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FC Bayern auf Asienreise : Mia san China

  • -Aktualisiert am

Gelobtes Land für Marketingstrategen: Neunzig Millionen Chinesen sollen mit dem FC Bayern symphatisieren Bild: Imago

Peking, Schanghai, Guangzhou: Die Bayern hetzen durch China und machen ganz viel PR in eigener Sache. Der Test gegen Valencia wird deutlich gewonnen – und die Verpflichtung von Vidal steht kurz bevor.

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          Dieser Trip lohnt sich für den FC Bayern. Es gibt Präsente, immer und überall Präsente. Trainer Pep Guardiola etwa erhielt bei einem Sponsoren-Termin in Peking einen Bildband über die Chinesische Mauer, Thomas Müller und Philipp Lahm Stofftiere von Comicfiguren, Jérôme Boateng eine Nachbildung des Olympiastadions von Peking. Die Gastgeber überreichen ihre Aufmerksamkeiten stets mit beiden Händen, gemäß der asiatischen Höflichkeit.

          Seit Freitag sind die Bayern in China, dem Land des Schenkens, zugleich das gelobte Land für Marketingstrategen. 170 Millionen Fußballfans soll es in der Volksrepublik geben, angeblich 90 Millionen Bayern-Sympathisanten. Was eine ganze Menge ist, aber nur etwas mehr als sechs Prozent aller Einwohner ausmachen würde im mit 1,4 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichsten Land der Erde. „Wir sehen in China ein riesiges Potential, vor allem im Fanartikelverkauf“, sagt Jörg Wacker, der bei den Münchnern als Vorstand für die Bereiche Internationalisierung und Strategie zuständig ist.

          „Bequem“, aber nicht zielführend

          Der Trip in die drei wirtschaftsstärksten Städte des Landes ist kein Trainingslager. Marketing ist Sinn und Zweck der China-Reise. Sieben Tage, sechs Nächte in Hotels, zwei im Flieger. Peking, Schanghai, Guangzhou: drei Orte, drei Testspiele. Und ganz viel PR in eigener Sache. „Das ist natürlich keine Urlaubsreise. Da müssen wir einen Spagat hinlegen zwischen den wirtschaftlichen Marketing-Interessen des FC Bayern und der sportlichen Vorbereitung“, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Den Markennamen der Bundesliga könne man nur auf diese Weise stärken, man müsse „Präsenz zeigen“.

          Weltweit, nicht wie etliche Bundesligaklubs, die Trainingslager in Österreich oder in der Schweiz abhalten. Das sei „bequem“, aber nicht zielführend, denn, so Rummenigge: „In Österreich kennt man uns ganz gut.“ Also will Bayern die Welt erobern. Im Sommer 2014 reiste man für eine Woche in die Vereinigten Staaten. Ostküste, Westküste. Nun hetzt man in China von PR-Termin zu PR-Termin, von Spiel zu Spiel, immer unter dem Sponsoren-Label „Audi China Summer Tour 2015“.

          Lockerer Sieg: Müller trifft im Spiel gegen Valencia doppelt

          Erste Station Peking. Flüchtige Ausblicke. „Vom Zimmer sieht die Stadt sehr gut aus – mehr als das Hotel und das Stadion habe ich allerdings noch nicht gesehen“, sagte Stürmer Robert Lewandowski am Samstag. „Die Menschen lachen immer und sind sehr freundlich.“ Natürlich auch bei einem Bier-Sponsor der Bayern, den der Pole gemeinsam mit dem Brasilianer Rafinha besuchte. Rote T-Shirts des Rekordmeisters mit dem Aufdruck „Mia san China“, natürlich auch auf Chinesisch, wurden an alle Mitreisenden verteilt. Dreißig Fans sind dabei. Der Verein half seinen Anhängern bei der Visa-Beschaffung und bot die Flüge zu moderaten Preisen an. Dabei hätte man eigene Fans gar nicht mitbringen müssen. In China gibt es genug.

          Der Empfang für die Mannschaft auf dem „Beijing Capital International Airport“ am Freitagmittag war laut und hektisch. Mit „Super-Bayern!“-Sprechchören empfingen rund 1000 einheimische Fans die Bayern in der Ankunftshalle. Sofort begann der Selfie-Alarm. Wenigstens drängeln die Chinesen höflich. „Ich habe selten so etwas erlebt. Schön zu sehen, dass es überall auf der Welt Fans des FC Bayern gibt“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Auch am Mannschaftshotel war die Hölle los. Berührungsängste darf man nicht haben. „Das macht Spaß. Genau deswegen machen wir diese Reise ja“, sagte Lahm.

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