuten unmissverständlich klar, dass er in dieser Saison nicht zum letzten Mal in Berlin vorspielen möchte. Den Finaltermin am 25. Mai schien er sich fest in den Terminkalender eingetragen zu haben, und nichts und niemand sollte ihn an der Erfüllung dieser Absicht hindern. Im weiteren Verlauf war es, als würden elf Berliner sich gegen einen Gnabry stellen, der zählte von seinem Können an diesem Abend allerdings für Zwölf. Nach zwanzig Minuten zappelte der Ball nach einem Schuss von ihm im Netz, allerdings war es das Außennetz.

          Zuvor hätte Hummels seine Mannschaft mit einem abgefälschten Ball beinahe in Führung gebracht (17.). Bayern schlug ein hohes Tempo an, dass die Berliner an ihre Grenzen trieb. Herthas Spieler scheuten keinen Zweikampf, sie rannten um jeden Meter aber es war ersichtlich, dass sie nicht über die Klasse des Gegners verfügten. Am Ende der regulären Spielzeit kamen die Bayern auf zehn Ecken, Hertha auf keine einzige. Offensiv langte es für die Mannschaft von Pal Dardai nur zu ein paar guten Ansätzen, das Geschehen wurde eindeutig von den Bayern dominiert.

          Anders als im September, als sie an gleicher Stelle 0:2 unterlagen und anschließend in eine handfeste Herbstkrise gerieten, präsentierten sich die Münchner sehr ballsicher und im Offensivspiel ideenreicher. Gnabry, Goretzka und Coman waren kaum zu stellen, Thiago und James spielten kluge Bälle in die Spitze, und Lewandowski beschäftige allein durch seine Anwesenheit die Berliner Hintermannschaft. Resultat der Münchner Fußballlust war das fein herausgespielte Führungstor durch Gnabry, der nach einem sehenswerten Zuspiel von James ins lange Eck verwandelte (49.).

          Aber es passt zum Verlauf dieser Saison des FC Bayern, dass selbst ungefährliche Gegner eine Gefahr darstellen. In einen viel zu schwachen Rückgabeversuch von Mats Hummels, mit dem Kopf ausgeführt, sprintete der gerade eingewechselte Davie Selke und schon stand es 2:2. Es war genau die Art von Tor, welches die Berliner brauchten. Hertha packte nun wieder Überzeugung in die eigenen Aktionen, Bayern kam nur noch durch James zu einer guten Gelgenheit in der regulären Spielzeit (81.). Für Hertha kam Lukas Klünter dem Siegtreffer recht nahe (83.). In der Verlängerung benötigten die Bayern dann einen lichten Moment, um das Spiel zu entscheiden. Als Torwart Jarstein einen Moment zögerte, spitzelte Lewandowski den Ball über hin, Coman drückte per Kopf über die Linie und aus waren die Berliner Pokalträume (98.). „Wir waren die klar bessere Mannschaft und haben die erste Halbzeit dominiert. Es ist aber immer eine harte Arbeit im Pokal. Unser Ziel ist es, im Finale wieder nach Berlin zu kommen“, sagte Münchens Nationalspieler Niklas Süle.

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