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„Fair-Play-Liga“ : Schiedsrichter ohne Pfeife

  • -Aktualisiert am

Das alte Format: Eltern am Spielfeldrand, der Schiedsrichter gibt den Ton an - in der „Fair-Play-Liga“ läuft es anders Bild: imago sportfotodienst

In Osthessen im Kreis Hersfeld-Rotenburg herrscht bei den G-Junioren neuerdings „wunderbare Ruhe“ auf dem Fußballplatz. Das hat mit der „Fair-Play-Liga“ zu tun. Es gibt aber auch Beispiele, bei denen es nicht funktionierte.

          Zurücktreten, bitte! Mindestens 15 bis 20 Meter. Entweder hinter eine Barriere, falls diese auf der Fußballanlage vorhanden ist. Oder die Vereinsverantwortlichen kennzeichnen den Bereich für die Eltern mit Bändern. Hauptsache, Vater und Mutter gehen räumlich auf Abstand zu ihrem Nachwuchs - und die Kindern können auf dem Platz ohne Zwischenrufe ungestört Fußball spielen.

          „Viele haben es nicht so gesehen, aber die Eltern waren das Hauptproblem“, sagt Bernd Holzhauer, der Klassenleiter der G-Junioren im Kreis Hersfeld-Rotenburg. „Jetzt ist eine wunderbare Ruhe auf dem Platz. Der Fußball steht im Mittelpunkt.“ Und damit der Spaß am Spiel und an der Bewegung.

          Mit gutem Beispiel gehen die Osthessen voran. Seit Beginn der Rückrunde im September wird dort im Kinderfußball in Form der „Fair-Play-Liga“ gespielt - bei den Bambinis (bis sechs Jahre) mit ihren 19 Mannschaften und bei den F-Junioren (bis acht Jahre). Der Schiedsrichter ist hier Moderator, er kommt ohne Pfeife aus. Ob Foul oder Einwurf, in den meisten Fällen sollen die Kinder gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht. Nur wenn sie etwas nicht wissen oder begreifen können, unterstützt sie der Moderator. Die Trainer der beiden Mannschaften sind für diese Aufgabe nicht vorgesehen.

          Denn: „Wenn die Betreuer auf den Platz laufen, folgen ihnen fünf Kinder“, sagt Holzhauer. „Anschließend müsste jeder erst wieder seine Mannschaft sortieren.“ Mit einer „gewissen Ruhe“ zu coachen - so lautet die Vorgabe an die Jugendtrainer. Auch die Eltern oder Großeltern sind heute viel ruhiger, schließlich seien sie in der Regel so weit weg, „dass es nichts bringen würde, zu schreien“, sagt Holzhauer. „Es ist Stimmung da, aber keine Negativstimmung.“ Er hat die Erfahrung gemacht, „dass die Leistung auf dem Platz und das Spielverständnis erheblich gestiegen sind. Die Kinder kümmern sich nun um den Ball und die Gegenspieler.“

          „Anfeuern ja, Steuern nein“, heißt das Motto

          Erfinder der „Fair-Play-Liga“, die es seit 2007 gibt, ist Ralf Klohr. Schlüsselerlebnis war für ihn zwei Jahre davor ein Spiel zweier F-Jugend-Mannschaften, das abgebrochen werden musste, weil es zu einer Schlägerei unter Eltern gekommen war. „Ausgangspunkt war eine Schiedsrichterentscheidung“, sagt er. Anschließend überlegte Klohr, der Mitglied im Arbeitskreis Kinderfußball im Kreis Aachen ist, welche „Störfaktoren den Kinderfußball negativ“ beeinflussen würden.

          „Gerade in diesem Alter bietet der Sport großartige Möglichkeiten für die Entwicklung eines Kindes. Es kann Selbständigkeit lernen und lernen, sich durchzusetzen und Regeln zu beachten“, sagt er. „Ich wollte nicht, dass das durch einige Unvernünftige aufs Spiel gesetzt wird.“ Deswegen entwickelte der ehemalige Jugendleiter beim SuS Herzogenrath eine modifizierte Spielform für die Kleinsten, die zum einen weniger Beeinflussung der Kinder durch ihre Eltern oder Zuschauer vorsieht. „Anfeuern ja, Steuern nein“, heißt das Motto.

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