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Ärger um Klopp und Liverpool : „Das ist beispiellos, ich bin wirklich enttäuscht“

  • Aktualisiert am

„Die Spieler brauchen eine Pause, mental und physisch“: Jürgen Klopp Bild: dpa

Jürgen Klopp und die Stars des FC Liverpool schwänzen das FA-Cup-Spiel gegen einen Drittligaverein, um Pause zu machen. Die Reaktionen reichen von Verständnis bis zu harscher Kritik. Nun reagiert der Verband.

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          Liverpool-Trainer Jürgen Klopp legt sich mit Englands Fußball-Autoritäten an. Nach dem peinlichen Pokal-Remis seines FC Liverpool bei Drittligaverein Shrewsbury Town (2:2) wetterte der Coach gegen den nationalen Verband FA. „Man kann nicht mit uns umgehen, als ob es niemanden kümmert“, schimpfte er. Der Grund: Das FA-Cup-Wiederholungsspiel findet ausgerechnet in der Winterpause statt. „Das heißt, dass wir nicht dabei sind“, sagte Klopp verärgert. Liverpool wird deshalb mit einem Nachwuchsteam antreten. „Die Kids werden spielen“, sagte Klopp.

          Die Antwort kam prompt: Der Fußball-Verband FA wollte sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. „Vor Beginn der Saison 2019/20 haben alle Vereine akzeptiert, dass die Wiederholungen der vierten Runde des FA Cup, sofern erforderlich, in der ersten Woche der Spielpause in der Zwischensaison stattfinden müssen“, teilte der Verband am Montagnachmittag mit.

          Dass die erste Meisterschaft seit 30 Jahren für den Tabellenführer der Premier League oberste Priorität genießt, ist kein Geheimnis. Dass es Klopp so deutlich zeigt und einen renommierten Wettbewerb zugunsten der Premier League womöglich abschenkt, ist neu. „Die Spieler brauchen eine Pause, mental und physisch“, betonte er. „Wir werden nicht da sein. Ich auch nicht. Ich weiß, dass das nicht sehr populär ist, aber ich sehe das nun einmal so. Man kann mit uns nicht umspringen, als würde das niemanden interessieren.“

          Eigentlich sollte Liverpool vom 2. bis einschließlich 14. Februar spielfrei haben. „Wir haben einen Brief von der Premier League erhalten, in der sie uns bitten, die Winterpause zu respektieren, keine internationalen Freundschaftsspiele und keine Pflichtspiele anzusetzen“, berichtete der Coach. „Ich habe den Jungs schon vor zwei Wochen gesagt, dass wir eine Winterpause machen.“

          Die Reaktionen auf Klopps Ankündigung waren gemischt. Einige Nutzer warfen dem Trainer in sozialen Medien Überheblichkeit und mangelnden Respekt vor, andere zeigten Verständnis. Shrewsburys Torschütze Jason Cummings äußerte sich enttäuscht. „Persönlich spiele ich natürlich lieber gegen die großen Spieler“, sagte er beim Sender BBC. „Das ist beispiellos“, empörte sich der TV-Experte Martin Keown, früher Profi beim Liverpool-Rivalen FC Everton, „ich bin wirklich enttäuscht.“

          Klopps Kollege Ralph Hasenhüttl hat mit Southampton wegen des 1:1 im FA Cup gegen Tottenham Hotspur nur neun Tage frei. An einen Boykott denkt er nicht. „Ich verstehe das nicht, aber okay, wir müssen es tun“, sagte der frühere Leipziger Coach, „wir müssen es akzeptieren.“ Steve Bruce, der mit Newcastle ein zweites Mal gegen Oxford ran muss, schimpfte: „Das ist eine lächerliche Situation. Was soll das?“

          „Das stand nicht in Klopps Drehbuch, und er wird kochen vor Wut“, schrieb das „Liverpool Echo“. Im unbedeutenden Liga-Pokal waren die Reds übrigens schon im Dezember mit der U 23 angetreten, weil Klopp mit seinen Stars an der Klub-WM in Qatar teilnahm, wo sich der Champions-League-Sieger schließlich auch zum Klub-Weltmeister kürte. Der Nachwuchs scheiterte bei Aston Villa krachend mit 0:5 und flog – kaum beachtet – aus dem Ligapokal.

          Doch der FA Cup hat einen anderen Stellenwert. Das wäre so, als würde der FC Bayern im Achtelfinale des DFB-Pokals mit seinen Amateuren antreten. Man stelle sich vor, Trainer Hansi Flick würde zuhause bleiben, und statt Lewandowski, Gnabry und Kimmich würden Zirkzee, Meier und Welzmüller spielen. Die Empörung wäre sicher groß, Kritiker würden Wettbewerbsverzerrung monieren. Andererseits würde in Deutschland wohl niemand auf die merkwürdige Idee kommen, ein Pokalspiel in die Winterpause der Bundesliga zu legen.

          Der FC Arsenal ist seiner Favoritenrolle derweil gerecht geworden und hat im englischen FA Cup das Achtelfinale erreicht. Überschattet wurde der 2:1 (2:0)-Sieg der Gunners beim AFC Bournemouth am Montagabend durch die Verletzung des ehemaligen deutschen Nationalspielers Shkodran Mustafi. Der 27-Jährige ging in der 59. Minute nach einem Zusammenprall mit seinem eigenen Torwart Emiliano Martinez zu Boden und kam dabei unglücklich mit dem Fuß auf. Mustafi wurde mit einer Trage aus dem Stadion gebracht; Details über seine Verletzung waren zunächst nicht bekannt.

          Die Treffer für die Gunners im Vitality Stadium erzielten Bukayo Saka (5. Minute) und Edward Nketiah (26.) bereits vor der Pause; erst in der zehnminütigen Nachspielzeit kam Bournemouth durch Sam Surridge noch zum Anschlusstreffer (90.+4). Der frühere Nationalspieler Mesut Özil saß in dem Viertrundenduell bei Arsenal nur auf der Bank. In der Liga sind die Londoner Tabellenzehnter; Bournemouth steht auf Abstiegsrang 18.

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