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Streit unter DFB-Präsidenten : Zwanziger lässt Niersbachs Vertrag von Fifa prüfen

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„Es reicht halt nicht, einfach zu sagen: ,Blatter, nein danke!´“: Theo Zwanziger Bild: dpa

Theo Zwanziger hat bei der Fifa eine Untersuchung gegen den DFB und Präsident Niersbach in Gang gesetzt. Der DFB bezeichnet die Äußerungen des früheren DFB-Präsidenten als „lächerlich“.

          Theo Zwanziger, Vorstandsmitglied des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), hat eine Untersuchung gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und seinen Präsidenten Wolfgang Niersbach in Gang gesetzt. „Ich habe der Fifa-Ethikkommission Unterlagen vorgelegt und um Prüfung gebeten“, sagte der ehemalige DFB-Präsident in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Donnerstagausgabe / Ab 20.00 Uhr im E-Paper und in der F.A.Z.-App).

          Zu den Dokumenten gehört auch die Rentenvereinbarung des DFB mit Niersbach. Dabei geht es um die Frage, ob die Vergütungsregelung für den ehrenamtlichen DFB-Chef, die beim Wechsel von Zwanziger zu Niersbach im Jahr 2012 getroffen wurde, möglicherweise unzulässig ist. Hintergrund für Zwanzigers Vorgehen sind Vorwürfe des DFB aus dem vergangenen Jahr, als kritische Äußerungen des deutschen Funktionärs vom Verband als „rufschädigend“ bezeichnet wurden.

          „Ich will einfach wissen, ob die Vorwürfe mir gegenüber berechtigt sind. Es soll geklärt werden, wer seine Pflichten verletzt hat und wie mein Verhalten und das Verhalten des DFB zu sehen ist. Ganz neutral also“, sagte Zwanziger, der Ende Mai aus dem Exekutivkomitee der Fifa ausscheidet. Der frühere DFB-Präsident begründete sein Vorgehen auch damit, dass der DFB nicht auf sein Angebot einer Mediation eingegangen sei. „Ich hätte die Angelegenheit lieber in einem Gespräch zu Ende gebracht.“

          Zugleich verteidigte Zwanziger den umstrittenen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter gegen Rücktrittsforderungen von Seiten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und auch des DFB. „Es reicht halt nicht, einfach zu sagen: ,Blatter, nein danke!' Und inhaltlich muss man, wenn man glaubwürdig gegen Korruptionsvorwürfe bei der Fifa vorgehen will, dann auch einräumen, dass man selbst an den kritisierten Entscheidungen maßgeblich beteiligt war und ist. Die Europäer sind schließlich mit acht Sitzen voll in der Fifa-Spitze integriert“, sagte Zwanziger der F.A.Z.

          Am 2. März 2012 wurde Wolfgang Niersbach (links) zum DFB-Präsidenten und Nachfolger von Zwanziger

          Aus seiner Sicht hätten sich gerade die deutschen Funktionäre mehr einsetzen sollen für eine Lösung der Fifa-Führungskrise. „Ich hätte mir gewünscht, dass der DFB als stärkster Sportverband der Welt mit hohem Ansehen weltweit sich vermittelnd in diesen Führungskonflikt einbringt. Dann muss man aber beide Seiten verstehen und sie gerecht behandeln.“

          Er zweifelt auch an ernsthaften Reformbemühungen der Uefa, zum Beispiel bei der Forderung nach Einhaltung der Menschenrechte in Ausrichterländern anlässlich großer Turniere. „Es gibt eine ganze Reihe von Europäern, die an dieser Frage einfach nicht rühren wollen. Einer hat es auch ganz klar gesagt: ,Menschenrechtsfragen gehen uns nichts an.' Da frage ich mich: ,Wo soll in Europa die bessere Fifa sein?' Ich bekomme das alles doch hautnah mit. Platini und Blatter sind in der Frage der Menschenrechte wie Feuer und Wasser.“

          Zwanziger verteidigt Joseph Blatter gegen Rücktrittsforderungen von Uefa und DFB

          Für Zwanziger ist nicht ausgemacht, dass die nächste WM 2018 in Russland stattfinden kann. „Im Grunde halte ich nichts von Boykotten. Aber es haben nun mal Verletzungen des Völkerrechts stattgefunden, und wenn die kriegerische Krise sich noch verstärkt, dann müssen sich die Sportführer mit den Politikern zusammensetzen“, sagte er.

          Wenn man am Ende glaube, dass Putin über den Sport noch zum Einlenken zu bewegen sei, dann müssten führende Politiker aus Europa und den Vereinigten Staaten auf Blatter und IOC-Präsident Thomas Bach zugehen und miteinander sprechen. „Eine WM 2018 könnte auch kurzfristig in einem anderen europäischen Land stattfinden. In Mitteleuropa gibt es genügend Auswahl. Es gäbe keine großen Probleme für die Fifa, das zu verändern. Aber der Zeitpunkt ist noch nicht da“, sagte Zwanziger der F.A.Z.

          DFB bezeichnet Zwanzigers Aussagen als „lächerlich“

          Der DFB reagierte mit deutlichen Worten auf die Zwanziger-Aktion und fürchtet keine Sanktionen durch die Fifa-Ethikhüter. „Unser gesamtes Präsidium hat bereits bei der WM sehr deutlich herausgestellt, dass alles absolut einwandfrei abgewickelt wurde. Die Altersversorgung ist gutachterlich geprüft und mit den Vorgaben des gemeinnützigen Verbandes vereinbar. Dieses Thema trotzdem immer wieder in die Öffentlichkeit zu tragen, ist nur noch lächerlich“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker am Mittwochabend.

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