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Fans über Bedrohung durch Rechtsradikale : „Bei den Nazis knallen die Sektkorken“

  • Aktualisiert am

Die Aachen Ultras haben ihre Fahnen am Tivoli eingerollt Bild: Imago Sport

Die Aachen Ultras haben den Kampf gegen die rechten Kräfte in der Fanszene der Alemannia aufgegeben. Anonym sprechen zwei von ihnen über die Angriffe der rechten Gruppen, die fehlende Hilfe vom Verein und warum sie jetzt aufgeben.

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          Die Fanszene von Alemannia Aachen ist schon länger gespalten und verfeindet. Am Wochenende haben sich die Aachen Ultras zurückgezogen, nachdem es immer wieder zu Bedrohungen und Angriffen gekommen war, die der rechtsoffenen Fangruppe „Karlsbande“ zugeordnet werden. „Es ist ein fatales Ergebnis, dass die Aachen Ultras von einer rechtsorientierten Gruppe bedrängt und bedroht wird und sich nun frustriert und entnervt aus dem Stadion zurückzieht. Unterm Strich steht: ,Die Rechten haben gewonnen.‘ Die Ultras sind alleingelassen worden vom Verein, von der Stadt und dem Rest der Zuschauer. Das ist sehr besorgniserregend, gerade in einer Zeit, da es an mehreren Orten diese Probleme gibt“, sagt Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekt, der am Samstag auch bei deren letztem Auftritt im Stadion war. Nun äußern sich erstmals Mitglieder der Aachen Ultras in einem Interview.

          Am Samstag haben die Aachen Ultras beim Pokalspiel der Alemannia bei Viktoria Köln ihre Abschiedsvorstellung gegeben. Warum geben Sie jetzt auf?

          David*: Das hat drei Gründe. Wir sehen als Aachen Ultras keine Perspektive mehr, im Stadion gegen Rechtsextremismus und eine rechts unterwanderte Fanstruktur zu intervenieren. Zum anderen haben wir auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Menschen, die mit uns solidarisch gewesen sind. Junge Mitglieder, aber auch Leute, die in der Stadt mit uns solidarisch waren und auch immer wieder bedroht und angegriffen wurden. Zuletzt im November waren bei einem Angriff auf einem Parkplatz in Pforzheim auch einige junge Leute im Auto dabei, das von einem ganzen Karlsbande-Bus attackiert wurde. Wir wollen nicht irgendwann vor Eltern stehen, und ihnen erklären müssen, dass ihren Kindern von Neonazis und Hooligans eine Flasche über den Kopf gezogen wurde. Und der dritte Punkt: Wir befinden uns nun schon seit Jahren durchgehend in einer bedrohlichen Situation. Wir haben oft auf ein Zeichen der Solidarität gehofft - vergeblich. So haben wir uns immer weiter vom Verein und der restlichen Fanszene wegentwickelt.

          Was haben Sie in den vergangenen Jahren erlebt als Feindbild der rechten Fanszene?

          Roman*: Der Konflikt hat sich wie ein roter Faden durch die vergangenen zwei, drei Jahre gezogen. Die Spirale der Bedrohung und Gewalt hat sich immer weiter gedreht. Am Anfang waren es nur verbale Drohungen, da wurde von den Rechten versucht, unsere antirassistischen und antidiskriminierenden Positionierungen zu unterdrücken. Da wollte man uns den Mund verbieten. Irgendwann führte das dann zu körperlichen Bedrohungen, man konnte sich in der Stadt nicht mehr frei bewegen - auf dem Weg zur Schule, zur Uni, zur Arbeit oder wenn man mit der Freundin abends in der Stadt unterwegs war. Es gab immer wieder bedrohliche Situationen, manche endeten auch in körperlichen Auseinandersetzungen. Das ging bis zu sogenannten Hausbesuchen, wo sie in den Hausflur eingedrungen sind und Leute von uns attackiert haben. Der private Raum hat keinen Schutz mehr geboten. Bedrohung und Gewalt waren das einzige Ausdrucksmittel, das die Karlsbande und Hooligans in den drei Jahren hatten.

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