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Siegesserie in Premier League : Junger Fan beschwert sich – Klopp antwortet

„Liverpool gewinnt zu viele Spiele“: Jürgen Klopp will das nicht ändern. Bild: EPA

25 von 26 Saisonspielen in der englischen Liga hat der FC Liverpool gewonnen. Die Konkurrenz gibt auf – nicht aber ein zehn Jahre alter Fan. Er schreibt einen Brief an Jürgen Klopp. Dessen Antwort sorgt für Aufsehen.

          3 Min.

          Fans von Manchester United haben es derzeit nicht leicht. Der ruhmreiche Klub aus dem Nordwesten Englands ist weit entfernt von alten Erfolgszeiten. Aktuell spielt er international nur in der zweitklassigen Europa League. Und in der heimischen Premier League steht ManUnited nur auf Platz sieben der Tabelle. Das würde am Saisonende nicht einmal ausreichen, um sich wieder für den Europapokal zu qualifizieren. Kein Wunder, dass auch die jungen Fans darunter leiden, selbst wenn sie die ganz erfolgreichen Zeiten nur aus Erzählungen kennen.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Noch nerviger macht die sportliche Flaute, dass der Erzrivale FC Liverpool derzeit das genaue Gegenteil erlebt. Nach dem Triumph in der Champions League im vergangenen Jahr ist den „Reds“ der Titel in der Premier League, es wäre der erste seit 1990, bei einem riesigen Vorsprung in dieser Saison kaum noch zu nehmen. Liverpool hat 25 von 26 Spielen gewonnen. Schon in wenigen Wochen können sie als Meister feststehen. Während die Konkurrenz schon kapituliert – Manchester-City-Trainer Pep Guardiola schrieb den Titel bereits öffentlich ab – will sich der zehn Jahre alte United-Fan Daragh Curley mit Liverpools Dominanz einfach nicht abfinden.

          Und so schrieb der Junge im Rahmen eines Schulprojekts an den Klub. „Liverpool gewinnt zu viele Spiele. Wenn sie noch neun weitere gewinnen, dann haben sie den längsten Lauf in der Geschichte des englischen Fußballs. Für mich als Fan von Manchester United ist das sehr traurig.“ Und der junge Daragh hat auch einen Vorschlag zur Lösung des „Problems“ an die Adresse von Trainer Jürgen Klopp parat: „Wenn Liverpool das nächste Mal spielt, dann verlieren Sie bitte. Lassen Sie einfach das andere Team Tore schießen. Ich hoffe, ich habe Sie überzeugt, nicht die Meisterschaft oder jemals wieder ein Spiel zu gewinnen.“

          In Liverpool wird die Fanpost gründlich gelesen. Viele Briefe bekomme er, sagte der Trainer des FC Liverpool am Freitag bei der Pressekonferenz. „Ich habe den Brief gelesen und geantwortet“, erzählte Klopp gut gelaunt. So wie die Welt heutzutage sei, stehe es am nächsten Tag in den Zeitungen. Das sei ja eigentlich eine private Sache, meinte Klopp. „Es ist aber auch völlig okay für mich.“ Daraghs Mutter wunderte sich, als auf einmal ein Einschreiben ankam. Ihr Sohn ahnte bereits: „Oh, es ist von Jürgen Klopp.“ Er hatte recht. Er habe in dem Moment auch Zeit gehabt, erklärte der Liverpool-Coach.

          In seinem Antwortbrief lobte er Daraghs Leidenschaft für den Fußball und teilte mit, dass Manchester sich glücklich schätzen könne, einen solchen Fan zu haben. Dennoch hatte er keine guten Nachrichten für den Jungen: „Leider kann ich deinen Wunsch aber nicht erfüllen, zumindest nicht freiwillig. Es ist eben mein Job, alles zu tun, damit Liverpool gewinnt, da es Millionen von Menschen auf der Welt gibt, die sich genau das wünschen“, schrieb Klopp auf Englisch. Was dem Jungen aber Mut machen sollte: „Wir haben früher Spiele verloren, und wir werden wieder Spiele verlieren, so ist der Fußball eben.“

          Wenige Tage später verlor Liverpool tatsächlich – allerdings hatte der junge Daragh nicht so wirklich viel davon. Denn die Niederlage passierte nicht in der Premier League, sondern in der Champions League beim 0:1 bei Atlético Madrid im Hinspiel im Achtelfinale. Die nächste Chance in der englischen Liga gibt es am nächsten Montag (21.00 Uhr bei Sky). Dann trifft der FC Liverpool, der in den nächsten drei Wochen wegen einer Oberschenkelverletzung auf Kapitän Jordan Henderson verzichten muss, an der Anfield Road auf West Ham United. Große Hoffnungen sollte Daragh Curley aber nicht in die „Hammers“ setzen: Sie stehen derzeit auf Abstiegsplatz 18.

          Die Reaktion von Klopp, die durch das Boulevardblatt „The Sun“ und die BBC öffentlich wurde, jedenfalls sorgt für Aufsehen in England. Auch Daraghs Vater Gordon zeigte sich beeindruckt von der Reaktion des deutschen Trainers. „Er wirkte sowieso immer wie ein netter Mensch, und dieser Brief bestätigt, dass er ein sehr, sehr anständiger Kerl ist“, sagte er der BBC: „Ich liebe an diesem Schreiben, dass es um Sportsgeist und Respekt geht. Es ist toll, einem Zehnjährigen diese Dinge zu vermitteln.“ Auch wenn der Wunsch des Jungen nicht in Erfüllung gehen sollte, wird er die Antwort des Erfolgstrainers wohl nie vergessen. Und eines Tages dürfte auch Klopps FC Liverpool wieder verlieren. Dann vielleicht sogar gegen Manchester United.

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