Fan-Gipfel : Ein erster Schritt
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Es geht um viel: 250 Fans diskutierten in Berlin über die Lage in den Stadien Bild: dpa
250 Fans aus 49 Vereinen haben in Berlin über das umstrittene DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ diskutiert. der überraschende Besuch des DFL-Funktionärs Rettig könnte zu einem Neuanfang in den Beziehungen zwischen Fans und Verbänden beigetragen haben.
Der Fan-Gipfel am Donnerstag in Berlin war in seiner siebten Stunde, als sich plötzlich in der zweiten Reihe ein Herr mit hellblauer Krawatte zu Wort meldete. Es ging um die Abschlusserklärung. Der Herr mit Krawatte sagte zögerlich, er wisse gar nicht, ob er hier eigentlich etwas sagen dürfe, aber er wolle eine Veränderung unter dem Stichpunkt „Gewaltfreiheit“ vorschlagen. Es war Hendrik Große Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bunds, der sich zu Wort gemeldet hatte.
Sein Vorschlag ging bei den Fans durch. Als dann zum Schluss ein Appell an die Politik formuliert wurde, stand auf einmal der DFL-Fanbeauftragte Thomas Schneider auf der Bühne. Er warnte, das Papier „Sicheres Stadionerlebnis“, über das die Deutsche Fußball Liga (DFL) am 12. Dezember abstimmen soll, schon jetzt „in die Tonne zu hauen“, wie es auf dem Gipfel immer wieder hieß. Es solle doch ein ergebnisoffener Prozess in Gang gesetzt werde. Auch diesem Argument konnten sich die rund 250 Fans aus 49 Klubs anschließen.
Und so hieß es am Ende in der Erklärung etwas weicher: „Wir erwarten von den Verbänden und Vereinen die Einbindung von Fans in den Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess. Diesen Prozessen ist die erforderliche Zeit einzuräumen, der 12. Dezember ist aus unserer Sicht nicht einzuhalten. Von den Verbänden erwarten wir ein verbindliches Angebot an die Fans, Vereine und das Organisationsbüro des Fan-Gipfels.“
Die Berliner Erklärung der Fans und die Offenheit, mit der auch die Hinweise von Vertretern des DFB und der DFL darin aufgenommen wurden, wollen die Fußballanhänger als ein Dialogangebot an die Verbände verstanden wissen. Es ist nach Wochen und Monaten der Konfrontation ein erster Schritt zur Zusammenarbeit. „Vielleicht werden wir später einmal sagen, dass es nach der großen Aufregung um das DFL-Papier einen neuen Anfang in Berlin gegeben hat“, sagte Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte.
Fans müssen mitreden
Auch Andreas Rettig, der künftige DFL-Geschäftsführer, hatte bei seinem überraschenden Auftritt eine Dialogbereitschaft erkennen lassen, die der Verband beim Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ zwar für sich reklamiert, aber damit die Fans bisher nicht überzeugen konnte. „Die Zeit von Befehl und Gehorsam ist vorbei“, sagte Rettig. „Die Fans müssen mitreden.“ Nachdem sich schon die Vereine geöffnet haben, scheinen nun auch die Verbände nachzuziehen.
Beim umstrittenen DFL-Papier fühlen sich die Anhänger vollständig übergangen und zudem in ein falsches, gewalttätiges Licht gerückt. „Eine Beeinträchtigung des Stadionerlebnisses durch unzumutbare Personenkontrollen und eine nachhaltige Beschädigung traditioneller Fußballkultur in den Stadien etwa durch die Abschaffung von Stehplätzen ist sachlich nicht begründet und wird daher abgelehnt“, heißt es in der Erklärung. Die Vereine müssten den nötigen Spielraum bekommen um lokal wirksam Sicherheitskonzepte zu entwickeln und umzusetzen.
Politik ist angesprochen
Die Beteiligung der Fans an Entscheidungen, die ihre Interessen betreffen, soll künftig nicht mehr auf freiwilliger, sondern auf institutionalisierter Basis erfolgen. „Der DFB und der Ligaverband tragen Verantwortung für den Erhalt des Fußballs als Massenkultur. Sie werden aufgefordert, ihre Mitgliedsvereine zur Berücksichtigung der Fan-Interessen anzuhalten. Der Fan-Gipfel fordert DFB und Ligaverband auf, die Aufnahme von Fan-Vertretern in ihre Gremien satzungstechnisch zu ermöglichen und umzusetzen.“
Die Fans wünschen sich zudem von den Verbänden, „ungerechtfertigten Angriffen inhaltlich fundiert entgegenzutreten und unberechtigte Forderungen deutlich und öffentlich wirksam zurückzuweisen.“ Die Politik darf sich angesprochen fühlen.