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Fall Belounis : Feige Fußballhelden

  • -Aktualisiert am

Keine Hilfe in der Not: Zinedine Zidane Bild: AFP

Platini, Zidane, Guardiola. Sie alle haben geschwiegen. Der Fall Belounis ist auch eine Bankrotterklärung für die global hochgejubelte Fußball-Branche mit ihren angeblich so bedeutenden Figuren.

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          Die dramatischen Vorkommnisse um den zwei Jahre lang in Qatar festgesetzten Fußballspieler Zahir Belounis haben nicht nur wieder ein düsteres Licht auf die Menschenrechtssituation in dem kleinen Emirat geworfen, das so gerne das WM-Turnier im Jahr 2022 austragen will. Der Fall ist auch eine Bankrotterklärung für die global hochgejubelte Fußball-Branche mit ihren angeblich so bedeutenden Figuren, welche zwar in Sonntagsreden gerne auf die gesellschaftspolitische und soziale Bedeutung dieses Sports hinweisen, aber ihren einzigen Sinn offenbar doch nur in den kommerziellen Interessen sehen.

          Ohne die durch Medien und Menschenrechtsgruppen aufgebrachte Diskussion um die fragwürdigen Arbeitsbedingungen für „Arbeitssklaven“ auf den Baustellen Qatars sowie den monatelangen Einsatz der internationalen Fußballspielergewerkschaft (Fifpro) würde der unbekannte französische Profi-Kicker Belounis wohl weiterhin gegen seinen Willen am Golf festgehalten werden. Am Donnerstag soll er endlich ausreisen dürfen.

          Weder der Weltverband Fifa noch die europäische Fußballorganisation Uefa wurden ihrer Verantwortung gerecht und setzten sich frühzeitig für den Spieler ein. Es wäre eigentlich ihre Aufgabe gewesen.

          Er ist längst kein Einzelfall

          Weil Belounis gegen die Nichtzahlung seines Gehalts durch den qatarischen Klub El-Jaish klagte, wurde er so lange im Land festgehalten. Er sollte mitten in der Vertragslaufzeit einfach abgeschoben werden. Diesen erpresserischen Rechtsbruch möglich macht das sogenannte Kafala-System. Ohne die Unterschrift des Arbeitgebers gibt es in Qatar kein Visum für Ein- oder Ausreisen. Belounis, der zwischenzeitlich mit Hungerstreik gedroht hatte, sollte von seinem Verein gezwungen werden, nur gegen monetären Verzicht Qatar zu verlassen. Doch der 33-jährige Stürmer hat sich nicht einschüchtern lassen.

          Er ist längst kein Einzelfall. Eine ähnliche Leidensgeschichte hat der frühere marokkanische Fußball-Nationalspieler Abdeslam Ouaddou hinter sich, der vor einem Jahr entnervt Qatar verließ, ohne bisher sein Geld für den bis 2013 datierten Vertrag von seinem Verein erhalten zu haben. Auch er setzte sich zuletzt mit seinen begrenzten Mitteln für den Kollegen ein.

          Platini, Zidane und Guardiola blieben still

          Dagegen tat Belounis’ Landsmann Michel Platini nichts. Der einflussreiche Uefa-Chef ist zwar seit Jahren im Emir-Palast von Doha ein gerngesehener Gast und hatte im Jahr 2010 auch für die WM im Wüstenemirat gestimmt. Mit dem unangenehmen Thema wollte er seine qatarischen Freunde nicht belasten. Ein Armutszeugnis für einen der wichtigsten Fußballfunktionäre.

          Still blieben auch einige der größten Stars des Fußballs, von denen eigentlich Solidarität erwartet worden wäre. Zinedine Zidane hat sogar die gleichen algerischen Wurzeln wie Belounis. Aber offenbar wogen für den französischen Fußballheroen als auch für den Münchner Welttrainer Pep Guardiola ihre Millionenverträge als WM-Botschafter der Qatarer schwerer. Ein dramatisches Hilfegesuch von Belounis bei beiden blieb unbeantwortet. Ob feige oder kalt kalkulierend: Das ist zu wenig für Fußballhelden.

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