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Trainer Arteta : Frisches Pulver beim FC Arsenal

  • -Aktualisiert am

Klare Ansagen an sein Team: Arsenals Trainer Mikel Arteta Bild: dpa

Nach mageren Jahren will der FC Arsenal wieder angreifen. Der Trend unter Trainer Arteta stimmt schon mal. Dessen kernige Linie wird aber nicht bei jedem gut ankommen.

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          Es war mal wieder typisch Arsenal. Gerade hatte die Mannschaft im FA-Cup-Finale den FC Chelsea bezwungen, doch ganz ohne Panne ging selbst dieser Abend nicht über die Bühne. Als Pierre-Emerick Aubameyang bei der Siegerehrung den Pokal von seinem Podest hob, wusste er nicht, dass der schwere Sockel darauf stehenbleiben und er nur den oberen Teil mit den Henkeln präsentieren sollte. Also nahm er beide Stücke, und als er die wacklige Trophäe vor den Fernsehkameras in die Höhe stemmen wollte, rutschte sie ihm aus den Händen und plumpste auf den Rasen. Der Spott war groß: Wer so selten Titel gewinne, könne ja nicht wissen, wie man mit einem Pokal umgeht.

          Hinter Arsenal liegen magere Jahre. Der Klub ist in seiner Historie 13 Mal Meister geworden und hat 14 Mal den FA Cup gewonnen – häufiger als jeder andere. Doch bis zu dem Endspiel im August hatte er länger ohne Erfolge dagestanden; die bislang letzte Meisterschaft ist schon 16 Jahre her. Das passt nicht zum Selbstverständnis der „Gunners“, ebenso wenig wie der achte Platz in der vergangenen Premier-League-Saison. So schlecht hatten sie zuletzt Mitte der 1990er Jahre abgeschnitten, bevor Arsène Wenger in 22 Jahren als Trainer eine Ära prägte. Wengers Nachfolger Unai Emery erwies sich nicht als der Richtige. Seit Dezember 2019 ist der frühere Arsenal-Kapitän Mikel Arteta für die Mannschaft verantwortlich. Und es sieht so aus, als würde es mit dem 38 Jahre alten Spanier aufwärtsgehen.

          Arteta ist kein Kumpel

          Von 29 Spielen hat Arteta 17 gewonnen, je sechs endeten unentschieden oder mit einer Niederlage. Die Erfolge im FA Cup und zuletzt im Community Shield gegen Liverpool mögen angesichts des Rückstands zu den Klubs an der Spitze wenig aussagen, ein Symbol des Aufbruchs sind sie dennoch. Zumal mit Arteta eine Vision zu erkennen ist, wie die Mannschaft einmal spielen soll: Der frühere Assistent von Manchester Citys Star-Trainer Pep Guardiola will Gegner durch Pässe und Pressing dominieren. Der „Guardian“ schrieb in einer Saisonvorschau über Arteta: „Er hat einen modernen Plan und die Autorität und Persönlichkeit, ihn umzusetzen.“ In dieser Woche hat der Klub ihn vom Cheftrainer zum Manager befördert.

          Arteta ist kein Kumpel. Seine Ansagen sind kernig – und das in mehreren Sprachen. Er will nur mit Spielern arbeiten, die sich mit dem Klub identifizieren – Mesut Özil scheint in seinen Plänen keine Rolle zu spielen. „Ich glaube, wir schließen die Lücke“, sagte Arteta mit Blick auf die Konkurrenz aus Liverpool und Manchester. Aber dazu müssten die Leistungen nicht nur in besonderen Spielen passen, sondern über Monate auf hohem Niveau bleiben. Dabei sollen Zugänge helfen.

          Kontroverse um Transfer

          Innenverteidiger Gabriel Magalhães wechselte für 26 Millionen Euro von OSC Lille nach London. Keine Ablöse hat Arsenal für Willian bezahlt: Der 32-Jährige ist vom FC Chelsea geholt und mit einem Vertrag ausgestattet worden, der ihm über 200.000 Pfund pro Woche einbringen soll. Entscheidend ist aber eine andere Personalie: Der 31 Jahre alte Aubameyang ist im letzten Jahr seines Vertrags angelangt. Arsenal hat ihm einen neuen Vertrag mit höheren Bezügen vorgelegt. Noch hat sich der frühere Dortmunder nicht entschieden, aber Arteta sagte zuletzt über seinen Kapitän: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass er unterschreibt. Wir haben eine gute Beziehung aufgebaut. Ich sehe ihn jeden Tag beim Training mit einem Lächeln.“

          Dass Arsenal Geld in den Kader pumpt, löst auch Kritik aus. Wegen der Corona-Krise sind 55 Mitarbeiter entlassen worden, obwohl im April fast alle Profis sowie der Trainerstab einer Gehaltskürzung für ein Jahr zugestimmt haben. Auch der Vorstand macht Abstriche. Laut der Zeitung „The i“ hatte Arsenal wegen der Entlassungen die Veröffentlichung des bereits vollzogenen Willian-Transfers hinausgezögert.

          „Sie warteten elf Tage. Ich bin sicher, die 55 arbeitslosen früheren Mitarbeiter waren zu dem Zeitpunkt darüber hinweg“, schreibt der Autor zynisch: „Und die Spieler sind sicher begeistert, Willians Gehalt zu finanzieren.“ Arteta verteidigte das Vorgehen des Vereins, nachdem sich einige Profis unzufrieden gezeigt hatten. „Die Spieler haben dem Klub gerne geholfen in dieser schwierigen finanziellen Lage“, sagte er: „Das bedeutet aber nicht, dass du später bei jeder Entscheidung mitreden kannst, die der Klub trifft.“ Am Samstag spielt Arsenal gegen Aufsteiger Fulham. Ein Pflichtsieg für einen Klub, der in die Champions League will. Es wird ernst.

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