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Favre bleibt Gladbacher : „Ein wunderbares Zeichen“

  • -Aktualisiert am

Weiter geht es in Mönchengladbach: Trainer Lucien Favre verlängert bis 2015 Bild: dpa

Die Zeit der Spekulationen und Zweifel ist vorbei: Trainer Lucien Favre verlängert seinen Vertrag in Mönchengladbach bis 2015. Der Borussia bieten sich so gute Perspektiven wie lange nicht.

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          Als erst Nationalspieler Marco Reus und später auch noch Abwehrchef Dante bekannt gaben, Borussia Mönchengladbach zu verlassen, unkten manche Menschen am Niederrhein (und nicht nur dort), auch Trainer Lucien Favre könnte an einem Wechsel Gefallen finden, spätestens in einem Jahr.

          Doch der 54 Jahre alte Fußball-Lehrer hat den Spekulationen ein Ende gemacht. Favre kam mit seinem Arbeitgeber überein, den ohnehin noch ein Jahr gültigen Vertrag vorzeitig bis Juni 2015 zu verlängern. „Ich bin froh, dass jetzt alles geklärt ist. Es gefällt mir hier“, sagte der Schweizer.

          Zwar hätten ihm Anfragen verschiedener Klubs vorgelegen, „aber meine Priorität war immer Gladbach, ich passe sehr gut zu Borussia, ich war mit dem Vorstand und der Geschäftsführung schon seit längerem in Gesprächen“. Die Vereinsführung zeigte sich erleichtert darüber, dass die Zeit der Zweifel vorbei ist, die in den Medien hier und da gestreut wurden. „Unsere Fans und wir haben ihn in unser Herz geschlossen. Es is

          t ein wunderbares Zeichen, dass der Trainer sich zu Borussia bekannt hat“, sagte Vizepräsident Rainer Bonhof. Sportdirektor Max Eberl hält Favre für die Idealbesetzung auf der Gladbacher Trainerbank. „Lucien Favre passt genau in unser Konzept“, sagte er. „Es gibt auf der Welt kaum einen Trainer, der besser mit jungen Spielern umgehen und sie weiterentwickeln kann.“

          Favre galt als Kandidat bei Bayern München

          Die Entwicklung der Gladbacher Mannschaft hat Favre in den vergangenen sechzehn Monaten in hohem Tempo vorangetrieben. Als er im Februar 2011 die Nachfolge Michael Frontzecks antrat, lag die Borussia scheinbar abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga. Doch unter Favre kletterte die Mannschaft noch auf den Relegationsrang und sicherte sich gegen den Zweitliga-Dritten VfL Bochum den Verbleib in der ersten Klasse.

          Ein Jahr später bietet sich Gladbach die Chance, neben den Schwergewichten der Branche, Dortmund, Bayern und Schalke, als vierter Bundesligaverein die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Die damit verbundenen (finanziellen) Möglichkeiten dürften mitentscheidend gewesen sein für Favres Entschluss, länger in Gladbach zu bleiben, statt abzuwarten, ob etwa beim FC Bayern nach der kommenden Saison eine Vakanz entsteht. Favre galt als Kandidat für die Nachfolge von Jupp Heynckes, von dem anzunehmen ist, dass er im nächsten Jahr bei den Münchnern aufhört.

          Weiterhin der Vorläufer: Lucien Favre

          Die Wechsel von Reus und Dante schmerzen Gladbach und Favre natürlich; die daraus resultierenden Einnahmen von mehr als 22 Millionen Euro versetzen den Klub aber in die Lage, auf dem Transfermarkt viel Geld zu investieren, zumindest für Bundesliga-Verhältnisse. Insofern braucht Favre sich nicht zu sorgen, dass es ihm ähnlich ergehen könnte wie einst in Berlin. Auch Hertha hatte er überraschend in den Europapokal geführt, dann aber mit ansehen müssen, wie der Verein Leistungsträger verkaufte, ohne sie durch neues Personal angemessen ersetzen zu können. Gladbach tritt nicht mehr nur als Verkäufer und als Schnäppchenjäger auf, sondern kauft auch selbst in besseren Boutiquen des Fußballs ein.

          So leistete die Borussia sich den Luxus, mehr als elf Millionen Euro Ablöse für den Schweizer Granit Xhaka zu zahlen, einen 19 Jahre alten Nationalspieler, der zuletzt mit dem FC Basel die Meisterschaft und den Pokal gewann. Favre traut ihm zu, im Gladbacher Mittelfeld „ein zentraler Spieler“ zu werden. Als Ersatz für Dante kommt der spanische Innenverteidiger Alvaro Dominguez. Der Dreiundzwanzigjährige hatte mit Atletico Madrid in den vergangenen drei Spielzeiten zweimal die Europa League gewonnen.

          „Klar, dass wir für den Angriff noch etwas tun müssen“

          Solche Transfers zeigen: Favres taktische Innovation, verbunden mit einer deutlichen Steigerung der Abwehrkräfte, hat Gladbach nicht nur zu mehr Wirtschaftskraft verholfen, sondern auch zu mehr Attraktivität in den Augen umworbener Spieler. „Bei unseren Bemühungen um Granit Xhaka standen wir in Konkurrenz zu einer ganzen Reihe von europäischen Topklubs“, sagt Eberl.

          Auch Favre ist mit dem Zwischenstand der Personalpolitik „sehr zufrieden“. Dennoch sieht er weiteren Handlungsbedarf. „Wir haben Marco Reus verloren. Es ist klar, dass wir für den Angriff noch etwas tun müssen.“ Der Trainer verlangt nach einem Stürmer, der stark im Zweikampf ist, aber auch auf die Flügel ausweicht, sobald die Spielsituation es erfordert. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Favre vor allem Luuk de Jong vom FC Twente Enschede im Auge hat. Spielern dieser Kategorie kann Gladbach inzwischen wieder einiges bieten: einen klangvollen Namen, eine europäische Perspektive, ein gutes Gehalt und – Lucien Favre.

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