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Farkes Aufstieg mit Norwich : Der nächste deutsche Trainer in der Premier League

  • -Aktualisiert am

Am Ziel: Daniel Farke steigt auf Bild: AP

Daniel Farke gelingt mit Norwich City der Aufstieg in die englische Eliteliga. Gemeinsam mit dem 42 Jahre alten Trainer schaffen mehrere deutsche Spieler den Sprung nach oben.

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          Die Geschichte fühlt sich vertraut an: Ein deutscher Fußballtrainer, der in Deutschland keinen großen Namen hat, übernimmt die Leitung bei einem englischen Fußball-Zweitligaklub – und steigt wenig später in die Premier League auf. Vor zwei Jahren war das David Wagner mit Huddersfield Town gelungen, das jetzt aber wieder die Liga verlassen muss. Und seit Samstag, seit einem 2:1 gegen die Blackburn Rovers, steht Norwich City als Aufsteiger fest, wo seit Sommer 2017 Daniel Farke als Trainer arbeitet. Der 42-Jährige ist nach Stationen beim SV Lippstadt und – wie vor ihm Wagner – den Amateuren von Borussia Dortmund bei den „Kanarienvögeln“ gelandet, wie sie in England genannt werden, und denen niemand den Aufstieg zugetraut hatte.

          Farkes erstes Jahr in Norwich war mäßig verlaufen. Die Mannschaft war nicht gefährlich, nicht stabil – und beendete die Saison auf Platz 14. Der Klub hatte zudem einen Sparkurs angeordnet, weshalb vor dieser Saison wichtige Spieler verkauft wurden. Für sie kamen andere, die wenig oder nichts kosteten. Entsprechend gering waren die Erwartungen. Aber nach einem mühsamen Auftakt kam Norwich voran; seit Februar führt das Team die Tabelle an und spielt oft einen technisch anspruchsvollen, auf Ballbesitz und Pressing getrimmten Fußball. Das Nachrichtenportal „i-news“ nannte das Projekt im Osten Englands „ziemlich cool“. Wie hat Farke das gemacht? Andrew Lawn ist Autor beim Fanmagazin „Along Come Norwich“. Er sagt: „Die wichtigsten Zutaten waren Geduld, Vertrauen und Unnachgiebigkeit. Farke hat eine Saison gebraucht, um seine Art des Fußballs zu implementieren. Schließlich ist sein Stil nicht gerade typisch für einen englischen Zweitligaklub.“

          Farke gelang es, Talente aus dem eigenen Nachwuchs zu integrieren. Die Außenverteidiger Max Aarons und Jamal Lewis sind 19 und 21 Jahre alt, auch Innenverteidiger Ben Godfrey ist erst 21. Die Abwehr wird komplettiert von Christoph Zimmermann, der mit 26 Jahren so etwas wie der Routinier ist. Und er ist einer von vielen Deutschen im Kader, die in Deutschland nie den großen Durchbruch, in England dafür den Aufstieg in die vielleicht beste Liga der Welt geschafft haben. Zimmermann kam mit Farke von Borussia Dortmund II, Marco Stiepermann vom VfL Bochum, Tom Trybull von ADO Den Haag, Moritz Leitner vom FC Augsburg. Auch der Deutsch-Bosnier Mario Vrancic und der Deutsch-Kubaner Onel Hernández haben den Schritt nach England gewagt.

          Zum Fanliebling wurde auch ein Neuer aus Finnland. Teemu Pukki, der ehemalige Schalker, kam ablösefrei aus Bröndby. Mit 28 Toren und zehn Vorlagen in 42 Spielen ist er der beste Stürmer des Klubs – und der Liga. „Wenn wir in der vergangenen Saison ein Gegentor bekamen, kassierten wir Minuten später das nächste“, sagt Lawn. Das sei in dieser Saison anders. Gegen Nottingham Forest machte City an Weihnachten aus einem 0:3 ein 3:3. „Dieses Team gibt niemals auf.“ Gab es je Zweifel an Farke? „Auf der Tribüne auf jeden Fall“, sagt Lawn. „Sein Stil wurde als zu langsam empfunden, zu sehr auf Ballbesitz ausgelegt, letztlich als langweilig. Das hat sich jetzt natürlich geändert.“

          In der Premier League dürften es die „Kanarienvögel“ trotzdem schwer haben. Huddersfield Town steht im zweiten Jahr nach dem Aufstieg als Absteiger fest. Wagner hat den Verein im Januar verlassen. Farke schreibt nun aber seine eigene Geschichte. „Das ist ein Moment voller Freude und Stolz“, sagte er über das Geschehen am Samstag. „Dieses Gefühl ist unglaublich. Für mich ist die Championship die schwerste Liga der Welt. Wir werden die nächsten zwei oder drei Tage feiern.“ An diesem Montag ist in Norwich eine Parade geplant.

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